Rapunzel in Puppengesprächen,
Adoptivkinder auf Zeitreisen, Fragebögen, Bekundungen am Bauch der Sonne.
Rätsel und Anspielungen, die uns, an Hand scheinbar vertrauter Muster, in
die Irre führen. Florian Seidel hält seine Gedichte in der Balance zwischen
Verschweigen und Benennen, zwischen Bekanntem und Unbekanntem. Jeden
Augenblick könnte alles aus dem Gleichgewicht geraten, uns mitreißen, uns
enden lassen in einem Augenblick der Verwirrung. Die in dem Gedichtband „Ein
Tiger schleicht durchs Puppenhaus“ versammelten Texte schildern
Suchbewegungen. Glückspiraten, Tiger, Jäger und andere Unbehauste in jenen
Momenten, da die Realität Schlupflöcher bekommt und wir uns selbst im
Spiegel sehen. Ein ungewöhnlich großes Sprachgefühl und vor allem die
Bildhaftigkeit machen die Qualität dieser Lyrik aus.
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