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Iris Klinge

Cabo Verde

Wer in dieses Land reist, braucht gute Nerven. Oder er bucht einen Pauschal Urlaub in einem der vielen Luxus Ressort Hotels, die jetzt auf der Insel Sal entstehen. Alle anderen Inseln der neun bewohnten des Archipels sind touristisch wenig erschlossen und bieten Abenteuer inklusive einige unliebsame Überraschungen für den individuellen Urlauber auf der Suche nach einem sauberen Strand oder wilder Berglandschaft.

Wir hatten Mühe, in das Land einzureisen, weil die Computer der Einwanderer- Behörde gerade mal wieder streikten. So bildete sich eine lange Schlange von geduldig Wartenden vor dem einzigen Schalter für Neuankommende, die gern ihre 25 Euro Visa-Gebühr loswerden und endlich das Flughafengelände verlassen wollten. Vor 15 Jahren, als ich das letzte Mal nach Cabo Verde kam, ging alles viel schneller, weil der Stempel auch ohne Computer ausgestellt wurde.

Nach etwa einer Stunde Wartezeit durften wir endlich „einreisen“. Mit dem Taxi ging es zum Markt der Hauptstadt Praia, wo die Minibusse auf Kundschaft warteten, die ins Landesinnere fahren wollte. Unser Gepäck wurde von vier Männern aus dem Auto gezerrt, jeder versuchte, uns in seinen eigenen Minibus zu verfrachten. Nach vielem Geschrei landeten wir schließlich gemeinsam mit unseren 7 Sachen in einem randvoll beladenen Minibus, der sogleich losfuhr. Die wilde Fahrt ging kreuz und quer durch die Berge ans andere Ende der Insel Santiago, zu einem Ort namens Tarrafal, den wir uns als Ziel ausgesucht hatten.

Die erste Enttäuschung dort angekommen war das Hotel, in das uns der Taxifahrer brachte. Das Zimmer eine Bruchbude, der Service jämmerlich. Laut Auskunft des Besitzers gab es nichts Besseres am Ort. Doch oh Wunder, am nächsten Morgen entdeckten wir, dass ein altes, herunter gekommenes Hotel am Strand gerade einige Zimmer renoviert hatte und wir eines davon mieten konnten. Unser Aufenthalt war gerettet.

Die Bucht von Tarrafal hat feinen, weißen Sand und herrlich glasklares Wasser. Die vielen kleinen Fischerboote stören nicht. Sie bieten einen pittoresken Anblick, wenn sie morgens vom Fang nach Hause kommen und sich die Frauen mit ihren großen Schüsseln einfinden, um die Fische zum Markt zu tragen.

Weiße Touristen verirren sich nur selten ans Ende der Insel. Die Dorfjugend kommt vor allem am Nachmittag zum Baden und Fußball- oder Volleyball Spielen zum Strand. In kleinen Bars wird gegrillter Fisch oder der typische Gemüse-Eintopf angeboten.

Das Dorf ist eine Ansammlung von verfallenen Hütten, im Rohbau stehen gebliebenen Häusern und einigen farbenprächtigen Neubauten, die sich um den Platz vor der Kirche und in der Nähe der Markthalle scharen. Dazwischen Mini- Läden, vor allem von Chinesen betrieben mit ihrem wilden Sammelsurium an billig Artikeln.

Wege aus dem Dorf hinaus gibt es so gut wie gar nicht. Lediglich die gepflasterte Straße, auf der die Minibusse ihre Fahrt zurück in die Hauptstadt antreten, nachdem sie stundenlang nach Kundschaft fahnden, bis ihr Auto endlich randvoll beladen ist. Wer pünktlich seinen Flug erreichen will, sollte auf jeden Fall einen Tag früher die Rückreise antreten, denn es ist immer ungewiss, wann Praia erreicht wird.

Wir hatten das Pech, uns zwei Tage vor der Abreise einen Infekt einzufangen. Übler Husten mit Glieder-und Kopfschmerzen, zwei schlaflose Nächte und tagsüber Übelkeit und Apathie. Andere erwischte es mit Brech-Durchfall.

Dann die nächste böse Überraschung am Flughafen bei der Ausreise. Obwohl die Tickets wochenlang vorher gekauft und bezahlt waren, setzte man uns auf „stand-by“, weil der Flieger angeblich voll war. Schließlich durften wir tatsächlich das Land wieder verlassen. - sozusagen auf Regierungs Gnaden.

Als ich vor 15 Jahren dieses Land bereiste, war alles genauso unterentwickelt wie heute. Lediglich die Insel Sal wurde inzwischen zur Touristen Attraktion mit ihren langen, weißen Sandstränden und dem angenehm warmen Wasser. Doch die künstlichen Paradiese für Pauschal Touristen bieten nur Sonne, Sand und viel Wind. Dort haben sich auch die Senegalesen angesiedelt, die mit ihren Souvenirs früher die Menschen in Paraia belästigten. Wer Land und Leute kennen lernen möchte, sollte eine der anderen 8 Inseln besuchen, doch wäre die Kenntnis des Portugiesischen von Vorteil, weil nur wenige Einheimische eine andere europäische Sprache sprechen.

Ich hatte den Eindruck, dass die Bevölkerung nur ungern portugiesisch spricht, die offizielle Landessprache. Alle sprechen lieber Kreolisch. Der Hass gegen die früheren Kolonialherren scheint tief zu sitzen. In den 70 er Jahren des vergangenen Jahrhunderts stattgefundenen Freiheitskämpfe wurden brutal niedergeschlagen, viele Einheimische landeten in Konzentrationslagern, wurden gefoltert und auch ermordet. Damals entstanden viele Lieder, alle auf Kreolisch, die kein Portugiese verstand, als Aufruf zum Widerstand, der schließlich auch zur Unabhängigkeit von Cabo Verde führte.




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Die Geschichte wurde auf Wunsch von Iris Klinge auf e-Stories.de aufgenommen - Vielen Dank!
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.10.2016. - Infos zum Urheberrecht




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