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Peter Schönau

Unschärfe




Was ist das Gedächtnis? Vergessen und Erinnern.
 
Nicht nur. Manchmal überfällt mich plötzlich das Gefühl, dass irgendwo etwas passiert ist oder passieren wird, was mich etwas angeht, und sei es nur indirekt. Aber es ist ein diffuses Gefühl, das ich nicht auf den Punkt bringen, dem ich nur in den seltensten Fällen ein Gesicht oder einen Ort geben kann. Auch bleibt mir das Ereignis, das mit ihm verbunden ist, in der Regel verborgen. Ich kann also weder Alarm schlagen noch eine Warnung aussprechen. Vielleicht meinem Nachbarn davon abraten, heute Morgen sein Haus zu verlassen, weil ihn sonst ein herabstürzender Ast der großen Kastanie, die er jeden Tag auf seinem Weg zur Arbeit passiert, erschlagen würde.
Der letzte Fall dieser Wahrnehmungen liegt schon etwas zurück. Ohne ersichtlichen Grund musste ich an einen im Ausland lebenden Neffen  denken, von dem ich lange nichts mehr gehört hatte. Von einer undefinierbaren Unrast getrieben, gab ich in Google seinen Namen und seinen Wohnort ein, ohne mir allerdings große Hoffnungen auf ein konkretes Ergebnis meiner Suche zu machen. Doch ich hatte mich geirrt. Ich stieß auf eine Todesanzeige und die Danksagung der Familie einige Tage später in der Lokalzeitung. Mein Neffe war vor wenigen Wochen gestorben. Ich erinnerte mich, dass er vor vielen Jahren an Lymphdrüsenkrebs erkrankt war. Doch wir hatten alle angenommen, dass er die Krankheit überwunden hatte.
 
Die Leuchtanzeiger an der "Divina Pastora" zeigte Uhrzeit und Temperatur an. Danach war es 7.55 Uhr morgens, und die Temperatur betrug 7 Grad Celsius.
Auf dem Gehweg bot ein Junge mit einer bunten Pudelmütze frierend Topfblumen an, die auf einem kleinen Handwagen aufgestellt waren. Es war der  zweite Adventsonntag. Ich warf reflexartig einen Blick auf meine Armbanduhr und stellte fest, dass ich auf meinem Flug vergessen hatte, die Uhrzeit um eine Stunde zurückzustellen, so dass die Zeiger meiner Uhr im Augenblick auf 8.57 Uhr vorrückten. Ich zog die Krone heraus und stellte die richtige Zeit ein.
 
Es gibt keinen Ort, an dem wir erwartet werden, und keinen Grund, an dem Ort, an dem wir uns gerade befinden,  zu bleiben. Das ist - etwas überspitzt - die Philosophie, die mich vor einigen Wochen zu meinem täglichen Frühstück in der "Bar Plata" geführt und zu einem ihrer Stammgäste gemacht hatte.
 
Die "Bar Plata" an der Calle Resolana hat einen langen Tresen, vor dem kleine Tische mit Stühlen aus dunklem Holz und Lederrücken stehen. Die Rückwand schmückt ein großes farbiges Fresco mit dem Arco Macarena im Mittelpunkt.
Von meinem Platz sah ich auf die Reste der alten Stadtmauer und den Arco Macarena mit der Basilika.
 
Wie jeden Morgen, trank ich eine Tasse Milchkaffe und aß dazu zwei mit Butter bestrichene Croissants. Zwar war es ein kalter Sonntagmorgen, aber die blasse Wintersonne spendete ihre – wenn auch reduzierte – Wärme von einem saphirblauen Himmel, den keine Wolke trübte.
Man konnte sagen, dass es ein geradezu idyllischer Sonntagmorgen war. Bis plötzlich kreischende Bremsen und das Geräusch von splitterndem Glas mich aufschreckten. Ich stand auf und warf einen Blick durch das Fenster. Offensichtlich hatte es einen Unfall gegeben.
Neugierig faltete ich meine Zeitung zusammen und ging auf die Straße.
Ein Taxi war gegen ein Verkehrsschild geprallt. Seine Motorhaube war stark verbeult, und die Windschutzscheibe war zersplittert.
Vor dem Taxi stand sein Fahrer und beugte sich über einen Körper. der zusammengekrümmt auf dem Asphalt lag. Mein Blick fiel auf einen umgestürzten Handwagen, und in einem Umkreis von mehreren Metern verstreute Blumentöpfe.
Ich hatte das Gefühl, dass meine Herz jeden Augenblick zu schlagen aufhören konnte. Langsam bewegte ich mich auf den Taxifahrer zu. Dann sah ich die Pudelmütze. Der Taxifahrer, ein älterer Mann, hatte sie in der Hand und hielt sie hilflos in die Höhe.
"Ich habe einen Krankenwagen gerufen", sagte er, "er ist mir direkt vor das Auto gerannt."
Der Krankenwagen kam in wenigen Minuten, doch der Notarzt konnte nur noch den Tod des Jungen feststellen.
Es war 8.57 Uhr morgens, ein schöner Morgen, drei Wochen vor Heiligabend.
 
 




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Die Geschichte wurde auf Wunsch von Peter Schönau auf e-Stories.de aufgenommen - Vielen Dank!
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.02.2016. - Infos zum Urheberrecht




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