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Bericht von der Buchmesse Leipzig 2007

Susanne Henke

Samstag, 24. März 2007, 17:00 Uhr
Kalter Wind pfeift über die stoppelige, graubraune Wiese vor den Toren Leipzigs. Darauf ein Komplex aus schiefergrauem Beton und Glas, der vier Tage lang ein Bücherparadies birgt. Ein herzliches Willkommen und unkomplizierte Registrierung auch kurz vor Toresschluss. Kaum hat der Schlitz am Einlassdrehkreuz unsere Karten wieder ausgespuckt, sind wir auf einem anderen Planeten. Hunderte phantasievoll ausstaffierter Cosplayer scharen sich um ein Wasserbecken ("Nicht vom Beckenrand springen!"), bereiten sich vor auf den großen Kostümwettbewerb. Vor der Glasröhre, die zur nächsten Halle führt, hält eine Prinzessin in orangerotem Tülltraum Hof.
Auf der Freitreppe schmökern hotdogkauend Weißmagier und Schwertkämpfer einträchtig neben lesebrillenbewehrten Anzugträgern. "arte" lädt zur Kostprobe seines kulturellen Kontrastprogramms. Noch ein Glastunnel.
Dahinter tigert ein junger Mann vor einer Plakatwand auf und ab, ruft verzweifelt in sein Handy: "Nein, ICH bin in Halle 3! Wo steckst du?". Wir sind richtig., finden mit Scheuklappenblick auch schnell zu "E 200", dem Stand meines Verlages, dann zu dem Forum, in dem ich morgen mit Gabriele Frydrych Lesung mache. Ein Raum mit etwa 70 Plätzen. Ein Lyriker sitzt dort auf der Bühne, zwei Zuhörer lauschen seinen Gedichten. Ich überlege, ob ich morgen nicht einen ganz dringenden Termin in Hamburg oder Timbuktu habe.
Doch dann nehmen Kunstdrucke, kalligraphisches Werkzeug, Buchdruck vom Gutenbergmuseum Mainz vorgeführt, das Fotografen- und Zeichnerarchiv "Filu"
gefangen, bis der Gong ertönt. Bücher verschwinden hinter schwarzem Samt, die Staubsaugertruppe rückt den Spuren der Besucher zuleibe. Draußen rät eine Mutter ihrem Sohn "Lass doch einfach die Luft raus!", als er versucht, seinen Luftballon in die Tüte mit seinen gesammelten Schätzen zu stecken.
Hinter ihm schreiten Menschen durchs Wasser, ohne nass zu werden. In Leipzig ist alles möglich.
(durch das Wasserbecken vor dem Messeeingang führt ein nach oben offener Tunnel, eine gelungene optische Täuschung)

Sonntag, 25. März
Strahlendblauer Frühlingshimmel scheint auch heute niemanden davon abzuhalten, in die Welt der Bücher einzutauchen. In einem schwarzen Zelt in Halle 2 geben die Manga-Stars von morgen eine Kostprobe ihres Könnens. Bei Carlsen Comics präsentiert eine junge Zeichnerin ihre Mappe. Die Begeisterung des Verlagsmitarbeiters lässt auf den Beginn einer wunderbaren Zusammenarbeit hoffen. Halle 4 lädt zu einer literarischen Weltreise. Nur ein paar Meter sind es von Saudi-Arabien nach Kroatien, Japan liegt gleich gegenüber. Wir dürfen uns bei Enno Stracke von "suchbuch.de" stärken, bevor es weiter geht durch die Landschaft der Regionalverlage, die Gemeinschaftsplattform der Kleinverlage, landen schließlich in der kaufrauschfördernden Messebuchhandlung, deren Team, zu erkennen an den schwarzen Shirts mit gelbem Aufdruck, sich bemüht, Antworten auf alle Fragen zu finden: "SagŒ mal, kennst du dich mit "K" aus? Kontraste-Verlag?"
Veranstaltungen in jeder Halle. Die kürzeste Entfernung zwischen zwei Lesungen beträgt ungefähr zwei Meter. Katalanischer Krimi, Kindesmissbrauch oder Kabarett in der Autorenarena? Hörbuchgenuss in der Einzelkabine oder Hörpspielproduktion im Zelt? Fantasy oder Politik? Oder einfach Schmökern auf dem Liegestuhl? Dazwischen vereinzelt verkaufsfördernd lächelnde Menschen aus der Fakten-Fraktion, die uns einladen, zu gewinnen. Ein zweiwöchiges Abo zum Beispiel. Zeit haben sie leider nicht im Angebot. Also zurück auf "E 200". Gaby ist schon da. Auf unserer Lesebühne erwartet uns die Meisterin des Mischpults. Zwei ihrer Kollegen gesellen sich dazu. Wir sind versucht, ihnen die Manuskripte zu überlassen und uns hinaus in die Frühlingssonne zu begeben, verdrängen aber tapfer diesen Fluchtgedanken und werden belohnt. Kurz vor Beginn sind die Reihen tatsächlich gefüllt, die Zuhörer warten geduldig, bis die Technik überlistet ist und werfen uns auch während der Lesung keine Tomaten an den Kopf. Sie scheinen sogar sehr vergnügt und beschenken uns mit Applaus. Aber vielleicht sind sie ja nur ausgesprochen höfliche Menschen.
Noch eine kurze Stöberrunde, ein Glas Sekt auf die überstandene Premiere, schon ist es 18:00 Uhr. Der für die Messe letzte Gong ertönt. Jubel und Applaus bei den Ausstellern. In rekordverdächtigem Tempo werden Bücher aus den Regalen gerafft, in Wannen verpackt, die Stände abgebaut, Kabel aufgerollt. Die meisten sind sicher: nächstes Jahr sind sie wieder dabei.

Für die Zahlenfans: Insgesamt stromerten 127.000 Besucher über die 63.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche, schmökerten in dem Angebot von 2.348 Verlagen, lauschten 1.500 Autoren auf 1.900 Veranstaltungen.

Einen Eindruck, was bei den Mangas so geboten wurde, findet Ihr z.B. hier:
http://www.comicsinleipzig.de/IIMS/index.php?page=IIMS_Content&pa=showpage&pid=99

Impressionen von der Messe:
http://www.mdr.de/leipzig-liest/

Copyright © 2007 Susanne Henke


Veröffentlicht: 29.03.2007

Zum Autorensteckbrief von Susanne Henke

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