Klaus Buschendorf

Buchvorstellung: Filosofische Märchen oder Skurrile Gute-Nacht-Geschichten für Erwachse

 

  Wollen Sie spielerisch durch Zeiten gehen, Personen und Vorstellungen zusammen bringen, die nicht zueinander gehören - oder doch? Springen Sie in zwanzig kurzen Geschichten auf märchenhafte Weise durch Jahrtausende.

Nachgeschriebenes Vorwort zu meinen "Filosofischen Märchen" von 2002

Als ich diese Geschichten aufschrieb, verfügte ich noch nicht über journalistische Erfahrung. Inzwischen lernte ich den Unterschied kennen zwischen eigener, beglückender Erkenntnis und der Schwierigkeit, sie anderen Menschen zu vermitteln. Anstoß war für mich die oft geäußerte Kritik: Was Du da geschrieben hast, ist "viel zu hoch gestochen". Ich muss gestehen: Die Kritik ist richtig.

So entschloss ich mich zu dieser Art "Gebrauchsanweisung". (Das ist nicht neu. Schon Luther versah die Zehn Gebote mit dem Vermerk: Was ist das?) Benutzen will ich dazu das Beispiel der vierten Geschichte "In der Akademie". Sie werden vier Personen finden, die ich in einen philosophischen Bezug stellte. Es sind Plato, Aristoteles, Alexander von Makedonien und Napoleon. Plato schrieb im jugendlichen Alter sein Werk "Der Staat". Darin beschrieb er im Wesen die Kunst eines Herrschers, völlig frei von allen Zwängen nur seinem Verstand und gutem Willen folgend, seinem Volke gut zu dienen. Er kam an den Hof des Tyrannen von Syrakus und sollte (und wollte) nach dieser Schrift den Herrscher leiten. (Es ist gut zu wissen, dass Tyrann damals ein normaler Titel eines Herrschers war. Der schlechte Geruch, der ihm heute anhaftet, ist dem Missbrauch der Macht durch spätere Herrscher geschuldet.) Doch mehr und mehr passten dem Tyrannen Platos Ratschläge nicht - Plato musste um sein Leben fliehen. Als Ergebnis dieser Lebenserfahrung schrieb er im Alter "Die Gesetze". Hier legte er dem Herrscher alle Zügel an, die Machtmissbrauch verhindern sollten. Dann starb er.

Aristoteles war sein Schüler. Er sah die Extreme im Lebenswerk seines Lehrers. Wie Plato war er von seinen Vorgängern dialektisch gebildet. Die griechischen Philosophen sahen die Welt als Kampf und Einheit der Gegensätze und nannten das den Widerspruch. Wir können heute ein einfaches Beispiel nehmen und formulieren: Die Welt ist bipolar wie elektrischer Strom. Nimm einen Pol weg, so fließt kein Strom. Ein Widerstand zwischen den Polen regelt das rechte Maß - Strom fließt oder, weiter gedacht: Die Welt besteht.

Aristoteles kam anders auf diesen Begriff. Er fand heraus, dass sich menschliche Eigenschaften auf einem Kreis diametral anordnen lassen. Und fand so: Zwischen Tollkühnheit und Feigheit ist der Mut das rechte Maß des Handelns.

Aristoteles war Lehrer des Königssohnes Alexander von Makedonien. Der zog mit 18 Jahren in den Krieg mit dem griechischen Erbfeind - dem Imperium der Perser. Mit 33 Jahren hatte er den gesamten, den Griechen bekannten Erdkreis erobert. Seinem Lehrer verpflichtet, strebte er die Verschmelzung der griechischen und persischen Kultur an. Doch er starb an einer Lungenentzündung - so die Legende.

Napoleons Vorbild war jener Alexander von Makedonien. Auf dem Höhepunkt seiner Eroberungen schrieb er fast allein den Code zivil, das Bürgerliche Gesetzbuch. Die Parallele zwischen diesen beiden Menschen ist so klar! Man muss nur hinsehen - wollen!

Auch ihr beider Lebenswerk wurde verfälscht: Von ihnen selbst und von ihren Nachfolgern.

Hat man sich einmal die Augen in jener Weise geöffnet, erhalten viele Probleme eine andere Dimension: Sie waren schon immer da - im Wesen. Nur ihre äußere Form ändert sich ständig. Und die Lösung ist lange gefunden: Im rechten Maß der Extreme, des Widerspruchs. Doch bisher kam die Menschheit selten über das Denken in Polen hinaus. Das jüngste Beispiel ist der kommunistische Versuch. Was geschah (betrachtet man die Zeit nach dem I. Weltkrieg) unter diesem Blickpunkt?

Lenin schaffte den Reichtum und die Reichen ab. Der Krieg der "Entreicherten" brachte dem neuen Staat fast den Untergang. Doch nach dem Sieg änderte Lenin seine Strategie. Er schuf mit der Neuen Ökonomischen Politik neue "NÖP-Kapitalisten". Er begriff, dass eine Gesellschaft ohne den Pol "Reich" nicht geht. Doch mit seiner Erkenntnis blieb er allein. Ein Attentat auf ihn warf ihn an den Rand des politischen Geschehens. Stalin wurde neuer Zar. Die Illusion hielt sich noch 70 Jahre. Dann brach sie zusammen.

Heute sehen wir, wie "Neoliberale", "Moderne Feudalisten (Meudalisten)" einen Krieg gegen den anderen Pol führen: Gegen die Armen. Sie tun es mit "Reformen", "Agenda 2010", "Hartz IV". Sie sagen: " ...mehr Freiheit wagen..." und meinen die Freiheit der Reichen gegen die Armen. Es ist die andere Seite der Medaille - doch Lenins Handeln gleich.

Nur - Lenin begriff es zu seiner Lebenszeit und begann die Korrektur. Werden es unsere heute Mächtigen ihm nach tun? Oder haben sie Angst, dass Lenins Schicksal auch das ihre sein könnte?

Wohin geht die Menschheit, wenn sie das rechte Maß des Aristoteles nicht findet? Weder Feigheit, noch Tollkühnheit führt doch zum Ziel!

Meine Geschichten wollen ungewohntes Denken befördern. Antwort geben können sie nicht.

Juni 2007 Klaus Buschendorf

Leseprobe: Bitte lesen Sie auf meiner Website www.buschendorf.bodautor.com!

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 2007-09-23. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).