Helke Meierhofer-Fokken

Buchvorstellung: Vor der Zeit im blauen Kleid. Wege aus dem Labyrinth der Erinnerungen

  Im Sommer des Jahres 2006 wurde die Ich-Erzählerin wie aus heiterem Himmel von einer Depression überfallen. Auf Anraten ihres Therapeuten begann sie, Erlebnisse aus ihrer Vergangenheit aufzuzeichnen. Sie begab sich auf Spurensuche in das Labyrinth der Erinnerungen, durchforschte das Haus ihrer Kindheit, Jugend und frühen Erwachsenenjahre. Sie streifte durch einzelne Räume, verweilte in manchen länger oder zog schnell weiter, immer wieder Türen auslassend, hinter denen sie schreckliche Ereignisse vermutete.


In den so entstandenen Texten wird bewusst auf eine Chronologie verzichtet. Das erfordert von den Lesenden ein etwas unvermitteltes Vor- und Zurückgehen in der Vergangenheit der Autorin. Es verdeutlicht aber den Prozess des langsamen sich Annäherns an die als traumatisch empfundenen Ereignisse ihres Lebens. Es gibt auch keine fortlaufende Handlung. Jedes Kapitel steht für sich, wie aus der Zeit geschnitten. Schlaglichtartig werden die einzelnen Stationen ihres oft turbulent verlaufenen Lebens beleuchtet: die Schilderung der achtmonatigen Flucht vor den Russen aus dem Warthegau; die stets scheiternden Versuche des Vaters, nach dem Krieg eine Existenz aufzubauen; der Unfall ihres Vaters, die Wirren der Pubertät, das im ersten Anlauf vermasselte Abitur; die erste Ehe und deren Scheitern; der tragische Tod ihres Verlobten.

Aber nicht nur dramatische Ereignisse bestimmen das Dasein der Ich-Erzählerin. Anschaulich beschreibt sie das Aufwachsen in einem kleinen nordhessischen Dorf, die Spiele mit ihren Geschwistern, die Verbundenheit mit der Natur. Sie erzählt vom ersten selbstverdienten Geld durch den Verkauf von Heidelbeeren, vom Kartoffel- und Ährenlesen, vom Pilzesammeln und Federnsuchen. Kapitel über Mode und Kleidung, über Erlebnisse mit Haustieren und frühe Leseerfahrungen lassen das Zeitkolorit der Fünfziger und Sechziger Jahre in akzentuierten Miniaturen entstehen. Eingeschoben in diese Kapitel sind .Bilder aus dem Familienalbum., in denen die Autorin in einfühlsamen Porträts der Vorfahren den Wurzen ihrer Herkunft nachspürt.

Die Aufzeichnungen der Ich-Erzählerin enden mit einer romantischen Liebesgeschichte: sie schildert, wie sie ihren zweiten Mann in der Schweiz kennenlernt und ihr Leben fortan in ruhigeren Bahnen verläuft.

In ihrer Vorbemerkung schreibt Helke Meierhofer-Fokken: .Ich habe meinen Erinnerungsteppich entrollt und ausgebreitet. Er ist so gross, dass er Wellen und Falten schlägt und nicht ganz eben liegt. Manche Stellen sind verblasst und lassen das ursprüngliche Muster kaum erkennen. Andere dagegen leuchten in ihren ursprünglichen Farben, als ob sie lange Zeit von schweren Möbelstücken zugestellt gewesen wären, die erst kürzlich beiseite gerückt wurden. Verschlungene Arabesken mäandern durch das Gewebe, immer wieder unterbrochen von Druckstellen, Rissen und Löchern. Ich habe versucht, die schadhaften und verschlissenen Stellen zu flicken. Das ist mir nicht immer gelungen. Es bleibt ein Flickwerk, ein Flickenteppich, mein Erinnerungsteppich..

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 2010-07-18. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).