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Stefanie Beck

Gut gezielt ist halb getroffen? - Warum Werbung NERVT!

Manchmal erscheint es doch unglaublich, was unseren Nerven heutzutage alles abverlangt wird. – Oder anders gefragt: für wie einfältig wird ein Individuum der heutigen Gesellschaft gehalten, wenn ihm solange dämliche Werbesprüche und -melodien vorgespielt werden sollen, bis sie eine suggestive Wirkung zeigen? Es ist zweifelsohne eine Riesenleistung und der Menschheit äußerst dienlich, wenn ein Elfjähriger aus purer Langeweile anfängt, das stumpfsinnige Lied aus der Almette-Werbung zu grölen. Oder wenn eine Vierjährige beim Anblick des Barbiepuppenregals sofort mit den Eltern zu diskutieren beginnt und dabei sowohl wohlüberlegte als auch unwiderlegbare, sachliche Argumente liefert, das heißt, in den Sitzstreik tritt und - während sich die Farbe der glühenden Apfelbäckchen auf das ganze Gesicht ausbreitet - das halbe Kaufhaus zusammenschreit mit den  Worten: „Mamaaaaa! Will ich a-abn, a-abn, a-a-abn!!!!!”. Womit die Melodie als sinnloses Ballastwissen wertvollen Speicherplatz im Kurzzeitgedächtnis des Jungen belegt und das Kontrastprogramm zu den Teletubbies die Besitzgier des Mädchens geweckt hat. Muss das denn sein?
 Ein amerikanischer Verkaufspsychologe hat einmal gesagt, Reklame sei die Kunst, auf den Kopf zu zielen und die Brieftasche zu treffen - wirklich? Knapp daneben ist nämlich immer noch vorbei, denn oft genug schiebt sich der gesunde Menschenverstand in rettender Absicht schützend vor die Brieftasche, sodass durch die - pardon! - geballte Ladung Schwachsinn letztendlich vielmehr die Geduld auf die Probe gestellt wird, als dass der Inhalt des Portemonnaies zu Schaden kommt.
 Ein Beispiel: Was, bitteschön, erhoffen sich manche Kaufhäuser eigentlich davon, dass sie ihre armen Kunden mit monotonen, sich ständig wiederholenden Werbedurchsagen terrorisieren? Möchte ich denn wirklich, wenn ich mich schon dazu entschließe, einen kostbaren Tag meines begrenzten irdischen Daseins in einem großen schwedischen Möbelhaus zu verbringen, alle drei Minuten von der gleichen, sich vor Begeisterung schier überschlagenden Stimme darauf hingewiesen werden, dass ich gerne asiatisch esse und daher unverzüglich das Sonderangebot eines 16-teiligen Essgeschirrsets für vier Personen, zu finden im Erdgeschoss, zu nutzen habe?      
Wer sich bereits zumindest ein Mal in besagtem Möbelhaus aufgehalten hat, der weiß aus Erfahrung, dass ein Einkaufstag dort länger dauern kann als zwei Stunden. Irgendwann bin ich dann soweit, dass mich, wenn ich schließlich nach ca. viereinhalb Stunden und hochgerechnet mindestens 87 Durchsagen etwa 15 Meter vor der Kasse auf das hach-so-tolle Angebot stoße, ein natürlicher Fluchtreflex packt, der mich aus reinem Selbsterhaltungstrieb handeln, mich – in Panik vor einer erneuten Ohrenfolter durch die Roboterstimme – einen großen Bogen um den schiefen Turm von Reisschälchen machen und möglichst schnell durch die Kasse das Weite suchen lässt. Nicht selten also scheitert diese hinterfotzige Strategie an ihrer penetranten Durchsichtigkeit, sowie an daraus resultierenden, instinktiven Reaktionen ihrer Opfer.
 Was zu viel ist, ist einfach zu viel. Werbung kann auch nur in Maßen den gewünschten Effekt hervorrufen, doch eben dieses Maß ist irgendwann voll. Ich schalte den Fernseher ab, weil ich einen bestimmten Werbespot schlichtweg nicht mehr sehen kann, spiele mit dem Gedanken, doch lieber wieder das CDU-Wahlplakat unter der Marlboroschachtel auf der Litfasssäule hervorzukratzen und möchte nicht wissen, wie viele Blechschäden täglich auf Deutschlands Straßen während des kleinen Moments der Unachtsamkeit (der nun mal entsteht, wenn man den Signalton im Radio, der auf die folgende Werbepause hinweist, registriert und die Augen verdreht) verursacht werden.
 Wo man auch hinsieht, wir sind umgeben von Werbung. Von allen Seiten wird sie uns vor Augen gehalten, um die Ohren gehauen oder gar unter die Nase gerieben. Unsere Gesellschaft ist so voll davon, dass wir es teilweise nicht einmal mehr merken. Sie ist einfach überall. – Aber keine Panik, es bleibt auch noch genug Raum für andere Dinge. Lautsprecher können ja schließlich nicht ihr ganzes armseliges Leben lang nur für Reklamezwecke missbraucht werden! So höre ich – ehrlich wahr, ich schwöre! – erst vor einiger Zeit beim Durchqueren des Landshuter Karstadts statt des erwarteten Schnäppchenmarkt-Trailers folgende Mitteilung: „Die Dame, die ihren Hund in der Parfümerieabteilung abgegeben hat, soll ihn jetzt bitte sofort wieder mitnehmen!“
 




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Die Geschichte wurde auf Wunsch von Stefanie Beck auf e-Stories.de aufgenommen - Vielen Dank!
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.02.2008. - Infos zum Urheberrecht




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