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Bemerkungen zu Irina Valtschevas Lyrik
Von Dr. Walter Zrenner (Alt- und Neuphilologe, Essayist; Georg-Trakl-Preis 1957), 25.09.2006
Im Gesamten gesehen repräsentiert ihre Lyrik natürlich ebenfalls den Geist dessen, was ich die "Innere Technische Epoche" nennen will, d.h. den Geist der Zuwendung zum Analysierenden, Zerlegenden, Zerstrahlenden, quasi Atomisierenden oder, will man einen Terminus aus der Malerei verwenden: Pointillisierenden. Empfindungen werden quasi auch sprachlich aufgelöst in ihre punktartigen Einzelteile.
Dies ist natürlich ein kühnes Unternehmen, da die Menschen seit Jahrtausenden gewohnt sind, Empfindungen (mit denen es ja Lyrik vor allem zu tun hat) im Kleid des Satzes (bzw. Bildes)vorzufinden. Oft sogar noch eingekleidet in eine Symbolik, die ihrerseits ja vor allem im konkreten Kleid ausdrückbar ist. So wie etwa (bildlich) ein zerlegter, quasi "atomisierter" Fisch kein Fisch mehr ist, sondern eine Anhäufung von separaten Einzelteilen...
Es ist also, um das Gesamtbild des von der Autorin Gewollten zu erfassen, eine geistige wie quasi-eidetische Umstellung vonnöten, die vielleicht so mancher nur an traditionelle Lyrik Gewohnter nicht so leicht wird vollziehen können. Es wird bei solcher Lyrik also sowohl vom Autor wie vom Leser eine emotionale wie intellektuelle "Umschaltung" verlangt, wozu die Bereitschaft allerdings vom Leser abhängt.
Zu erwähnen ist dazu ferner, dass eine allzu intensive "Verpointillisierung" oder Zerstrahlung von "Einzelteilen" bei zu großer Ausschließlichkeit (auf Kosten des Vergleichs-Gedankes) zu einer gewissen Ermüdung oder zu Eintönigkeitsempfinden beim Leser oder Hörer führen könnte, was die sonst erstrebte "Verblüffung" eventuell überdecken könnte. Es wird also ein Maßhalten zwischen Zerstrahlung und Sinn-Bedeutungs-Einheit vom Autor verlangt.
Valtscheva behält dieses Maß meist bei. Und so mancher Anhänger von modernistischer Lyrik wird dies sogar allzu braver traditioneller "Ausgeglichenheit" vorziehen.
Walter Zrenner
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