Simone Wegmeyer

Buchvorstellung: Wir sind die Kinder vom Biobauern!

 

 "Bei uns ist alles ein bisschen anders!" So beschreibt die Autorin Simone Wegmeyer in diesem Buch ihre große Familie, die auf einem der ersten Biohöfe im Landkreis Gifhorn lebt.
Das zu einer Zeit, da das Wort Bio noch nicht in aller Munde war, sondern eher als etwas Sonderbares angesehen wurde. So bleibt bei der Lektüre der 22 Geschichten kein Auge trocken und so manches Mal wird man sich dabei ertappen, laut loszulachen. Man wird erinnert an die Zeit von "Atomkraft-nein-danke-Ansteckern", alternativem Lebensgefühl und selbst gestrickten Kratzpullovern. Das alles aus der Sicht eines Kindes geschildert. Da kann es schon Mal sein, dass die Prioritäten anders gesetzt werden. Dass Atomkraftwerke nicht gut für die Umwelt sind, mag sein, aber schlimmer ist es doch wohl auf jeden Fall, wenn man keine Biene Maja oder Heidi mehr im Fernsehen sehen kann, weil man keinen Strom mehr hat. Aber auch mit vielen anderen Problemen haben die Kinder vom Biobauern zu kämpfen, wie z.B. mit dem viel zu harten aber leider super gesunden Biobrot, das eigentlich nur Papa beißen kann. Immer zwischen der Entscheidung zu stehen, Weißbrot und Karies oder Bio-Brot und gesund, kann schon sehr anstrengend sein. Nur Oma stellt sich dieses Problem nicht mehr, da sie Ihre Zähne nachts schon in eine Dose legen kann. Und so scheint die Lösung des Problems nahe und ab sofort wird jeden Tag an den Zähnen geruckelt, um sie herauszuziehen.
Das alles wird erzählt mit einer gehörigen Portion Selbstironie. Ein Buch, das gute Laune macht!


Leseproben:

Frau Rettich

Frau Rettich ist eine Grüne. Weil, das habe ich mal gehört als Mama und Papa sich unterhalten haben. Wir sind auch grün aber nicht so grün wie Frau Rettich. Denn Frau Rettich hat neun Kinder. Und wenn man so richtig grün ist, dann darf man kein Fleisch essen und bei Frau Rettich darf noch nicht mal der Hund Fleisch essen, der kriegt auch nur Mohrüben und Kartoffeln. Das weiß ich so genau, weil ich mittwochs immer bei Frau Rettich, ihren neun Kindern und dem Hund, der nur Gemüse fressen darf, warten muss bis Papa mich abholt. Weil, mittwochs gehe ich immer zum Ballettunterricht. Papa bringt mich dann immer hin, und in der Zeit wo ich Tanzen übe verteilt er sein Gemüse und seine Milch an die grünen Leute. Weil das Verteilen aber immer länger als das Tanzen dauert hat Papa mir gesagt, dass ich zu Frau Rettich gehen soll. Meine Mama findet Frau Rettich richtig super, weil, alle neun Kinder spielen Instrumente und das findet Mama so schön das sie immer zu uns sagt:" Schade, dass ihr keine Instrumente spielt." Und dabei guckt sie uns immer so traurig an und ich glaube, das ist nicht nur weil wir keine Musik machen können. Frau Rettich hat ihr ganzes Haus mit den Kindern zusammen angemalt. Da sind jetzt große bunte Blumen drauf, und wenn Mama will, dass wir Musik machen, dann will ich auch unser Haus bunt malen. Bei Frau Rettich gibt es keinen Fernseher und die Kinder wissen nicht wer Biene Maja oder Heidi ist. Deshalb können sie auch nicht so schlau sein, wie Mama immer sagt. Wenn ich bei Frau Rettich bin lässt sie das Baby immer an der Brust nuckeln und das größere Kind macht das auch manchmal, weil, Frau Rettich sagt, Muttermilch ist das Beste für Kinder. Ich habe mir dann gedacht, das ich die Milch nicht mag und falls sie fragt ob ich welche möchte sage ich dann einfach:" Ich habe zuhause schon welche getrunken!" Aber Gott sei Dank fragt sie nicht. Einmal als das Baby genuckelt hat sagte sie dass, das Baby gekotet hätte und weil ich nicht wusste was gekotet ist, hat sie mir erklärt dass, das, das große Geschäft wäre. Das habe ich noch nie gehört. Weil Zuhause sagen wir das anders. Ich fand das sogar so gut, dass ich das jetzt auch immer sagen wollte. Und das erste Mal als ich das richtig gut gebrauchen konnte, war, als Heiko und ich Streit mit Anette hatten. Anette ist unsere Nachbarin und die ist so alt wie wir. Aber mit Anette spiele ich nicht so gerne, nur in Notfällen, weil, Anette will immer nur mit ihrem doofen Kett-car fahren und mit Puppen spielt sie nie. Aber weil Anette ne super Bude hinterm Hof hat, mit echtem Dach und nicht so eine selbstgebaute im Wald, sondern eine aus richtigem Holz, müssen wir nett zu ihr sein. Weil, sonst lässt sie uns nicht mitspielen. Aber einmal haben wir uns ganz fürchterlich dolle mit Anette gezankt und da war es uns auch total Wurst ob sie uns noch jemals wieder in ihre super Bude lässt. Heiko und ich sind dann nach unserem Streit mit Anette zu ihrer Bude gelaufen. Die Bude ist gleich neben unserem Hof und weil noch ein Hühnerstall davor ist kann sie kein Mensch von der Straße aus sehen. Ich habe mich dann vorne an den Hühnerstall gestellt und habe da Wache geschoben damit uns wirklich keiner erwischt. Und weil wir so sauer waren hat Heiko dann während ich aufgepasst habe, in Anettes super Bude gekotet. Und ich finde das hört sich auf jeden Fall nicht so schlimm an wie geschissen!



Brot für die Kinder!

Es gibt bei uns nur Bio-Brot, weil Papa sagt, das ist viel gesünder. Also müssen Heiko und ich das Bio-Brot essen und wenn wir in die Schule gehen, kriegen wir jeder noch zwei Scheiben für die Pause mit. Heiko und ich meinen, es kann zwar schon vielleicht sein das unser Bio-Brot gesünder ist als das leckere frische Weißbrot von den anderen Kindern, aber wir würden das Risiko schon gerne eingehen. Der Unterschiet zwischen Bio-Brot und ungesundem Brot ist nämlich der: Man muss unheimlich gut kauen können! Weil Bio-Brot ganz schön hart ist! Und der zweite Unterschied: Es ist eigentlich pups egal was Mama drauf schmiert, es schmeckt immer nach Bio-Brot. In der Schule verstecken Heiko und ich unser Bio-Brot immer, damit uns die anderen Kinder nicht auslachen. Aber Gott sei Dank gibt es ja die grünen Lehrer in der Pausenaufsicht, die, egal wie weit man sein Brot auch in den Ärmel steckt und dann kaum noch dran kommt um abzubeißen, trotzdem sehen und über den ganzen Schulhof schreien :"Jetzt guckt euch doch mal an was Simone und Heiko für gesundes Brot essen. Die beiden kriegen so schnell kein Karies." Und ich würde lieber am ganzen Körper Karies kriegen als in der Mitte des Schulhofes zu stehen und umkreist von allen Kindern ausgelacht zu werden. Und deshalb haben Heiko und ich jetzt beschlossen das wir das Bio-Brot gar nicht mehr mit rein in die Schule nehmen. Sondern das wir es gleich in die große Mülltonne davor werfen. Wir essen jetzt lieber Äpfel, weil, den sieht man nicht sofort an, dass sie Bio sind. Da muss man schon genauer hinsehen. Weil, dann kann man manchmal die Löcher von den Würmern sehen. So haben wir also eine Lösung für die Schule gefunden, aber zuhause geht der Stress mit dem Bio-Brot weiter. Ab Mittwoch wird es ganz schlimm, weil, es gibt leider nur einen Biobäcker weit und breit und leider dauert die Fahrt mit dem Auto etwas und weil Papa ja sowieso nur so wenig Zeit hat, fährt er nur einmal in der Woche. Papa kauft dann immer montags für die ganze Woche auf Vorrat unser Bio-Brot ein. Montags und dienstags kann man das Bio-Brot ganz gut zerkauen aber ab Mittwoch braucht man Zähne aus Beton. Und das schafft kaum jemand außer Papa. Obwohl der nie zum Zahnarzt geht und putzen tut er seine Zähne auch nicht so oft. Weil, Papa ist überzeugt davon, dass er gute Zähne hat und diese auch immer behalten wird, denn schließlich putzen sich die Buschmenschen in Afrika auch nicht die Zähne. Und hat schon einmal irgendjemand davon gehört, dass die Karies gekriegt haben. Das hat Papa echt gesagt und das Schlimmste ist der glaubt wirklich dran.
Oma fängt schon am Dienstag an ihr Brot in den Kaffee zu tunken und mittwochs fährt dann der Bäckerwagen vor und bringt Oma für den Rest der Woche leckeres, frisches Weißbrot.
Aber bei Oma ist es sowieso egal, die kann essen was sie will, weil, Karies kann sie eh nicht mehr kriegen da sie ihre Zähne über Nacht schon in eine Dose legen kann. Heiko und ich hätten auch gerne Zähne die man nachts in eine Dose legen kann. Dann würde uns der Bäckerwagen auch was von dem leckeren, frischen, weichen gut zu zerkauenden aber leider unheimlich ungesunden Weißbrot bringen. Aber leider sind unsere Zähne so wie so noch fest, und das wissen wir so genau, weil wir manchmal daran ruckeln um sie eventuell herauszuziehen. Weil es leider noch so lange dauern wird bis uns die Zähne von alleine ausfallen werden, müssen wir uns eine andere Lösung einfallen lassen, um schon früher an das Weißbrot zu kommen. Und da hatte Heiko ne klasse Idee. Wir klingeln jetzt einfach bei den Nachbarn. Und wir sagen dann:" Mama schickt uns, weil, unser Brot ist alle, und es wäre ganz liebenswürdig, wenn sie uns was leihen könnten, damit wir nicht hungern müssen." Das klappt super gut und ich könnte Heiko für seine tolle Idee dann immer knutschen weil wir jetzt jeden Abend nach unserer Tür-zu-Tür Tour alle Hosentaschen voll mit leckerem Weißbrot habe. Aber das Schönste ist das wir doch nicht bis zur Rente warten müssen und unser Zahnarzt wird sich auch freuen, weil Heiko und ich gar nicht mehr versuchen, unsere Zähne selber raus zu ziehen.



Die Sache mit den Segelohren!

Das mit den Segelohren war schon so eine komische Sache. Heiko und ich hatten ja nun beide leider welche, so wie mein Papa. Das heißt, eigentlich hatte ich ja noch Glück im Unglück und Gott sei Dank nur eins abgekriegt. Aber irgendwie sah das schon ziemlich lustig aus, wenn ich einen Pferdeschwanz hatte und auf der linken Seite, dieses riesen Segelohr abstand. Aber bei Heiko war es so schlimm, dass wenn wir mit Mama zum Schwimmen gefahren sind und Heiko nach dem Auftauchen aus dem Wasser ganz laut "Mama" gerufen hat, tat sie immer so als wäre sie gar nicht gemeint. Weil, Heikos Haare lagen dann ganz platt am Kopf an und man konnte vor lauter Segelohren kaum noch was erkennen. Oma hat mir mal erzählt dass sie in der Schule immer Fledermausohr genannt wurde und da war mir klar, dass das Ohrproblem wohl schon länger in unserer Familie bekannt war. Aber eigentlich haben wir ja noch fast Glück gehabt, weil, viele unserer Verwandten haben zu ihren Segelohren auch noch ein riesengroßes Mondgesicht und das haben wir ja Gott sei Dank nur ansatzweise. Papa hat immer gesagt, wir sollen uns nicht ärgern lassen und zu den Kindern sagen:" Doof sein ist viel schlimmer als Segelohren haben." Aber Papa ist es ja sowieso ganz egal wie man aussieht, weil, er sagt immer:" das ist von de Natur so gewollt." Und ich finde das schon ziemlich gemein dass die Natur wollte, dass wir so große Segelohren haben. Weil, außer dass man deswegen in der Schule gehänselt wird, bringen sie überhaupt keinen Nutzen. Irgendwann ist Mama mit uns dann zum Arzt gefahren, und dem hat sie dann gesagt, dass wir einem starken psychischen Druck wegen unserer Ohren ausgesetzt wären und deswegen was passieren müsste. Heiko und ich wussten zwar nicht genau was sie mit dem psychischen Druck meinte, aber unsere Segelohren wollten wir auch auf alle Fälle loswerden. Damit dieses ständige Verleugnen der eigenen Kinder aufhört. Und deswegen glaube ich, dass Mama auch unter starkem psychischen Druck litt. Wir sind dann also ins Krankenhaus gekommen und weil wir schon einen Tag vorher hinmussten und ja eigentlich kerngesund waren, dachte ich schon, die ganze Sache wird wieder abgeblasen. Heiko und mir war nämlich furchtbar langweilig und deswegen haben wir auf dem Krankenhausflur Fangen und viele andere lustige Spiele gespielt. Aber ständig kam eine Schwester vorbei und hat gesagt:" Kinder das geht doch nicht, so was habe ich ja noch nie erlebt." Aber Gott sei Dank haben sie die Ohren doch operiert und als wir wieder nachhause durften, hatten wir einen Riesenverband um den Kopf. Alle Leute haben dann immer ganz besorgt gefragt:" Was haben denn die armen Kinder." Und wir haben denen dann immer gesagt, dass wir einen starken psychischen Druck am Kopf hatten der unbedingt wegoperiert werden musste. Weil, wir fanden das hörte sich viel besser an, als Segelohren. Und als dann endlich die Verbände runterkamen hatten wir wunder schöne kleine Ohren und konnten endlich auch die anderen Kinder mit den Segelohren ärgern.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 2005-10-12. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).