Yvonne Habenicht

Buchvorstellung Mann oh Männer, und das mit 50!

  Sonja Stolzenstein, taffe Fünfzigerin, ist auf der Suche nach neuem Glück und will es nochmal mit der Männerwelt versuchen.

Inhalt:
Sonja Stolzenstein, taffe Fünfzigerin, ein wenig übergewichtig, will nach zwei gescheiterten Ehen noch einmal ihr Glück bei der Männerwelt versuchen.
Doch statt das große Los zu ziehen, gerät sie bei ihrer Suche an eine Niete nach der anderen. Doch aufgeben gilt nicht, und den Humor verliert sie auch nicht.

Leseprobe
Frau mit Katze


Klingt nach öltriefendem Gemälde, ist es aber nicht. Eigentlich wollten Wilma, Ruth und ich an diesem Samstag ins Theater gehen. Ein neuer Autor mit Wahnsinnskritiken präsentierte sich mit der Komödie "Glück wie Heu". Dann hatte Wilma Leibkrämpfe bekommen, wand sich jammernd auf dem Sofa. Weder Heizdecke noch Kamillentee konnten ihre Qualen lindern. Wen wundert's, denn der Notarzt diagnostizierte eine akute Blinddarmentzündung. Das kommt davon, wenn man sich von nichts trennen kann. Mein Blinddarm wurde schon im Kindesalter zum Müll getan.
Jedenfalls kam Wilma ins Krankenhaus und ich blieb mit ihrer Katze, ihren Blumen und den leichtverderblichen Lebensmitteln, die ich zu vertilgen versprach, zurück. Die Katze litt natürlich beträchtlich unter dem Abtransport ihres Frauchens. Kein Trösten half, dass besagtes Frauchen bald und gesund wieder zu Hause sein würde. Also nahm ich die Fütterungsliste, die an Wilmas Kühlschrank klebte und stellte fest, dass heute gedünsteter Fisch mit Biomöhren dran war. Na, Mahlzeit. Sag es doch, Katze müsste man sein, besonders bei Wilma.
Ich machte mich ans Dünsten. Das Studium des Speiseplans von Pitti machte mich leicht schwindelig. Da kamen nicht nur Streicheleinheiten und etwas Fellpflege auf mich zu, sondern ein tägliches ausgedehntes Kochprogramm. Das Allerallerletzte, wozu ich Lust hatte, schon gar nicht für eine Katze. Ich sah meine Freizeit dahinrinnen wie umgekippte Milch. Wie sollte ich da den Alltag um mich her auf weiteren Zuschriftenstoff für das "Blatt für jeden" erforschen? Dabei hatte diese Beschäftigung gerade angefangen, mir Spaß zu machen. Ich begann schon damit, mir eine eigene Homepage einzurichten. Sonja Stolzenstein - freie Journalistin und Powerfrau. Ich packe den Alltag gern da, wo er stattfindet. Nein, kein Wort von Männersuche und solchen Dingen. Statt mich nun damit zu beschäftigen, die Seite mit Alltag hier und überall zu füllen, durfte ich Katzensklavin spielen. Einkaufen, kochen, Katzenklo putzen, Spielzeug durch die Gegend schmeißen, Tier streicheln. Außerdem war das verwöhnte Vieh gewohnt, ab Herbst auf einer vorgewärmten Decke in Wilmas Bett zu liegen. Und Herbst war es zurzeit nicht zu schlecht.
Dann aber kam mir die absolute geistige Leuchtreklame. Warum nicht über das Leben mit einer Katze schreiben? Millionen meiner Mitmenschen lebten mit oder besser für ihre Katzen. Damit traf ich doch direkt mitten in die geplagte Volksseele. Um das in die Tat umzusetzen, hätte Pitti mir jedoch den entsprechenden Freiraum einräumen müssen. Sie bestand aber darauf, kaum ließ ich mich am Computer nieder, entweder auf meinen Schoß oder, was noch schlimmer war, auf die Tastatur zu springen.
In Wilmas Wohnung allein bleiben wollte sie auch nicht. Auf meine Notlösung .Katze im Bad einsperren' reagierte sie nur mit dem Vollpinkeln meiner Badematten.
Schließlich holte ich den Transportkorb aus Wilmas Abstellkammer herüber und sperrte das widerstrebende, kratzende und fauchende Ungeheuer hinein. So, nun sahen zwar meine Hände aus wie durch den Fleischwolf gedreht, aber ich konnte das unverzichtbare Gedankengut für "Blatt für jeden" und meine tolle Homepage niederschreiben. Um mich auch von Pittis empörtem und so lautstarkem wie unmelodischem Geschrei nicht davon abbringen zu lassen, stopfte ich mir die Ohren zu. Sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn meine gerade begonnene literarische Laufbahn am Katzenjammer scheitern musste.
Nach nicht allzu langer Zeit drang schrilles Dauerschrillen an der Tür in meine verstopften Ohren. Ein Notfall, dachte ich, ein Mord, ein Amokläufer, Einbrecher, Räuber und Vandalen. Endlich eine Sensation aus dem Alltag für den Alltag. Von wegen! Vor der Tür stand eine völlig entnervte Frau Wurzelmuff aus der Etage unter mir und machte mir lauthals den Vorwurf der Ruhestörung und Tierquälerei. Sie drohte mit Tierschutz, Hausverwaltung, Polizei und Bundeswehr, wenn das nicht aufhöre. Auf der Stelle. Durch die offene Tür hatte sie auch noch mit Entsetzen die eingesperrte Katze entdeckt. Pah, dabei saß ihr Wellensittich doch auch im Käfig, von seiner Unmusikalität mal ganz zu schweigen.
Wohl oder übel kam Frau Katze wieder aus dem Korb. Ihre Wut ließ sie anschließend kraftvoll an meinem lindgrünen Lieblingssessel aus. Wie hatte ich bei der Scheidung mit meinem Ex um diesen Sessel gekämpft. Alles, damit er jetzt einem Raubtier zum Opfer fiel. Um das Ungeheuer zu beruhigen, begann ich ihr ein feudales Fresschen zu kochen. Öko-Bauern-Huhn mit winzigen Vollkorn-Sternchen-Nudeln. Pitti schlich dabei ungeduldig schreiend um meine Beine. Bestimmt würde es gleich wieder klingeln. Diesmal, weil ich tierquälerische Person nicht schnell genug kochte.
Es klingelte nicht, aber plötzlich gab die Waschmaschine, in der sich im zweiten Durchlauf meine katzenverpinkelten Badematten drehten, Geräusche wie die Titanic vor ihrem Untergang von sich. Dann absolute Stille. Nur das Öko-Huhn blubberte im Topf. Gleichzeitig blubberte jedoch auch noch was anderes, nämlich Wasser aus der Waschmaschine über den Küchenboden. Zu allem Übel auch noch Wasser, das noch immer eindeutig nach Pitti-Pisse stank. Nein! Bitte nicht. So viel Alltag auf einmal. So schnell konnte ich doch gar nicht schreiben.
An Schreiben war erst mal sowieso nicht zu denken. Hier musste schnellstens ein Handwerker her. Es kostete mich über eine Stunde hektischer Telefonate, bis ich endlich einen erwischt hatte, der noch am gleichen Tag kommen konnte. Das Huhn backte am Topfboden, weil das Wasser fast gänzlich verbrodelt war. Egal, musste Pitti mit vorlieb nehmen. Tat sie auch. Wahrscheinlich war sie sich nun doch der besonderen Notlage bewusst und wollte die Dinge nicht noch mit allzu wählerischer Verachtung meiner Katzenküche auf die Spitze treiben.
Bis am späten Nachmittag der Handwerker klingelte, hatte ich die Küche bestimmt fünfmal gewischt, dabei eine Flasche Essigreiniger und eine halbe Dose Raumspray verbraucht, um Pittis Duftmarke einigermaßen Frau zu werden. Ich verfluchte Wilma, die sich nicht rechtzeitig und jugendlich von ihrem Blinddarm hatte trennen können. Wenn man mich fragte, so hätte ich die Entfernung aller möglichen Darmauswüchse derzeit dem ganzen Pitti-Aufwand vorgezogen.
Der Meister der Klos, Ausgüsse, Waschmaschinen & Co rückte mit einem pickeligen Azubi an. Der Azubi war mir wurscht, aber beim Anblick des Meisters bereute ich, nicht wenigstens mit der Puderquaste über mein verschwitztes Gesicht gefegt zu sein. Ein eindrucksvoller Riese mit graumeliertem Haar und noch intakter Sommerbräune - vielleicht reparierte er aber auch viel in Solarien. Er betrachtete meine gepeinigte Waschmaschine mit einem so sorgenvollen Blick aus seinen grauen Augen, dass ich zum ersten Mal im Leben gern eine Waschmaschine gewesen wäre. Dann begann er das Ding auseinanderzubauen. Er schüttelte immer wieder den Kopf, während der Azubi Ekel zeigend seine Nase rümpfte, angesichts von Pittis Duftnote. Mann, war mir das peinlich.
Während der Azubi immer wieder an die frische Luft durfte, um diese und jene Teile aus dem Auto zu holen - meist brachte er nur die Hälfte oder die falschen, weshalb er sehr oft an die Luft durfte - machte sich Pitti an Meister Popper heran. Sie schlich ihm um die Beine, rieb den dicken Kopf mit lautem Geschnurr, zeigte nicht eine Kralle und erntete sofort innige Zuneigung. Sag ich doch, Katze müsste man sein.
"Die ist aber süß", meinte Riese Popper und nahm endlich auch mich wahr, die ich einsam inmitten der nassen Küche mit meinem Wischlappen und durchgeweichten Hauslatschen stand. "Wie heißt sie?"
"Pitti", zischte ich mit sehr verhaltener Katzenliebe, "und es ist nicht meine. Sie gehört meiner Freundin, der gerade der Blinddarm rausgeschnitten wird."
"Oh."
"Ja, oh. Wahrscheinlich ist die Waschmaschine nur so überlastet, weil ich pausenlos wegen des süßen Stubentigers waschen muss. Sonst riecht es nämlich hier nicht so."
"Ach, wissen Sie, für die Tiere riechen wir Menschen wahrscheinlich auch nicht nach Parfum", meinte er verständnisvoll. Na, wenigstens musste ich mich nicht des Pissmiefs schämen.
Während er bedächtig, für meine Begriffe aber sehr gekonnt, das unergründliche Wesen der Waschmaschine behandelte, führten wir eine sehr tiefschürfende Unterhaltung über die Rente mit 67 und das herbstliche Wetter. Der Azubi sah dauernd zur Uhr. Wahrscheinlich hatte er eine Verabredung und war nun nicht pünktlich wegen meiner Waschmaschine. Er sauste dann auch, kaum war diese wider Erwarten repariert, von dannen. Von einer Tasse Kaffee, die ich anbot, wollte er nichts wissen. Keine Arbeitsmoral, diese jungen Leute von heute.
Der Meister dagegen trank drei Tassen Kaffee und ließ sich Wilmas Kuchen schmecken, den ich aufbrauchen sollte. Ich hoffte, sie verzieh mir, dass ich nicht widersprach, als er lobte, wie lecker ich backen könne. Pitti hatte es sich neben ihm gemütlich gemacht und schnurrte ohne Unterlass. Undankbares Vieh. Ich durfte füttern, Pisse wegwischen, Reparaturen bezahlen und.und.und. Zum Dank rieb sie sich an den Beinen fremder Männer. Zugegeben, Madame war durchaus wählerisch. Auch mir gefiel der Meister immer besser. Deshalb fiel mir auch spontan ein, dass eigentlich im Bad mein Wasserhahn zum Tropfen neigte und ich mir schon lange eine neue Armatur für die Badewanne leisten wollte. Wiedersehen, wiedersehen woll'n wir ihn, sagte die kleine Suchanzeige in meinem Hirn.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 2009-08-08. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).