Marion Hartmann

Buchvorstellung: Das wahre Gesicht des Lebens

 

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Verfasstes Tagebuch Über Acht Jahre Schicksal
© Anno 1997
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VORWORT:

Dieses Buch ist ein Teil meines Lebens, das ich schrieb, als ich gerade mein zweites Kind verloren hatte.

Bis dahin war mir unbegreiflich, warum es gerade immer mich traf, dieses viele Pech und Unglück. Mir alles von der Seele zu schreiben, war eine große Erleichterung für mich, zu vergleichen mit einer Therapie.

Es half mir einfach. In dem Moment , als ich alles Erlebte niederschrieb, durchlebte ich zwar alles noch einmal und es schmerzte, doch ich hatte mir alles von der Seele geschrieben und fühlte mich erleichtert.

Genau dieses Gefühl, möchte ich an Leser heranbringen, die auch vom Pech verfolgt sind, damit sie sehen, das es trotzdem doch immer weiter geht im Leben.

Ebenso möchte ich es an Menschen heranbringen, die nicht soviel Pech im Leben hatten, aber sich gar nicht mit anderen Sorgen von Fremden belasten wollen.

Und wenn es nur ein einfaches Gespräch oder ein guter Rat ist, das hilft schon sehr viel.
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KAPITEL UND INHALT
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Kapitel I --- So lernten wir uns kennen
Kapitel II. Spanienurlaub, schmerzhafte Erfahrung einer Schwangerschaft, Ärztepfusch
Kapitel III.--- Flucht vor Problemen, neuer Job, zweite Schwangerschaft mit Hindernissen, Unfall
Kapitel IV--- Unsere Hochzeit
Kapitel V--- 3. Schwangerschaft,Krankheit, Lebensgefahr, Kündigung, Griechenlandurlaub, unsere eigene Gaststätte
Kapitel VI.-- Die Karnevalssession 1995 in unserer Gaststätte, Karnevalsverein „Negerköpp“ Die Brauerei als Betrüger
Kapitel VII---Ausweglosigkeit, Angst vor der Zukunft, Auswanderung ,Horror
Kapitel — VIII. Unsere neue Heimat Griechenland, Hunger, Arbeitslosigkeit im fremden Land.
Kapitel IX---Vertrauensbruch eigener Tochter
Kapitel X. --- Keine Wahl
Kapitel XI —– Neustart in Belgien
Kapitel XII --- Schwangerschaft, Ängste, wiederholter Verlust eines Babys

Deutsche Autorin in Belgien Marion Hartmann aus Grivegnée
http://www.les-anges-oublies.be << ( Hier auch Leseproben)

Jetzt zum Vorbestellen Mein Buch 200 Seiten



Titel: Das wahre Gesicht des Lebens ( Autobiographie)
Vorbestellungen unter Mailadresse
lesangesoublies@gmail.com

Wenn ihr euch aber schon mal vormerken moechtet, schreibt mir eine Mail.

Ich wuerde mich sehr darueber freuen!!!!!!!


LESEPROBE: Wenn in den Texten noch Fehler enthalten sein sollten, bitte ich dieses zu entschuldigen. Das Buch wird selbstverständlich vor dem Druck, nochmals durch korrigiert.


--------LESEPROBE zweites Kapitel von insgesamt 12

Kapitel II. Spanienurlaub, schmerzhafte Erfahrung einer Schwangerschaft, Ärztepfusch

Mittlerweile waren vier Monate vergangen. Tag und Nacht waren wir nun zusammen.
Nach so vielen anfänglichen Schwierigkeiten, hatten wir uns dann doch schnell aneinander gewöhnt. Yves kannte sein eigenes Zuhause gar nicht mehr.
Er ging nur noch ab und zu dorthin, um seine Tiere zu versorgen.
An den Wochenenden hielten sich seine Eltern in seinem Haus auf, dann blieb er bei mir.
Die Wochentage gehörte Yves das Haus. Es war ein schönes großes Haus, mit Garten.
Trotzdem fühlte ich mich nicht wohl dort. Immer, wenn wir dort waren, hatte ich das Gefühl, das seine Eltern unerwartet rein platzen würden. Eines Tages beschlossen wir dann, Yves Möbel zu mir, in die Wohnung zu holen, da ich sowieso nicht viel besaß. Der Vater von Yves sollte in der nächsten Zeit auch komplett nach Belgien versetzt werden. Die Möbel hätten dann unnütz in dem Haus herum gestanden.

Also, wie gesagt, so getan. Wir fuhren zu seinem Haus und packten schon mal einige Kleinigkeiten zusammen. Vor allen Dingen seine Stereoanlage, denn die liebte er über alles.
Wir brachten alles zu mir. Gott sei Dank auch seine Anlage, denn den nächsten Tag sollten wir eine Überraschung erleben.

Als wir nämlich den darauffolgenden Tag dort am Haus ankamen, um noch weitere Sachen zu holen, passte der Schlüssel nicht mehr ins Schloss.
Bei einem Blick durch das Fenster, sahen wir, das da nichts mehr stand. Die Wohnung war vollständig ausgeräumt. Die Waschmaschine, der Kühlschrank, die Couch Garnitur und auch alles andere war verschwunden. Wie vom Erdboden verschluckt. Wie sich später herausstellte, hatten Yves Eltern, alles verkauft. Doch nicht ein Stück davon, gehörte ihnen.

Yves hatte sieben Jahre lang dafür gearbeitet und gespart, um sich die Möbel zu kaufen.

Er hatte alles alleine bezahlt und damit ich es glaubte, zeigte er mir sogar die Quittungen.

Glück für uns, das wir vorher die Anlage in Sicherheit gebracht hatten.
Sonst wäre die wohl auch unter den Hammer gekommen.

Da wir es aber nicht ändern konnten, fanden wir uns eben damit ab. So waren nun mal Yves Eltern. Durch und durch, schlecht und berechnend.
Wir sprachen am selben Abend über alles mögliche. Dabei war auch die Überlegung entweder neue Möbel, oder ein gemeinsamer Urlaub. Wir entschlossen uns für den Urlaub.
Ich suchte alles mögliche an Zeitungen und Prospekten aus dem Schrank, was mit verreisen zu tun hatte.
Yves konnte genau zehn Tage frei nehmen und zu teuer durfte es auch nicht werden.
Aber wir fanden schnell etwas. Ein Prospekt mit einem Angebot, zehn Tage Loret de Mare in Spanien, für nur 199 DM, pro Person, mit Halbpension. Der einzigste Nachteil war, das wir mit dem Bus reisen mussten. Sofort buchten wir telefonisch, die Reise.

In nur drei Tagen, sollte es schon losgehen. Da dieses mein erster Urlaub im Leben sein sollte, war ich sehr aufgeregt. Noch am gleichen Tag, fing ich schon an zu packen.
Als wir Nadine von unserem Vorhaben informierten, ließ sie keine Ruhe mehr.
So schöne Seiten des Lebens, hatte sie auch noch nicht kennen gelernt.
Der Tag der Abreise kam. Abfahrt sollte am Kölner Busbahnhof sein. Dort angekommen, fragten wir mehrmals verschiedene Personen, ob wir denn an der richtigen Stelle waren.

Wir hatten Angst unseren Reisebus zu verpassen. Da Nadine ein sehr lebhaftes Kind war, machten wir uns Sorgen, ob das wohl gut gehen würde. Die Fahrt sollte immerhin 24 Stunden dauern. Endlich kam der Bus und als wir eingestiegen waren, fühlten wir uns schon viel ruhiger und entspannter. Mit Nadine, gab es während der Fahrt, absolut keine Probleme.

Im Gegenteil, denn die Mitreisenden amüsierten sich, weil Nadine alles was im Radio lief, irgendwie mitsang.
Da sie das einzigste Kind im Bus war wurde sie schnell das Maskottchen des Busses.

Spät am nächsten Abend, kamen wir in Loret de Mare, vor dem Hotel, an .Ein schöner Urlaub begann.

Zur Enttäuschung von Nadine, war es leider noch viel zu kalt, um schwimmen zu gehen.
Es war ja auch gerade erst mal Anfang April. Langweilig wurde es trotzdem nicht.
Wir gingen Eis essen, tanzen und machten auch sehr viele Ausflüge. Dazu lernten wir sehr viele nette Menschen kennen. Leider ging dieser Urlaub viel zu schnell vorbei.

Aber wir konnten es nicht verhindern und der Tag der Abreise kam. Die Rückfahrt verlief genauso problemlos. Als wir zu Hause ankamen, sah erst mal alles sehr fremd aus.
Aber das legte sich schnell wieder.
Der Ernst des Lebens holte uns schnell wieder ein.
Yves ging am nächsten Tag wieder arbeiten und ich musste Nadine, für die Einschulung, nach den Sommerferien, einschreiben. Da Yves mittlerweile komplett bei mir wohnte, meldete er sich auch ordnungsgemäß an. Es war mittlerweile ein Jahr, seit unserem ersten Treffen vergangen. Wir feierten diesen Jahrestag zu Hause. Als Geschenk, für diesen Tag, hatte ich für Nadine und Yves, auch noch eine besondere Überraschung parat.

Am Abend dann, nach einem gemütlichen Essen und einer Flasche Wein, gab ich mein Geheimnis bekannt. Ich erklärte Yves, mit ganz finsterem Gesicht, da ich es spannend machen wollte, das er bald Vater werde. Nadine hüpfte vor Freude in die Luft, als sie die Neuigkeit hörte.

Sie war so glücklich, bald ein Bruder oder eine kleine Schwester, zu haben. Yves weinte vor Freude.

Von dem Tag an, pflegte und hegte er mich noch mehr, als vorher schon.
Er war so liebenswürdig und nett zu mir, das ich schon längst meine schlechte Vergangenheit, vergessen hatte. Bis zur 21. Woche verlief meine Schwangerschaft ohne Probleme.
Dann bekam ich plötzlich Schwierigkeiten. Ich verlor Wasser und dachte mir direkt, das da etwas nicht stimmte. Bevor Nadine geboren wurde, hatte ich insgesamt drei Fehlgeburten, jeweils zwischen der 7. und 8. Woche. Damals machte es mir aber nicht soviel aus, da ich noch sehr unerfahren war, mit meinen achtzehn Jahren.

Aber bei dieser Schwangerschaft, war es etwas völlig anderes. Ich war doch schon so weit und bekam panische Angst. Das Kind, was ich unter dem Herzen trug, bewegte sich schon.

Dazu kam, das es ein absolutes Wunschkind war. Schließlich sollte Yves zum ersten Mal Papa werden. Ich wartete, bis er von der Arbeit kam und erzählte ihm von den Schwierigkeiten und dem Wasserverlust. Er packte Nadine und brachte sie zu unserer Nachbarin. Dann bestellte er ein Taxi und wir fuhren, in die Uniklinik Köln.

Dort untersuchte mich ein Professor, Chef der Gynäkologie. Er erklärte uns, das sich die Fruchtblase, vor den Muttermund, geschoben hatte. Man behielt mich in der Klinik und verordnete mir strengste Bettruhe. Yves musste sich sehr auf der Arbeit anstrengen,um noch ein paar Tage Urlaub zu bekommen. Der Chef gab ihm schließlich fünf Tage frei.
Nadine brachte er für diese Zeit zu meinen Eltern, denn sie sollte, nicht soviel, davon mit bekommen. So konnte er auch, von morgens, bis abends, bei mir in der Klinik sein.

Nach drei Tagen strenger Bettruhe, wurde ich ins Untersuchungszimmer beordert.
Etwa sechs Ärzte hatten sich dort versammelt und begutachteten mich, während der Untersuchung, die der Professor an mir durch führte. Ich schämte mich sehr. Wofür waren überhaupt so viele Ärzte dort anwesend? Oder waren es teilweise sogar Studenten, das weiß ich bis heute noch nicht. Schon zehn Minuten später sollte ich die bittere Wahrheit erfahren.

Der Professor holte mich und Yves in sein Sprechzimmer. Was dann kam, war einfach nur die Hölle, ein Albtraum.
Der Arzt offenbarte uns, das es keinen Sinn machen würde, weitere Zeit abzuwarten.
Irgendwann würde die Fruchtblase sowieso platzen und man müsse die Wehen einleiten.
Yves und ich brachen in Tränen aus. Wir waren empört, denn uns war es unerklärlich, warum man mir dann erst strenge Bettruhe verordnet hatte. Vom Tag meiner Einweisung an, hatte sich der Zustand nicht verändert oder verschlechtert. In diesen drei Tagen wurde noch nicht mal eine Ultraschalluntersuchung vorgenommen.

Ich war schließlich schon im sechsten Monat und mit weiterer Bettruhe, hätte das Baby vielleicht einige Überlebenschancen gehabt.

Aber nichts dergleichen war passiert.
Man hatte einfach das Todesurteil, für mein Baby ausgesprochen. Einfach kein Versuch das Kleine am Leben zu erhalten. Uns gingen so viele Gedanken durch den Kopf. Wir hatten viel über Schwangerschaften gelesen und auch von der Möglichkeit, das der Muttermund, zugenäht werden könnte. Das nannte man eine Cerclage legen. Wir sprachen den Professor daraufhin an, um noch irgendwie unser Kind zu retten. Der Mann ließ sich aber auf keine weitere Unterhaltung mehr ein.

Seine Antwort war kurz, grausam und bündig. Zur Antwort bekamen wir, das man für eine Cerclage, die Fruchtblase zurück schieben müsse und dann platze die Fruchtblase, sowieso.
Außerdem sollte ich mich nicht so aufregen, da ich ja noch viele Kinder gebären könnte.
Yves und ich, wollten aber nicht so schnell aufgeben und forderten den Arzt auf, doch diesen Eingriff zu wagen. Wir waren zu allem entschlossen und wenn es dann schief gehen würde, dann müssten wir es wohl akzeptieren. Der Professor aber ließ sich auf kein weiteres Gespräch mehr ein. Er erklärte mir noch kurz den Verlauf, wie alles gemacht werden würde und wies uns aus seinem Sprechzimmer. Das Kind sollte auf dem normalen Geburtsweg kommen.

Wie sollte ich das nur durchstehen?
Ich legte mich wieder ins Bett und Yves neben mir. Wir begriffen die Welt nichtmehr und weinten. Einem Professor, musste man ja glauben, dachte ich bis zu diesem Zeitpunkt.
Es war so grausam. Mein Baby im Bauch strampelte so sehr, als wenn es sagen wollte:
Ich will hier nicht raus! Es war schon spät am Abend, als Yves ging. Er ging aber nicht, bevor ich ihm versprach, ihn anzurufen, sobald es losgehen sollte. Er wollte mir bei diesen schweren Stunden beistehen. Ich und auch mein Kleines im Bauch, schliefen die ganze Nacht nicht. Aus lauter Angst vor dem nächsten Morgen. Doch der war viel schneller da als ich befürchtete. Ein Oberarzt, mit dem Namen DR. Neuhaus, bestellte mich ins Untersuchungszimmer.

Er erklärte mir, das er mir eine Wehenspritze in den Muttermund, setzten würde.
Ich war entsetzt, denn dafür musste er die Fruchtblase zurückschieben und sie platzte nicht, wie es mir der Professor voraus gesagt hatte. Die Ärzte hatten mich also angelogen, denn statt die Spritze zu setzen, hätten sie zunähen können. Doch es war zu spät.
Wenn es überhaupt ein Wehen förderndes Mittel war. Wieder in meinem Zimmer angekommen, sprach ich mit meinem Baby im Bauch. Ich hatte doch noch irgendwie die Hoffnung, das es stark genug wäre, das Ganze heil zu überstehen. Doch meine Hoffnung verschwand zunehmend, als ich merkte, das mein Kind bei jeder weiteren Wehe, starb.

Nach etwa drei Stunden wurde mein Bauch ganz hart und ich fühlte, das sich mein Baby nicht mehr bewegte. Eine Krankenschwester betrat das Zimmer und befragte mich nach meinem Befinden. Ich gab ihr keine Antwort darauf und verlangte statt dessen nach einem Telefon.

Ich hatte nicht das Versprechen vergessen, was ich Yves am Vorabend, gegeben hatte.
Und ich brauchte ihn auch nötig. Denn es kam mir so vor, als wenn ich sterben müsse.

Für die Schwester war das wahrscheinlich ein Warnzeichen, denn sie sagte mir, das keineZeit mehr wäre, zum telefonieren. Sie sagte, das wir sofort runter in den OP müssten.
Das war doch die Höhe!
Jetzt verbot man mir auch noch, Yves anzurufen, als wenn ich noch nicht genug zu leiden hatte. Ich schrie die Krankenschwester an, aber sie reagierte gar nicht darauf.
Sie löste die Bremsen des Bettes und schob mich in den Aufzug. Der fuhr nach unten. Die Wehen wurden mittlerweile sehr schmerzhaft und ich merkte das dieses kleine Wesen im Bauch, nicht mehr lebte. Dieses Gefühl würde ich in meinem ganzen Leben, nie wieder vergessen. Für mich war es eine Todesspritze und keine Wehenspritze. Unten angekommen, schob mich die Krankenschwester in einem Raum, der so klein wie eine Besenkammer war. Da passte gerade das Bett und ein kleiner Nachttisch hinein. Das Zimmer hatte nur ein kleines Oberlicht, noch nicht mal ein richtiges Fenster. Als ich dann schließlich allein in diesem Raum war, dachte ich ersticken zu müssen.

Die Schmerzen wurden auch immer schlimmer, so das ich nur noch hysterisch geschrieen habe.
Wofür musste ich nur solch unerträgliche Schmerzen aushalten?
Und alles für ein Baby, das man mir todgespritzt hatte.
Trotz allem, hatte ich immer noch nicht ganz die Hoffnung oder den Wunschtraum, aufgegeben, das es dieses Kind schaffen würde. Tief im Inneren jedoch wusste ich, das dieser Wunsch, nicht in Erfüllung gehen würde. Plötzlich ging die Türe auf und eine Hebamme stellte sich mir vor. Sie versuchte mich zu beruhigen, was jedoch nicht möglich war. Sie verließ das Zimmer wieder, versprach aber jede halbe Stunde, nach mir zu schauen. Oh Gott, wie lange sollte dieses Martyrium denn noch dauern? Es waren mittlerweile sieben Stunden vergangen.

Die Hebamme blieb nun ganz im Zimmer und verabreichte mir schmerzstillendeMittel. Doch für meinen inneren Schmerz gab es nichts, was mir hätte helfen können.
Abermals ging die Türe auf. Der Arzt, der mir die Spritze verabreicht hatte, kam herein und ohne jede Vorwarnung, versuchte er die Fruchtblase mit seinen Fingern zu zerstoßen.

Das gelang ihm erst nach dem dritten Versuch. So viele und solange Strapazen hatte meine Fruchtblase ausgehalten und mir hatte man weismachen wollen, das sie sowieso geplatzt wäre.

Ich bekam die rohe Gewalt zu spüren und jetzt sollte das Schlimmste von dem ganzen Horror passieren.

Das Baby lag quer in meinem Bauch. Der Arzt griff nach dem Popo des Kindes und riss (ich kann es einfach nicht anderes beschreiben), mir das Kind aus dem Leib. Bis heute habe ich dieses Knacken, der Knochen , nicht vergessen. Dieser Unmensch hatte das Baby einfach in der Mitte durchgebrochen. DR. Neuhaus legte mir, ohne ein Wort zu verlieren, ein voll entwickelten kleinen Jungen zwischen die Beine und verließ das Zimmer.

Er flüchtete regelrecht. Ein süßes kleines Wesen lag da vor mir. Schwarze Haare hatte der Kleine. Und das Schlimmste war, das sich Yves so sehr einen Jungen gewünscht hatte.

Aber dieses kleine Baby vor mir, war eindeutig tot. Schlimmer war aber ansehen zu müssen, wie sehr er gequält wurde, denn sein Körper war übersät, mit blauen Flecken, durch das Brechen der Knochen, als der Arzt mir das Kind aus dem Leib riss. Beim Betrachten des Kindes, hatte ich ganz und gar die Hebamme vergessen, die immer noch neben mir saß.

Selbst ihr standen die Tränen in den Augen und sie sagte das es unverständlich war, das es keinen Versuch gegeben hatte, das Baby am Leben zu erhalten.
Auch fragte sie mich, ob denn wenigstens ein Ultraschall gemacht worden wäre.
Das konnte ich ihr nur mit nein beantworten. Ich dachte mir, das es ein Grund geben musste, das sie mich nach dieser bestimmten Untersuchung fragte. Nun konnte ich mir so ungefähr alles zusammen reimen. Die Hebamme bestätigte mir, nachdem sie den Kleinen untersucht hatte, das er vollständig gesund gewesen war. Sie nabelte mein Kind ab und nun lag ich da.

Den Kleinen, habe ich danach nicht wieder gesehen. Aus mir heraus, hing die Nabelschnur mit einer Schere daran. Die Hebamme ließ mich allein, mit den Worten, das bald ein Arzt kommen würde. Ich musste noch ausgeschabt werden. Das hieß, die Plazenta (Mutterkuchen) musste noch entfernt werden. Meine Gefühle waren so sehr verletzt, das ich fix und fertig war und meinte sterben zu wollen. Nach erst fast zwei Stunden, kam dann endlich ein Arzt. Man schob mich aus dem Todeszimmer, direkt in den OP. Der Arzt, der gekommen war, wurde plötzlich angefunkt und verschwand daraufhin.

Nochmals ließ man mich eine Stunde mit dieser Nabelschnur und dieser Scheredaran, warten.

Dann bekam ich endlich eine Narkose und wachte erst in meinem Zimmer wieder auf.
Ich öffnete die Augen und sah nur Yves, der neben dem Bett stand und bitterlich weinte.

Es zeriss mir fast das Herz. Er hatte Stunden auf mich gewartet. Als ich ihm dann erzählte, von dem Horror, weinte er noch viel mehr. Yves machte sich die größten Vorwürfe, weil er versucht hatte, zu mir zu kommen, um mir beizustehen. Aber niemand, sagte ihm, wo ich bin und er dürfe sowieso nicht zu mir.

Bis heute glaubt Yves, das er es hätte verhindern können.
Auf einer Art, war ich froh, das ihm diese Sache und dann der Anblick des Babys, erspart geblieben war. Wahrscheinlich wäre es sonst zu einer Katastrophe gekommen und er wäre über den Arzt hergefallen. Noch ziemlich benommen, stand ich auf. Ich ging mit Yves ins Raucherzimmer und zündete mir zitternd eine Zigarette an, denn die hatte ich wirklich nötig. So schnell wie nur möglich, wollte ich diese Klinik verlassen. Einfach alles hinter mir lassen. Ich sprach eine Oberschwester an, die uns auf dem Flur entgegen kam.

Sie antwortete sehr forsch und unfreundlich, auf meine Bitte entlassen zu werden.

Es wäre unmöglich, wegen der Gefahr eines Blutsturzes.

Danach fragte ich sie, wo denn mein Kind nun wäre und ob ich nicht mit zu bestimmen hätte, was mit ihm passiert. Die Antwort war schockierend. So schlimm das ich etwa zehn Minuten später das Krankenhaus, fluchtartig verließ.

Da sagte mir diese Frau doch glatt ins Gesicht, das es gut war, das ich schon so weit gewesen bin. So würde man den Kleinen in einer Flüssigkeit konservieren, damit die Studenten daran lernen konnten. Ich war gerade mal eine Stunde von dieser Schlachterei oben und dann solch eine Antwort. Ich dachte, ich befinde mich in der Hölle, so unglaublich war das. Hatten diese Leute denn überhaupt kein Herz oder Gewissen? Das war für mich kein Krankenhaus, sondern eine Irrenanstalt. Ich wollte nur noch weg dort und das so schnell wie möglich. Hier wollte und würde ich nicht eine Minute länger bleiben. Mir war es völlig egal, ob mit oder ohne Erlaubnis. Diesen Hass, den ich in dem Moment verspürte, der war nicht, zu beschreiben. Ich musste so schnell wie möglich dort weg, sonst wäre ich wahrscheinlich noch Amok gelaufen. Wer weiß, was sie dann noch mit mir angestellt hätten.

Yves ging vor und wartete am Ausgang auf mich, denn ich musste noch meine Sachen zusammen packen. Wir gingen und ich verschwendete keinen Blick mehr auf diese Horrorklinik. Dort wo ich mein Kind hergeben musste, für Studienzwecke. Mein erster Gedanke war, sich erst mal besaufen um den Schmerz ertragen zu können. Wir machten Halt in einer Pizzeria.

Betrinken, das brachte uns auch nichts, denn immer wieder mussten wir weinen und die Leute schauten verstohlen zu uns. Es wusste ja niemand, was wir gerade durchgemacht hatten.

Und trinken löste diese Probleme schließlich auch nicht. So beschlossen wir,doch lieber nach Hause zu gehen. Wir weinten dort, bis wir erschöpft einschliefen.

Nadine mussten wir erst wieder am nächsten Tag abholen. Wir schliefen die ganze Nacht durch und machten uns den nächsten Morgen, auf dem Weg, zu meinen Eltern. Dort angekommen fiel ich meiner Mutter in die Arme und brach wieder in Tränen aus.

Doch der Trost meiner Eltern war schwach. Nur ein Kommentar, das der Kleine von dieser Weinerei auch nicht wieder leben würde. Nadine fragte uns nach ihrem Geschwisterchen, was wir ihr versprochen hatten. Ich musste mich zusammen reißen um es ihr vernünftig erklären zu können. Irgendwie machte ich ihr klar, das ihr kleiner Bruder Marco krank gewesen war und deswegen gestorben wäre. Mit dem Bus fuhren wir dann anschließend wieder in Richtung nach Hause. Im Bus gingen mir dann alle Einzelheiten vom Vortag, nochmals durch den Kopf.

Wie ein Film lief das ab. Ich kam zu dem Entschluss, das diese Sache nicht mit rechten Dingen abgelaufen war.

So würde ich niemals damit fertig werden. Meine Entscheidung war, das ich diesenganzen Ablauf in der Klinik, einem Zeitungsverlag mitteilen wollte. Ich musste irgendetwas tun, um das schreckliche Geschehen zu verarbeiten.

Yves ging den nächsten Tag wieder arbeiten und ich fing an, alle Einzelheiten meines schrecklichen Erlebnisses, auf Papier nieder zu schreiben. Als meine Geschichte fertig gestellt war, machte ich Kopien, und schickte diese an sämtliche Zeitungsverlage, die mir einfielen. Zwei Wochen später klingelte das Telefon. Yves war auf der Arbeit, denn das Leben, musste ja irgendwie weitergehen. Am Telefon meldete sich ein Zeitungsredakteur.

Er hatte meine Geschichte gelesen und drückte mir sein tiefstes Mitleid aus.

Dann bat er mich um einen Fototermin, bei mir zu Hause. Wir verabredeten einen Termin, für den nächsten Morgen um 10 Uhr.

Nach diesem Telefonat, fühlte ich mich gestärkt. Es war für mich eine Bestätigung, das alles im Krankenhaus, wirklich nicht korrekt abgelaufen war. Sonst hätte sich wohl kaum die Zeitung dafür interessiert. Als Yves dann abends von der Arbeit kam, erzählte ich ihm begeistert, von dem Telefonat am Vormittag. Das tat auch ihm gut, denn für uns war es ein Beweis, das man uns Unrecht zugefügt hatte. Am nächsten Morgen, pünktlich um 10 Uhr, kam ein Fotograf, von der Bildzeitung. Er machte mehrere Fotos von mir und Nadine. Ich sollte ihm nochmals alles berichten, damit er sich einige Anhaltspunkte aufschreiben konnte.

Abermals teilte er mir mit, wie leid ihm das Ganze tat und lobte mich gleichzeitig, weil ich schon wieder so gefasst und tapfer war. Als er sich alles aufgeschrieben hatte, versprach er mir, sich sofort zu melden, wenn der Artikel veröffentlicht werden würde.

Der Zeitungsverlag hatte erst einmal die Pflicht, zu recherchieren, bevor sie so etwas drucken durften. Der Mann war kaum aus dem Haus, da klingelte das Telefon und ein weiterer Zeitungsverlag, meldete sich. Dieses mal war eine Frau am Apparat.

Sie beteuerte mir ebenfalls ihr Beileid, aber gab mir anschließend nur den Rat, einen Anwalt für diese Sache einzuschalten. Ich bedankte mich herzlich für diesen Tipp und legte auf. Sie hatte gut Reden, denn ich und ein Anwalt und dazu noch gegen einen Chefarzt, das konnte ich mir nun wirklich nicht leisten. Auf den darauf folgenden Tagen fand ich weitere Briefe im Postkasten, von verschiedenen Zeitungsverlagen. Doch überall nur Beileidsmitteilungen. Das Telefon klingelte auch nicht mehr. Da blieb nur noch dieses tagelange Warten, auf eine Antwort, von dem Fotografen der Bildzeitung, der mich besucht hatte. Ich wartete cirka vier Wochen, als dann wieder drei Schreiben in meinem Briefkasten lagen. Einer war von der Bildzeitung, der zweite von der Zeitschrift „MINI“ und der dritte von der Uniklinik Köln.

Die Klinik, wo ich das alles erlebt hatte. Ich wusste nicht welchen ich zuerst aufmachen sollte, entschloss mich aber dann für den, von der Bildzeitung. In diesem Schreiben stand, das es ihnen sehr leid tun würde, das man meine Geschichte nicht veröffentlichen dürfe. Dem Professor könne man keine bösen Absichten nachweisen und man müsse seine Entscheidung akzeptieren. Na vielen Dank! Als Trost hatte man mir die Fotos mit geschickt.

Ich öffnete schließlich entmutigt, den zweiten Brief. Er war von dem Professor, der das Todesurteil für mein Baby ausgesprochen hatte, persönlich.

Wieder überkam mich ein unendlicher Hass. So tat er das nun ab und betitelte mich als psychisch Kranke. In dem Schreiben las ich, das es ihm sehr leid tun würde, dasich einen solch seelischen und psychischen Schaden, davongetragen hätte. Ich solle doch damit aufhören, sämtliche Zeitungen zu informieren und lieber Hilfe bei ihm suchen.

Für solche Schäden würde es in seiner Klinik, einen psychologischen Dienst geben.

Ich schmiss den Brief wutentbrannt in die Ecke. Unvorstellbar, wenn ich dem Rat wirklich gefolgt wäre. Wohlmöglich hätte er mich noch in das Irrenhaus überwiesen und mich nie wieder rausgelassen. Dem Mensch traute ich einfach alles zu. Seine Behandlung in der Klinik, hatte ich ja zur Genüge zu spüren bekommen. Die Enttäuschung über diese zwei Briefe, ließ mich schon fast aufgeben, bis ich dann den dritten Brief öffnete .Hurrah! Endlich jemand, der meinen Artikel veröffentlichen wollte.

Die Illustrierte „ MINI „ bat mich, doch ein brauchbares Foto in schwarz-weiß zu schicken.

Dazu teilten sie mir den Termin mit, wann der Artikel veröffentlicht werden sollte.

Wenn es so weit wäre, würde man mir eine Ausgabe davon zukommen lassen. Ich bekam doch wieder neuen Mut. Meinen Yves hatte ich ein wenig vernachlässigt, durch meine Schreiberei.

Aber er verstand, das es meine Art war, das Erlebte, zu verarbeiten. Er konnte seinen Verlust nicht so gut bewältigen. Im Gegenteil. Von dem besagten Tag an, hatte er jeden Tag Albträume. Es dauerte sehr lange, bis sich dieser Zustand wieder besserte. Immer wieder, machte er sich diese Vorwürfe, das er bei der Geburt, nicht dabei gewesen war. Ich fertigte noch zwei Briefe an. Eine Antwort auf das Schreiben des Professors und das andere für die Illustrierte MINI, mit einem Foto. Dem Professor schrieb ich, das er sich schämen solle, mich als psychisch Kranke dahinzustellen. Außerdem, das er der letzte Mensch auf diesem Globus wäre, mit dem ich jemals wieder sprechen würde. Weiterhin verlangte ich einige Informationen, über mein Baby, von ihm. Das schickte ich sogar als Einschreiben mit Rückantwort. Das Antwortschreiben, kam schon drei Tage später.

Dieser Brief war noch unverschämter, als der erste. Da wollte er mir doch glatt einreden, das ein Baby in der 22 Woche, noch ein Embryo wäre und dieser konnte auf keinen Fall gerettet werden. So ein Versuch wagte man erst ab der 24- 25 Woche. Bei diesem Satz wurde mir bewusst, das es wirklich nur noch um höchstens drei Wochen gegangen war.

Vielleicht, hätte meine Fruchtblase, solange gehalten, bei weiterer Bettruhe. Genug Strapazen hatte sie ja überstanden. Ich hatte auch erfahren, das vor mir eine Patientin dort behandelt wurde, die schon die achte Abtreibung vornehmen ließ.

So etwas nannte ich eine psychisch Kranke. Es sollte auch nur einige Tage später ein Gesetz heraus kommen, das diese Abtreibungen verbieten sollte. Den Ärzten war das alles wohl gleichgültig, denn sie waren schon abgehärtet. Am Schluss des Briefes wünschte mir der Professor auch noch viel Glück, für meine nächste Schwangerschaft und erklärte, das ich wohl noch viele Kinder bekommen könne.

Ein schwacher Trost war das, aber ich wollte mich auch nicht weiter mit diesem Arzt beschäftigen. Recht bekam ich sowieso nicht. Dann kam der Tag, an dem mein Artikel veröffentlicht wurde. Ich kaufte zehn Ausgaben davon, da ich ein bisschen stolz darauf war, doch wenigstens etwas erreicht zu haben. Der Bericht war zwar nicht mit meinem Foto veröffentlicht worden, aber da stand meine ganz persönliche Geschichte.

Das war Genugtuung für mich.

Auch Yves gratulierte mir für diesen Erfolg. Ich beschloss die Sache nun endlich ruhen zu lassen. Immer wieder an den Verlust meines Sohnes erinnert zu werden, tat doch sehr weh.

Ich wollte es endlich vergessen um mich wieder dem Rest der Familie widmen zu können.

 

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