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Feuer und Wasser
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Honeybunny



Anmeldungsdatum: 04.03.2006
Beiträge: 1049
Wohnort: bei den Bienchen und Blümchen

BeitragVerfasst am: Mo Jul 12, 2010 6:06 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Sarina schlich den schmalen Flur im ersten Stock entlang und blieb dann bei der Tür zu den besten Zimmern des Hauses stehen. Vorsichtig öffnete sie die Tür einen Spalt breit und warf einen Blick hinein. Dort stand dieser hochgewachsene Berater des Königs und ein weiterer Mann mit tiefschwarzem Haar und genauso blasser Haut, wie Myskan sie hatte. Der angebliche König hatte ihr den Rücken zugewand und sprach mit tiefer Stimme.
"Wann werden wir König Randor treffen?"
"Wir sollten in spätestens zwei Tagen abreisen, um rechtzeitig nach Tolkrana zu kommen. So wie ich Randor kenne, wird die Grenze sowieso schwer zu überqueren sein."
"Ich bin der König von Algoron, wieso muss ich Bestechungsgelder zahlen?"
Der Berater ders Königs lachte leise. "So sind die Tolkrana eben. Wenn wir die Grenzposten nicht bezahlen, können wir mit einem Aufenthalt von mindestens einer Woche in den Grenzquartieren rechnen, während die Grenzpatroillie jedes unserer Gepäckstücke genau unter die Lupe nimmt. Natürlich könnten wir sie auch einfach überrenen, aber ich glaube nicht, dass dies der richtige Weg wäre, um mit Randor Verhandlungen über die Nutzung seiner Straßen nach Nyssalla zu besprechen."
Damon seufzte. "Erklär mir bitte, nochmal, warum ich das persönlich machen muss und aus welchem Grund ich nicht einfach einen Botschafter geschickt habe?"
"Ihr müsst heiraten, und Randor wäre ein guter Schwiegervater. Er ist sehr alt, seine Tochter jung. So verleibt Ihr euch ein zusätzliches Königreich ein, ohne Krieg zu führen und seid so näher an den Nysalla dran. Wenn wir dann Glück haben, stirbt Randor in den nächsten zwei Jahren und wir verfügen über die größte und fähigste Armee des gesamten Westens. Seine Tolkranischen Bogenschützen und unsere Wara-Krieger ergänzen sich pefekt. Ihr werdet in spätestens zehn Jahren Herrscher über den Westen sein."
Der junge König hob eine Augenbraue und fragte sich, wie lange sein Berater dies schon geplant hatte. Er drehte sich um und entdeckte ein paar leuchtend grüner Augen an der Tür, welche sich im gleichen Moment erschrocken weiteten und sogleich verschwanden.

Madleine faltete den Brief noch einmal in der Mitte und versiegelte ihn mit heißem Wachs und stempelte ihn mit einem schweren Siegelring, auf dessen Wappen sich zwei Drachen aufbäumten, deren Schwänze fest ineinander verschlungen waren. Sie sah dem Dienstmädchen fest in die Augen. "Du weißt, wem du diesen Brief zu übergeben hast?"
Die junge Frau nickte stumm und nahm den Brief und eine schwere Goldmünze entgegen. "Wenn du den Brief verlierst, verlierst du auch dein Leben, also sorge dafür, dass er sicher sein Ziel erreicht."
Die Dienerin schluckte hart und nahm den Brief und die Münze mit zitternden Händen entgegen, ehe sie beides unter ihrer Schürze verschwinden lies. Dann knickste sie tief und eilte davon.
Madleine kaute auf ihrer Unterlippe und atmete tief durch. Wo war sie da nur reingeraten?
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Zuletzt bearbeitet von Honeybunny am Mo Jul 19, 2010 5:05 pm, insgesamt einmal bearbeitet
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Randall Flagg



Anmeldungsdatum: 18.12.2007
Beiträge: 1245

BeitragVerfasst am: Sa Jul 17, 2010 10:25 am    Titel: Antworten mit Zitat

Myskan spürte, dass es regnen würde. Er sah die dunklen Wolken nicht etwa vor Augen, oder hatte Visionen von einem sich auftürmenden Gewitter, welches donnernd über die Ebenen zog. Nein. Es war einfach so ein Gefühl. Ein angenehmes, wohliges Prickeln, bei dem sich ihm die Nackenhaare aufrichteten. Myskan wurde im Wasser geboren und wünschte sich, in ihm zu leben. Während er mit pochendem Herzen auf Sarina wartete, dachte er an blaue Wogen und sanftes Schweben.
Sie polterte die Treppe hinunter und riss den Jungen aus seinen Träumen.
"Schnell, komm!", waren ihre Worte, als sie ihn am Arm gepackt hinter sich her nach draußen zerrte.
"Was...?", wollte Mysk noch fragen, da stürmten sie schon hinaus.
"Frag nicht!", zischte sie ihm zu. Den Jungen im Schlepptau rannte Sarina quer über den Hof, sprang über einen Zaun und versteckte sich im Gebüsch. Myskan hatte Mühe, mit ihr Schritt zu halten. Beim Sprung wäre er beinah gestürzt und in den Büschen ließ er sich laut schnaufend zu Boden sinken.
"Was... was... war denn das?", keuchte er.
Sarina kicherte. "Das war ganz schön knapp." Zu Myskans Verwunderung hörte sie gar nicht mehr auf zu gackern und da ihr Lachen so ansteckend war, musste auch mit einem Mal kichern.
Nachdem sie sich wieder beruhigt hatten, gewannen Sarinas Augen einen nachdenklichen Ausdruck. Mysk mochte es nicht, wenn sie so guckte. Es bedeutete selten etwas Gutes.
"Hast du sie belauschen können", fragte er zögerlich.
"Ja, und wir haben nur noch zwei Tage, bevor sie abreisen."
"Aha", antwortete er nur in der Hoffnung, die Sache wäre damit erledigt.
"Ja...", hörte er Sarina verschwörerisch flüstern und in der Ferne rollte Donnergrollen heran.

Trinken war kein Problem. Lyvan vertrug viel und nutzte diesen Umstand regelmäßig schamlos aus. Auch heute wieder hatte er sich mit nur einem einzigen Grund in die Schenke "Zur jauchzenden Jungfrau" begeben: um sich halbtot zu saufen. Aber aus irgendeiner Laune heraus hatte er heute mehr Kelche gekippt, als üblich. Erheblich mehr. Selbst für seine Verhältnisse war er viel zu betrunken. Vielleicht lag es daran, dass er die Nacht in Pferdekot verbracht hatte oder weil ihm sein letztes Geld durch so ein blödes Loch in der Manteltasche gekullert war. So oder so gehörte dieser Tag zu der Liste von Tagen, die er lieber tot als lebendig verbracht hätte. Übrigens eine lange Liste.
"Ich habe es ihnen doch schon gesagt, junges Fräulein", hörte er den Wirt energisch reden. Lyvan saß an der Theke, den Blick verklärt ins Nirgendwo gerichtet. Speichel tropfte ihm aus den Mundwinkel und in den leeren Becher zwischen seinen Händen.
Die Stimme einer Frau neben ihm antwortete: "Ich werde hier wenn notwendig so lange warten, bis ich ihn sprechen kann!" Sie war offenbar trotzig.
Aber der Wirt hielt dagegen: "Man trifft ihn nicht einfach so. Er trifft sich mit wem er wann auf welche Weise auch immer will. Und nicht anders!"
Lyvan schwankte. Vor seinen Augen begann sich die Welt zu drehen. Etwas brodelte in seinem Magen und er glaubte, gleich brechen zu müssen. Die Frau neben ihm war offenbar eine Magd. Sie holte einen Brief und eine Goldmünze unter ihrer Schürze hervor. "Sie meinen, daran ließe sich nichts ändern?", fragte sie und legte das Goldstück dabei auf den Thresen.
Lyvan fielen beinah die Augen über. Er hatte kein Geld dabei und wusste nicht, womit er den Fusel und seine Unterkunft bezahlen sollte. Die Dinge lagen ganz klar - diesen Auftrag würde er annehmen. Er wandte sich zu der Frau um und lallte: "Also Fräulein, dann erzähl mal, was du von mir willst!"
Sie schaute ihn erschrocken an und und Lyvan rülpste beherzt.
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Honeybunny



Anmeldungsdatum: 04.03.2006
Beiträge: 1049
Wohnort: bei den Bienchen und Blümchen

BeitragVerfasst am: Mo Jul 19, 2010 5:29 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Herrscher des Westens. Damon war sich nicht sicher, ob ihm das tatsächlich gefallen würde. Im Moment herrschte er über ein kleines, aber sehr mächtiges Reich. Es war einfach, dieses unter Kontrolle zu halten, selbst, wenn jetzt erneut ein par Fira auftauchten. Diese schillernden Augen soeben waren wahrscheinlich die des Mädchens von der Henry ihm erzählt hatte. Er fragte sich, ob sie wusste, was sie war.
"Was ist, wenn mir die Tochter Randors nicht gefällt?"
Henry sah von seinem Weinbecher auf und musterte den jungen König. "Dann werdet Ihr sie dennoch heiraten. Diese Verbindung ist politisch und nicht romantisch."
Der König atmete tief durch. "Allmählich habe ich das Gefühl, du regierst dieses Land und ich bin deine Marionette. Ich werde selbst entscheiden, ob mir dieses Mädchen gefällt oder nicht. Genauso wie ich selbst entscheiden werde, ob ich Herrscher des Westens werden möchte. Wenn ich alt genug sein soll, um zu heiraten, bin ich auch alt genug, um eigene Entscheidungen zu treffen. Du entschuldigst mich." er drehte sich um und stapfte aus dem Zimmer die Treppe hinunter.
Damon war gerade erst siebzehn Jahre alt und saß seit dem überraschenden Tod seines Vaters vor zwei Jahren auf dem Thron. Bisher hatte er sich in fast allen Dingen von Henry leiten lassen, aber allmählich hatte er tatsächlich das Gefühl nur ein Werkzeug zu sein.

"Sie werden nach Trolkrana gehen. Wolltest du nicht auch schon immer mal die Welt sehen?" Sarina sah ihren Freund an, welcher sie mit großen Augen ansah.
"Was willst du damit sagen?"
"Wir könnten abhauen und uns ihnen anschließen."
"Was ist mit Madleine?"
"Ach die...sie verbietet mir sowieso jeden Spaß. Sarina, halte dich vom Feuer fern, Sarina, bleib im Hintergrund, Sarina, lass die Finger von der Kerze BLA BLA BLA." sie schob schmollend ihre Unterlippe vor. "Ich bin der Meinung, ich bin schon alt genug um selber zu wissen, was gut für mich ist."
"Du bist zwölf."
"Na und? Was ist jetzt? Kommst du mit? Ich würde Vorräte besorgen."

Sahrah hob ein Taschentuch zu ihrer Nase und musterte den Wiederling vor ihr. "Von Euch will ich gewiss nichts. Ich bin auf der Suche nach einem Edelmann und den besten Kapitän, welchen die Meere des Westens je gesehen haben und will keinen...Trunkenbold. Geht zurück in Eure Ecke und nüchtert Euch aus."
Der dicke Wirt wischte seine Hände an der fleckigen Schürze ab und stützte sich auf seine Bar. "Mädchen, hast du schon mal einen Seemann gesehen, der an Land nicht sein letztes Quäntchen Verstand versoffen hat?"
"Beweist mir, dass Ihr die Person seid, welche ich suche." forderte die Magd. Tatsache war, dass dieser Abschaum, welcher vor ihr stand, Kleidung trug, welche irgendwann einmal edel gewesen sein mochten, und er war ein Nysalla.

Madleine öffnete die Tür zu Sarinas Zimmer und seufzte, als sie das geöffnete Fenster und das leere Bett sah. Sie hätte es besser wissen sollen. Hoffentlich hatte der König sie noch nicht gesehen...oder einer seiner Diener. Sie eilte die Treppe hinunter und sah, wie der König in Richtung Stall ging.
"Sarina?" rief sie leise und sah sich um. Wenn sie dieses Mädchen zwischen die Finger bekommen würde...so gern sie Sarina auch hatte, es wurde Zeit, dass sie in bessere Hände kam. Es war zu viel auf dem Spiel, als dass jetzt etwas dazwischen kommen durfte.
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Randall Flagg



Anmeldungsdatum: 18.12.2007
Beiträge: 1245

BeitragVerfasst am: Do Jul 22, 2010 4:29 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Natürlich wollte er. Für Sarina hätte er alles getan, selbst wenn er es sich nicht eingestand. Aber wenn sie sprang, sprang er hinterher. Wenn sie rannte, war er an ihrer Seite. Sie bekamen gemeinsam den Ärger, wenn Sarina Mist gebaut hatte. Sie standen alles zusammen durch. Und ihm gefiel es so. Doch abhauen?
„Das geht nicht“, protestierte Myskan.
„Warum denn nicht“, fragte Sarina verärgert.
„Na weil…“ Er zögerte, sah zu Boden und spürte die Tränen in den Augen brennen. „Meine Familie“, antwortete er schließlich kleinlaut. „Meine Eltern und meine Brüder… ich kann sie nicht verlassen.“ Eine Träne schaffte es über den Rand und rollte ihm über die Wange. Er wischte sie wütend und schamerfüllt weg.
„Achso…“, seufzte Sarina. Mysk sah auf und in ihren Augen erwartete ihn nicht der befürchtete Zorn, sondern etwas anderes. Enttäuschung. Sie wirkte traurig.
„Tut mir leid“, meinte er und kam sich unglaublich dumm vor.
Ihre Hand berührte seine Schulter. „Ich werde dich vermissen, Mysk.“ Sie sagte es, umarmte ihn kurz und als er gerade zu verstehen begann, was das bedeutete, war sie schon aus den Büschen heraus gesprungen.
„Was… Sarina!“, rief er ihr hinterher, da rannte sie bereits quer über den Hof auf den Stall zu.
Myskan zögerte. Einen Atemzug, zwei Atemzüge… dann folgte er ihr.

Murrend stieß er sich vom Tresen ab und schwankte durch den Raum. Er hasste diesen tückischen, unbeweglichen Boden. Auf Planken fühlte er sich sicher, hier wusste er manchmal nicht, wie er auftreten sollte. Der Wirt kannte das, schüttelte nur den Kopf. Die Magd fühlte sich offenbar in ihrer Ansicht bestätigt.
Sie klang hochmütig, als sie sagte: „Seht Ihr, ich habe es doch gewusst! Ihr seid kein Kapitän und auch kein…“
„RUHE!“, brüllte Lyvan. Er stand, schief, aber aufrecht, auf beiden Beinen. „Wasser“, meinte er an den Wirt gerichtet, der diese Bitte sicher noch nie aus Lyvans Mund gehört hatte. „Einen großen Krug“, fügte er noch hinzu.
Der Wirt war skeptisch, holte aber einen vollen Krug Wasser hervor. Lyvan ging zum Tresen, tat jeden Schritt mit Bedacht. Er nahm den Krug und schüttete ihn sich übers Gesicht. Die Magd trat erschrocken einen Schritt zurück.
Es tropfte aus seinen Haaren. Floss in Rinnsalen über sein Gesicht. Tropfte von Nase und Kinn. Dann hob er eine Hand und strich sich die schulterlangen Haare glatt nach hinten. Der Trunkenbold war verschwunden. Lyvan stand gerade, schwankte nicht, hatte den Bauch eingezogen, die Brust stolz geschwellt. Sein Gesicht war wettergegerbt und sein Blick ernst. Er sah der jungen Frau tief in die Augen.
„Ihr habt eine Bitte an Kapitän Lyvan lez Velarges der Nysalla? Dann tragt mir Euer Begehr vor.“
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Honeybunny



Anmeldungsdatum: 04.03.2006
Beiträge: 1049
Wohnort: bei den Bienchen und Blümchen

BeitragVerfasst am: So Aug 15, 2010 4:46 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Sarina lief in den Stall und prallte direkt gegen den König. Sie brauchte einen Augenblick, um sich zu sammeln und sah mit großen Augen zu ihm auf.
Damon hätte beinahe die Zügel des schwarzen Pferdes losgelassen, als ein Mädchen mit wilden, roten Locken ihn beinahe umrannte. Sie schreckte kurz zurück und sah ihn überrascht an, dann wanderte ihr Blick zu dem schwarzen Pferd und ihre Augen zogen sich zu schmalen Schlitzen zusammen. "Das ist mein Pferd." zischte sie.
Sarina hätte sich am liebsten selbst auf den Mund geschlagen. Wieso musste sie immer erst reden und dann denken? Das hier war der König und sie hatte vor, sich ihm anzuschließen, aber stattdessen bezichtigte sie ihn des Pferdediebstahls.
Doch anstatt verärgert zu sein und sie ihres Platzes zu verweisen, lachte er. "Ich werde dir dein Pferd nicht wegnehmen. Ich wollte nur ein wenig ausreiten und unsere Pferde haben sich noch nicht ganz erholt." er musterte sie nachdenklich. Sie musste die Fira sein, von der ihr Henry erzählt hatte. Ein Mädchen wie sie konnte nicht gefährlich sein, auch wenn sich ihre geballten Fäuste jetzt erst wieder öffneten.
Sie öffnete gerade ihren Mund um ihm zu antworten, als ein weiteres Kind, diesesmal ein Junge, in den Stall gerannt kam.

Sahrah sah den Trunkenbold überrascht an. Er sah wirklich aus, wie man ihn ihr beschrieben hatte, aber sie war dennoch etwas skeptisch. Schließlich war der Brief, welchen sie bei sich trug, ihr Leben wert. Sie schürzte sich zögernd die Lippen, dann zog sie das versiegelte Kuvert aus ihrem gut gefüllten Ausschnitt, was ihr ein süffisantes Grinsen Lyvans einbrachte.
"Ich kenne den Inhalt nicht, ich will auch gar nichts von dem Inhalt wissen. Mein Auftrag ist nur, Euch dies zu übergeben. Was Ihr daraus macht, ist Eure Sache." Sie atmete noch einmal tief durch, dann übergab sie ihm das Kuvert.
Der Wirt grinste. "Ein Liebesbrief von einer deiner Landbekanntschaften?"
Lyvan nahm den Brief entgegen, bereit etwas zu erwiedern, doch dann erkannte er das Siegel. Er lächelte gespielt belustigt und zwinkerte dem Wirt zu. "Ich glaube, ich werde heute Nacht außerhalb schlafen." Er neigte seinen Kopf vor Sahrah. "Wenn Ihr mich bitte entschuldigen wollt."

Henry starrte nachdenklich aus dem Fenster. Er hatte nicht so lange an der Erziehung Damons gearbeitet, um jetzt in seinen Plänen gestört zu werden. Das Volk der Wara hatte sich in diesen neuen Ländern seit der Vernichtung der Fira hervorragend eingelebt, aber allmählich wurde es Zeit, ihren Machtbereich zu erweitern. Vielleicht hatte er das Thema Heirat noch ein wenig zu früh angesprochen. Aber Damon musste verstehen, dass Heiraten in königlichen Familien selten romantischen Ursprungs waren. Außerdem konnte ja niemand wissen, wie alt Prinzessin Adriana von Tolkrana werden würde...
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Honeybunny



Anmeldungsdatum: 04.03.2006
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BeitragVerfasst am: Do Okt 16, 2014 12:50 pm    Titel: Antworten mit Zitat

Der König sah von dem Jungen zu dem Mädchen und musste lachen. Die beiden standen eng zusammen und man konnte die Verbindung und Freundschaft spüren. Ein Warga und eine Fira und keiner von ihnen schien zu wissen, was er war. „Keine Angst, Mädchen, ich bringe dir dein geliebtes Pferd wohlbehalten wieder zurück.“
Myskan stand mit offenem Mund da. Sarina hatte Recht gehabt. Der König war wie er.
Sarina sah von dem hochgewachsenen Mann zu ihrem Freund und zurück, dann spitzte sie ihre Lippen kritisch und verschränkte die Arme vor der Brust. „Die Frage ist nur, ob Kresoldor EUCH wohlbehalten zurück bringt.“
Damon hob eine Augenbraue. „Ich bin ein sehr guter Reiter, Kleines.“
„Mag sein, aber Kresoldor ist kein sehr gutes Reittier. Er mag es nicht, wenn jemand anderes als ich auf seinem Rücken sitzt.“
Eine Hand legte sich von hinten auf Sarinas Schulter und Myskan flüsterte nur „Mist.“, als sich eine weitere Hand auf seine Schulter legte.
„Ihr solltet auf meine unerzogene Tochter hören, dieses eine Mal hat sie sogar Recht. Das Pferd dort ist meiner Meinung nach direkt aus der Unterwelt entsprungen. Man hat es Sarina auf dem Pferdemarkt sogar geschenkt, weil es keiner haben wollte.“
Madleine wandte sich an die Kinder. „Sarina, geh auf dein Zimmer und dieses Mal bleibst du dort. Wir sprechen später darüber. Mysk…wenn du jetzt nach Hause gehst, werde ich das hier vergessen. Ich will dich die nächsten Tage nicht in der Nähe von Sarina sehen. Deine Mutter meint sowieso schon, dass sie dich verdirbt.“
Der Junge sah betreten auf den Boden und warf Sarina, die ihre Mutter wütend anfunkelte einen entschuldigenden Blick zu, dann nickte er und lief los.
Sarina hingegen blieb stehen. Ihre Augen waren zu schmalen Schlitzen und ihre Lippen zu einem Schmollmund verzogen. Was fiel ihrer Mutter ein, sie vor dem König einfach so wie ein kleines Kind zu behandeln? Der König war doch selbst nur ein paar Jahre älter als sie…Sarina öffnete den Mund um zu protestieren, als sie den Blick von Madleine auffing. Eine solch große Sorge hatte sie dort noch nie gesehen. Sie atmete tief durch, machte einen ungeschickten Knicks und dampfte in Richtung ihres Zimmers ab.

Lyvan beobachtete das Gasthaus nachdenklich. Überall streunten Wachen in königlicher Uniform herum und es erschien unmöglich, unbemerkt hinein zu kommen. Also blieb ihm nur eins, er würde offensichtlich in die Pension gehen. Er seufzte, dachte an das Goldstück und an das was in dem Brief gestanden hatte. Was tat man nicht alles für die Liebe seines Lebens….
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BeitragVerfasst am: Mi Mai 13, 2015 11:19 am    Titel: Antworten mit Zitat

Madleine sah auf, als ein hochgewachsener Nysalla mit streng nach hinten gekämmten Haar und wettergegerbter Haut ihre Taverne betrat. Ein Lächeln huschte über ihr Gesicht, als sich ihre Blicke trafen. Lyvan kam direkt auf sie zu. „Seid gegrüßt, schöne Frau, ich brauche ein Zimmer für diese Nacht, habt Ihr noch eines frei?“
Die Augen Madleines blitzten belustigt auf. „Aber natürlich, ich werde es Euch zeigen.“ sie nickte in Richtung Treppe und führte ihren neuen Gast an den Wachmännern des Königs vorbei in den ersten Stock und in ein Gästezimmer. „Ich hoffe, dieses Zimmer gefällt euch…“ sie schloss die Tür hinter sich und Lyvan zog sie an sich und küsste sie.
Mühsam befreite Madleine sich und hielt den Seemann mit ausgestrecktem Arm auf Abstand. „Du bist nicht deswegen hier.“
Lyvan seufzte. „Ich weiß, ich habe deinen Brief gelesen. Du meinst, ich soll sie hier weg bringen? Glaubst du, sie ist in Nysalla sicherer als hier?“
„Sie ist überall sicherer als hier. In Nysalla gibt es wenigstens noch mehr Fira wie hier. Und solange Tolkrana zwischen unseren Ländern liegt, hat sie zumindest einen Puffer. Du hast schon mehrere Fira übersiedelt, eine mehr sollte dir nichts ausmachen, und sie ist ein gutes Kind…manchmal.“
Sie warf ihrem Gegenüber einen flehenden Blick zu. „Bitte…sie ist wie meine eigene Tochter. Du weißt, dass ich sie damals aufgenommen habe, nachdem ich unser…Kind verloren habe. Du weißt wie sehr ich sie liebe.“
Lyvan seufzte. „Ich weiß. Ich werde sie heute Nacht mitnehmen.“
„Sie wird schlafen, dafür sorge ich, ansonsten wird sie nicht mitgehen. Sie würde sich nicht von ihrem Freund trennen wollen.“
Der Nysalla hob eine Augenbraue. „Ich werde also ein nichtwissendes, bewusstloses Kind über die Grenzen tragen müssen? Was soll ich ihr sagen, wenn sie aufwacht?“
Madleine zog einen vorbereiteten Brief aus ihrer Rocktasche. „Gib ihr diesen hier. Er wird alles erklären.“
Lyvan nahm den versiegelten Umschlag entgegen und steckte ihn in seine Manteltasche. „Nun…gut…da das geklärt ist…“ er grinste schief und zog Madleine wieder an sich.
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BeitragVerfasst am: Fr Jun 17, 2016 10:10 am    Titel: Antworten mit Zitat

Sarina schlang das Essen ihrer Mutter runter wie immer. Aber irgendwie schmeckte es heute anders. Madleine hatte es ihr aufs Zimmer gebracht, zusammen mit einem Becher stark verdünnten Weins. Sie nahm einen großen Schluck und schwenkte ihn in ihrem Mund hin und her. Sie bekam sehr selten verdünnten Wein. Ihre Mutter meinte sie war noch zu jung dafür. Warum also heute? Sie sah auf das halb aufgegessene Mahl, schluckte und hustete. Irgendwas war faul. Sarina gähnte herzhaft und nahm noch ein paar Löffel des dicken Eintopfs. Er war schon sehr gut…sie gähnte ein weiteres Mal und nahm leerte den Becher. Wein machte müde hatte Madleine immer gesagt. Nun, dann würde sie wohl heute Nacht sehr gut schlafen. Sie stellte die Reste neben das Bett und ließ sich zurückfallen. Sarina war eingeschlafen, noch ehe ihr Kopf das Kissen berührte. Es war ein tiefer Schlaf und sie träumte von der Reise mit dem König. In ihrem Traum ritt sie vor ihm auf dem Pferd, er hielt sie fest und flüsterte leise Worte in ihr Ohr, ehe er sie an einem Hafen eine Planke hinauf trug und auf ein Schiff brachte. Sie hatte Angst. Ein Schiff. So viel Wasser. Sie mochte kein Wasser. Sie schrie, doch es kam kein Laut aus ihrem Mund. Dann war da Mysk. Ihr Retter. Sie sah in seine grauen Augen, die ab und zu einen blauen Schimmer aufwiesen und beruhigte sich. Das Schiff verblasste und sie träumte von Sonne und ihren nackten Füßen im warmen Sand. Eine sanfte Stimme schien sie ständig zu begleiten, eine Stimme die ihr immer wieder sagte: „Alles wird gut, meine kleine Prinzessin.“
Sie erwachte von einem lauten Schrei, riss die Augen auf, drehte sich zur Seite und übergab sich herzhaft. Ihr Kopf schwamm und sie hatte das Gefühl zu schwanken. Auf und nieder ging es in ihrem Kopf. Sie hustete und sah sich um. Wo bei allen Göttern des Westens war sie? Und was war das für ein Geschrei? Ein kleines Fenster neben ihrem sehr schmalen Bett eröffnete ihr die ganze Wahrheit. Sie befand sich auf einem Schiff…um sie herum war nur Wasser und riesige weiße Vögel die schrille Schreie von sich gaben. Sie krümmte sich und übergab sich erneut, so bekam sie auch nicht mit, wie sich die Tür öffnete und Lyvan eintrat.
Der Seemann hob eine Augenbraue, rümpfte die Nase, bellte ein paar Befehle in den Gang hinter sich und setzte sich neben das Mädchen auf die Koje. Kurz darauf kam ein Matrose und brachte einen Wasserschlauch und begann mit angewidertem Gesichtsausdruck Sarinas Mageninhalt aufzuwischen.
Lyvan drückte ihr den Schlauch in die Hand und Sarina trank gierig. Ihr war immer noch schlecht. Das Wasser hatte einen leichten Nachgeschmack von Kräutern und sie stoppte sofort davon zu trinken. „Was ist das?“ fragte sie misstrauisch. „Und überhaupt, wo bin ich und wer seid Ihr?“
„Darin sind Kräuter, die dir gegen die Seekrankheit helfen werden. Ich hätte es zwar lieber gehabt, wenn du die Reise durchgeschlafen hättest, aber daran kann ich jetzt auch nichts mehr ändern. Mein Name ist Lyvan lez Velarges, mir gehört dieses unbescheidene Schiff. Ich bringe dich nach Nysalla in meine Heimat. Dort bist du sicher.“
„Und warum war ich dort, wo ich bisher gelebt habe nicht sicher?“ fragte Sarina missmutig und nahm noch einen Schluck aus dem Schlauch. Ihr ging es tatsächlich besser. Der Matrose war inzwischen gegangen und Lyvan sah sie nachdenklich an. „Ich werde dir alles erzählen, sobald wir angekommen sind, auch die Wände meines Schiffes haben Ohren. Du kannst jederzeit an Deck kommen, wenn du willst. Die frische Seeluft wird dir gut tun und du wirst einen alten Bekannten wiedersehen.“
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