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Ingo R. Hesse

Widerstand zwecklos!

Schon Anfang Januar setzt dieses Gefühl ein. Und es setzt sich fort bis in den Sommer hinein. Erwachsen aus dieser Freiheit. Dieser Erkenntnis, doch weitgehend selbst bestimmen zu können, wann mir gut, weniger gut bis schlecht oder albern, übermütig vielleicht aber auch besinnlich zumute sein sollte.

 

Hilfreich dabei ist sicher meine Herkunft aus einem karnevalistischen Niemandsland. Ich lache, wenn ich etwas zu lachen habe. Über- oder unglücklich verliebt bin ich zur Zeit auch nicht. Ich kann also heiß sein, auf wen ich gerade mag oder nachtrauern wem ich will. Beides kann ich auch unterlassen. Und meine Schusseligkeit, die mir sonst niemals Freude bereitet, macht mich in einer Hinsicht reich. Ich habe nämlich vergessen, wer an welchem Tag geboren wurde, wann er oder sie gestorben ist oder wann mir eine Holde zum ersten Mal fremdging.

 

Ein unbeschwertes, zufriedenes, fast schon märchenhaft schönes Leben, könnte man meinen. Ja! Wenn da nicht diese Gewissheit wäre. Zunächst diffus in mir aufsteigend. So als wäre sie völlig neu für mich. Dann schon ein wenig stärker. Meist wenn es in den Oktober hinein geht. Denn selbst die herrlichsten Farben des Indianer- oder Altweiber-Sommers können mich dann kaum noch davon ablenken. Von diesen alljährlich und doch jedes Jahr mehr oder weniger unverhofft auf mich einprasselnden Erinnerungen an, und Aufforderungen zur Bilanzierung und Besinnlichkeit.

 

Ich sage nur ein Wort:

 

WEIHNACHTEN

 

OK, ich sage noch eins:

 

SILVESTER

 

Ich weiß, dass es Menschen gibt, die so fühlen wie ich. Wir sind zwar wenige. Aber es gibt uns.

 

Menschen, die immer wieder mit einem leicht schlechten Gewissen geschlagen sind, wenn sie fast schon von Mitleid aber auch von einer Portion Neid erfüllt, das naive Treiben gottgläubiger Menschen beobachten. Menschen, die zum Jahres-Ende nicht nur die lästige Pflicht des Bilanzierens gerne umgehen würden. Menschen, die einfach nicht wollen, dass etwas zu Ende geht. Oder die sich nicht wünschen, dass Neues anfängt.

 

Ja, es gibt mich. Es gibt uns! Die Menschen, die sich zwar wundern, wenn im Oktober schon Lebkuchen in den Regalen liegen. Die aber nichts dagegen hätten, wenn sie sie auch zu Ostern oder im August kaufen und verzehren könnten. Menschen, die das ganze Jahr über Freude an Feuerwerken hätten, zumal ihnen dann die lästige Knallerei drei Tage vor Silvester erspart bliebe.

 

Doch, ..uns fragt ja niemand!

 

Wir sind dem hilflos ausgeliefert. Vor Weihnachten davonlaufen? Vielleicht eine Reise ins Ausland? Mir wurde schon von festlich geschmückten Weihnachtsbäumen auf den Osterinseln und in Myanmar berichtet.

 

Wir können uns dem nicht entziehen! Jeder Widerstand ist zwecklos und ermüdet unnötig.

 

Also stimme ich mich jetzt auch langsam ein. Ich denke an Menschen, die .. und Andere die .. .

 

Nein, ich will das nicht! Ich weigere mich.

 

Mal sehen, wie lange ich das aushalten kann. Denn immerhin ist es noch verdammt lange hin bis Dienstag. Und heute ist der Heilige Abend. Den ganzen Tag über.

 

Vielleicht berichte ich später darüber, wie es gelaufen ist.

 

Für heute wünsche ich erst einmal allen Leserinnen und Lesern dieser Gedanken ein schönes Weihnachts- oder auch ein gemütliches Weigerungsfest! Jedem und jeder das, was sie sich selbst auch wünschen.

 

Und mir wünsche ich, dass ich es gut überstehen möge.

 

Euch natürlich auch!

 




Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diese Geschichte liegen beim Autor (Ingo R. Hesse).
Die Geschichte wurde auf Wunsch von Ingo R. Hesse auf e-Stories.de aufgenommen - Vielen Dank!
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.12.2016. - Infos zum Urheberrecht




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