Bettina Szrama

Buchvorstellung: Das Mirakel von Köln

  Mord und Intrigen im Namen des Herrn
Die mutige Rache einer außergewöhnlichen Frau
Eine Nonne im Kampf gegen die Obrigkeit
Ränkespiele zwischen Dom und Rathaus

Köln 1625: Der erzbischöfliche Generalvikar rettet die fallsüchtige junge Christina vor einer Steinigung durch den Pöbel und bringt sie ins Kloster Santa Klara. Doch anstatt Sicherheit zu erfahren, wird Christina Zeugin von Teufelsaustreibungen, sittlichem Verfall und unaussprechlichen Verbrechen. Ihr gelingt die Flucht, doch sie gerät in ein Ränkespiel der Mächtigen, in dem sie alles verliert außer ihr Leben. Sie beschließt, sich zu rächen - indem sie sich selbst der Hexerei anklagt. Unter der Folter bezichtigt sie alle Hochgestellten Kölns, die ihr jemals begegneten. Und die Stadt beginnt vor ihr zu zittern...
Ein packender Historienkrimi, ein authentischer Fall und die mutige Rache einer außergewöhnlichen Frau.

Bettina Szrama, geboren 1952 in Meißen, ist Diplom-Agraringenieurin und absolvierte nach Führungspositionen in der Landwirtschaft
1991 ein Literaturstudium an der Schule des Schreibens (Axel Andersson Akademie) in Hamburg. Danach journalistische Tätigkeit für Regionalzeitungen und Tierzeitschriften, seit 1994 verstärkte belletristische Aktivitäten. Mitglied im »Freier Deutscher Autorenverband« (FDA–NDS.) und Quo Vadis – Autorenkreis Historischer Roman. Mitglied der VGWort. Mitglied im »Syndikat – Autorengruppe deutschsprachige Kriminalliteratur«.

Im Emons Verlag erschien »Der Henker von Lemgo«.



Leseprobe:

»Denn die Pforte ist weit, und der Weg ist breit,
der zur Verdammnis führt, und viele sind’s, die auf ihm hineingehn.«

(Mat 7,13 Jesuswort, Lexikon Bibelzitate Auslese
für das 21. Jahrhundert/Alte Sprüche fleischliche Lust)


Christina wandte den schmerzenden Kopf und erblickte einen
Mann, der an einem Tisch saß und etwas niederschrieb. Er war barhäuptig,trug kurzes braunes Haar über einem weißen gestärkten Kragen und schien in seine Arbeit vertieft zu sein. Sie betrachtete ihn, ohne zu begreifen. Ihr Erinnerungsvermögen war noch immer lückenhaft.
In diesem Augenblick hob der Mann den Kopf. Als er bemerkte,
dass sie erwacht war, legte er die Feder nieder und kam auf sie zu. Das Geräusch seiner Absätze schmerzte mit jedem Schritt, den er näher trat, in ihren Ohren. Er beugte sich zu ihr und sah ihr lange ins Gesicht. »Na, meine Schöne, so schnell sieht man sich wieder«, sagte er, als er sie eingehend betrachtet hatte. Mit einem Finger begann er die Knöpfe über ihrer Brust nachzuzeichnen, ergriff dann ihre Hände und löste die Seile, die sie gebunden hatten, bevor er das Gleiche mit den Schnüren an ihren Füßen tat.
»Was wollt Ihr von mir?«, fragte Christina und rieb sich die
schmerzenden Handgelenke. »Ihr habt doch schon längst bekommen, was Ihr wolltet, Johann von Coesfeld.«
»Das stimmt«, grinste er. »Ich habe mich mit dir köstlich amüsiert. Aber du musst wissen, schöne Magd, dass ich meine Kleider niemals zweimal trage, und so halte ich es auch mit meinen amourösen Abenteuern. Hab also keine Angst, ich werde dich nicht erneut nehmen.«
»Aber was wollt Ihr dann? Und was habt Ihr mir für ein Gift verabreicht?« Erneut griff sie sich an den schmerzenden Kopf.
»Oh, nur ein klein wenig Stechapfel, der in Wein aufgelöst war. »Es wird dir bald wieder besser gehen. Und weshalb du hier bist, nun: Ich brauche deine Hilfe. Du sollst etwas für mich erledigen, mein Kind. Es hängt hiermit zusammen.« Er zog einen klein gefalteten Zettel aus seinem Rockaufschlag.
Beim Anblick des Schriftstücks in seinen Händen stieß Christina einen leisen Aufschrei aus. Sie stürzte sich auf ihn und versuchte, ihm das Papier zu entreißen. Doch er war größer und kräftiger als sie und schwenkte es hoch über seinem Kopf, wobei er sich köstlich über ihre vergeblichen Bemühungen amüsierte. »Du hättest es wirklich besser verstecken sollen«, lachte er, setzte aber sogleich eine ernste Miene auf und stieß sie mit der freien Hand hart vor die Brust, sodass sie gegen die Wand prallte und in sich zusammensank.
Einen Moment lang sah von Coesfeld gleichgültig auf sie hinab,
ging dann zur Tür und öffnete sie. Reichsgraf Leonard von Taxis trat in glänzenden Kniehosen, einem langen dunklen Rock aus gold und silberdurchwirktem Brokat mit einem seidigen, über die Schultern reichenden Spitzenkragen sowie einem an einem breiten Bandelier getragenen Degen ein. Sein Gesicht mit dem langen Haar war unter einem mit Federn geschmückten breitkrempigen Hut verdeckt.
»Endlich! Wo wart Ihr nur, Schwager?«, empfing ihn von Coesfeld mit ausgebreiteten Armen. »Die Kleine ist schon längst zu sich gekommen.«
»Es war nicht einfach mit ihm. Er hat sich ganz schön gewehrt.
So viel Mut und Beharrlichkeit hätte ich einem Pfaffen gar nicht zugetraut«, stellte der Reichsgraf fest, der jetzt seinen Dienern hinter sich ein Zeichen gab. Die beiden kräftigen Männer, gekleidet in den Farben ihres Herrn, stießen einen an Armen und Beinen gefesselten Mann in den Salon und zwangen ihn, sich vor von Coesfeld niederzuknien.
»Leonardo!« Christina entfuhr abermals ein leiser Schrei. Sie wollte auf ihn zustürzen, wurde aber von von Coesfeld zurückgehalten.
»Nicht so hastig, meine Schöne.«
Das war zu viel für Christinas Nervenkostüm, und sie gebärdete
sich wie eine Wildkatze. Es war ihr egal, wie sie auf die Männer wirkte. Unter einem Schwall übelster Beschimpfungen bespuckte sie von Coesfeld, biss ihm in die Schulter und trat gegen sein Schienbein. Als sie ihm auch noch mit ihren scharfen Nägeln das blasierte Gesicht zerkratzen wollte, verbog er schmerzhaft ihre Arme und presste sie hart gegen seine Brust, sodass sie sein Herz schlagen spürte.
Er war ein kräftiger Mann. Schon im Schloss war es ihr nicht gelungen, sich seiner zu erwehren, und auch jetzt hielten seine Hände sie wie in einem Schraubstock gefangen. Zynisch lächelnd sah er auf sie hinab und zischte ihr heftig atmend ins Ohr: »Oh, wie ich wilde Weiber liebe. Wehre dich weiter, so reizt du mich nur noch mehr, und ich überlege es mir vielleicht doch noch anders und werde dich noch einmal bespringen.« Er befreite eine Hand, presste Christina mit der anderen noch fester an sich und fuhr ihr mit einem wollüstigen Blick und genüsslich schmatzend unter den Rock, während sie geschlagen wimmerte: »Warum nur? Was hat Leonardo Euch getan?«
»Keine Sorge, wir wollen nur dich, mein Kind«, sagte jetzt mit
weicher Stimme der Reichsgraf, der ihren Auftritt gelangweilt von einem Sessel aus verfolgt hatte. »Wirst du dich jetzt also still gebärden, damit wir endlich zur Sache kommen können?«, fragte von Coesfeld, und als sie nickte, ließ er sie los.
Sie taumelte und zog sich verschämt den Rock über die bloßen
Beine, der ihr bis zu ihren Gürtel hochgeschoben worden war. Ihre Augen suchten nach denen Leonardos. Der junge Priester hatte die Szene zähneknirschend beobachtet und wand sich nun in seinen Fesseln auf dem Boden.
»Dass er mir ja nicht den Teppich beschmutzt«, bemerkte von Taxis im Sessel und wies den Diener an, den Mann auf den Rücken zu rollen. Seine Besorgnis war begründet, denn über die Stirn des Franziskaners lief ein dunkelrotes Blutrinnsal. Seine Nase war gebrochen und seine Lippe aufgeplatzt Bei seinem Anblick verspürte Christina den Drang, in Tränen
auszubrechen. Mit einem Mal war ihr, als braue sich ein Gewitterhimmel mit bedrohlichen Wolkengebilden über ihr zusammen. Vergebens rief ihr beklommenes Herz nach einer mitfühlenden Seele, aber die Männer, denen sie in dem prunkvollen Salon gegenüberstand, waren taub und blind für ihre Bitte. Gefährliche Marionetten aus einer
anderen Welt, doch äußerlich hübsch in Samt und Seide verpackt.
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 2012-11-18. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).