Diana Wetzestein

Buchvorstellung: Tadeusz – Die Geschichte eines Kindertraumes

 Tadeusz traute seinen Augen nicht. Ein Zauberschloss stand direkt vor ihm. Eben war der Zehnjährige noch ins Buch um die Abenteuer der Zauberschüler Henry und Rocky vertieft und plötzlich sollte alles Realität sein?
   Mit seinen Eltern Thomas und Tanja war er drei Stunden zuvor ins Auto gestiegen. Ziel war die Besichtigung eines neuen Bauprojekts der Architekteneltern. Immer wieder stritten seine Eltern während der Fahrt, und Tadeusz tat das, was er dann immer zu tun pflegte, er las in seinem Buch. Dann war in einer anderen Welt und erlebte mit den Romanhelden Dinge, von denen Erwachsene nicht einmal träumten. Wie oft hatte sich Tadeusz schon gewünscht in ein Zauberschlossinternat umziehen zu dürfen.
   Dieses Schloss direkt vor ihm war keine Zauberei und keine Einbildung. Groß und imposant stand es dort. Im Innenhof hallte jedes Wort und Vögel folgen auf, als die Eltern wieder lauter wurden. Der Blick des Jungen glitt über die Sandsteinblöcke, die so groß waren, dass sie Riesen wie Legosteine aufeinandergelegt haben mussten. Das war sicherlich vor Hunderten von Jahren gewesen. Türme und Zinnen, bunte Fenster und schwere Holztore unterbrachen die Steinmauern. Das ganze Bauwerk zog sich nach rechts über einen Torbogen zu kleineren Nebengebäuden, deren Holzbalken mit einer besonders schönen roten Farbe gestrichen worden waren. Vor dem Hauptportal des Schlosses stand ein Brunnen, dessen Wasserspeier ein Wolfskopf war. Für Tadeusz war das natürlich der Eingang zu einer geheimen Kammer, die einen Schatz in sich verbarg und sicherlich von Wölfen bewacht wurde.
   Im Inneren des Schlosses kam Tadeusz alles sehr bekannt vor. Hatte er dies nicht alles schon einmal in den Büchern erlebt, die er gelesen hatte? Er war sich sicher, dass er dort für immer bleiben wollte.
Mit seinen Eltern durchschritt er das Eingangsportal, dann kamen sie in die Halle. Vor ihnen öffnete ein riesiger Kamin seinen dunklen Schlund. Rechterhand führte eine breite Steintreppe in die oberen Etagen, von dort aus gelangte man in die Zimmer. Die Türklinken der Türen waren so hoch oben angebracht worden, dass Tadeusz über seinen Kopf greifen musste, um sie öffnen zu können.
   Ein Raum war mit dunklem Holz vertäfelt; ein zweiter war weiß gestrichen und ein anderer war sogar an der Decke verziert, die Wände waren mit großen Spiegeln verkleidet. Von diesem Raum aus konnte man eine große Terrasse betreten und der Blick, den man von dort aus auf den Schlosspark und seine großen alten Eichenbäume hatte, war gigantisch. Das nächste Zimmer war Rot gestrichen und ein angrenzendes Zimmer ganz in Grün. Ein Raum mit Holzregalen, die in die Wand eingebaut waren, diente als Bibliothek, das erkannte Tadeusz genau. Außerdem sah er im Geiste bereits die Schulräume der Zauberschule vor sich, in denen die Schüler über dampfenden Glaskolben saßen und Zaubertränke mischten. Kleine Holzbänke und Tische schienen dort zu stehen, auf einem Tisch saß Hilde, die Zaubereule seines Freundes Henry.
Seine Fantasie war schier unermüdlich, und in diesem Schloss konnte er sie ausleben! Und bei Gott, das würde er auch tun!
   Kurz nachdem Tadeusz mit seinen Eltern angekommen war, lernte er Paul kennen. Der Sohn einer Gärtnerin, der allein mit seiner Mutter Doris im alten Verwalterhaus wohnte, war auch zehn Jahre alt. Die beiden Jungen wurden schnell zu besten Freunden und erkundeten gemeinsam alles, was es zu erkunden gab. Als Tanja ihren Mann und ihren Sohn auf dem Schloss zurücklassen musste, um in Amerika einen Auftrag zu erledigen, war es Paul, der Tadeusz über seinen Kummer hinweghalf.
Paul war ein fröhlicher unkomplizierter Freund, nur manchmal wurde er ruhig und traurig, das war immer dann, wenn er an seinen Vater dachte. Seit Jahren schon hatte er ihn nicht mehr gesehen. Afrika war weit weg und genau dort lebte Pauls Vater. Wie sehr wünschte sich Paul, dass er irgendwann einmal zurückkommen und wieder bei ihm im Verwalterhaus wohnen würde.
   Aber bis es soweit war, wollten sich Paul und Tadeusz die Zeit mit Abenteuern vertreiben. Sie durchkämmten den Wald; verjagten das Ungeheuer am Schlossteich; machten Nachtwanderungen und erfanden Zaubersprüche.
   Der Keller des Schlosses war für die Beiden eine besondere Herausforderung gewesen. Der muffig und erdig riechende Gewölbekeller mit kleinen Kammern und vielen Holztüren hatte einen Notausgang, über den man ohne Mühe, und vor allem ohne Lärm, nach draußen gelangen konnte. Das war spannend und für Notfälle von größter Bedeutung.
   Das Beste am Schloss aber war die Fledermauskolonie hoch oben auf dem Dachboden. Diesen konnten sie über die einhundert Stufen der Wendeltreppe erreichen.. Eine kleine Luke, durch die sie hindurchkriechen mussten, führte sie an den Ort, wo die kleinen Vampire lebten. Sie hingen zu Hunderten unter den Decke. Und so lange sie dort hingen, war es ruhig und für die Jungen wenig spannend. Aber ließ sich erst einmal eine von diesen Tieren herunterfallen und folg los, folgten in Sekundenschnelle alle anderen. Ein einziges kleines Ausflugsloch im Dach war für die wendigen blinden Flieger das Tor nach draußen und das erreichten sie.
Tadeusz und Paul standen mittendrin und es kribbelte überall an ihrem Körper, aber nicht von den Tieren, denn keine einzige Fledermaus berührte sie. Allein die Vorstellung, mitten in einem Schwarm schwarzer Vampire zu stehen, ließ sie eine Gänsehaut bekommen. Ein Abenteuer, das ihre Romanhelden Henry und Rocky mit Spinnen und Trollen schon erlebt hatten.
Die Besitzerin des Schlosses, Frau Kuhnert, entpuppte sich als eine kinderfeindliche verbitterte Frau, die von den Plänen der Jungs ganz und gar nichts hielt. Sie hasste Kinder! Mit List und Tücke verjagten die tapferen Jungs deshalb die Schlossherrin und konnten sie letztendlich davon überzeugen, dass dieses Schloss für eine Wellnessoase viel zu wertvoll war.
   Allein den beiden abenteuerlustigen Jungen war es zu verdanken, dass aus dem Schloss nun doch ein Zauberschloss werden sollte. Dafür machten Tadeusz und Paul einen echten Ausflug in die Kinowelt der Trolle und Zauberschlösser, der Hexen und Zauberer, in die Welt ihrer Romanfiguren Henry und Rocky. Sie sahen bei den Dreharbeiten zu, und holten sich dabei Anregungen, um in ihrem Schloss sehr bald schon Kinderträume wahr werden lassen zu können. Eines aber war allen klar geworden, dass dieses Schloss und seine Menschen etwas hatten, was keine Geschichte und Märchen dieser Welt hatte, Magie.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 2008-01-10. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).