Bettina Szrama

Buchvorstellung Die Magnatin. Mein Leben am Hof der Blutgräfin Elisabeth Báthory

  Ungarn 1594. Voller Hoffnung auf eine glänzende Zukunft, begibt sich die junge Adlige Susanna von Weißenburg an den Hof der ungarischen Gräfin Elisabeth Báthory - Nádasdy. Doch was sie auf Burg Sárvár wirklich erwartet, erweist sich als ein böser Albtraum. Fasziniert von der Pracht des ungarischen Hochadels folgt Susanna Elisabeths falschen Verlockungen. Doch als der Bruder der Gräfin ermordet wird, verurteilt und verstümmelt man Susannas treuen Diener als Mörder. Auf sich selbst gestellt gerät auch sie in ein Netz aus Intrigen und Verrat. Trotz der seltsamen Vorgänge im Schloss, der nächtlichen Todesschreie und Elisabeths zwei Gesichtern, ignoriert Susanna zunächst alle Warnungen, bis sie schließlich der scheinbar grenzenlosen Macht der geistesgestörten Gräfin hilflos ausgeliefert ist. „Immer mehr war ich davon überzeugt, dass von Elisabeths zwei Seiten, die eine nicht wusste, was die andere tat.“


Leseprobe:

Ängstlich wich ich ihm aus und zog es vor, zu schweigen.
Was würde mir die Wahrheit bringen? Ich hätte ihm so gern
vertraut. Durch mein Zögern entstand eine fast schmerzhafte
Stille. Ich sah, dass er auf eine Antwort wartete, und ich suchte
nach den richtigen Worten. Plötzlich erklärte er mir: „Die Gräfin
ist eine sehr schöne, äußerlich starke Frau, ich kannte sie
schon vor ihrer Hochzeit mit dem Grafen Nádasdy. Als junger
Mann war ich, wie so viele andere auch, in sie verliebt, bis mein
Kriegskamerad Franz sie geheiratet hat. Seitdem verwaltet sie
mit starker Hand ganz allein das riesige Erbe ihrer beider Familien.
Man erzählt sich, dass ihr Vorfahre, ein mächtiger Ritter,
einmal einen Drachen, der das Land verwüstete, mit drei Lanzenstichen
niederstreckte und für diese Heldentat den Familienbesitz Ecsed erhielt.
Vielleicht ist das die Quelle, aus der sie ihre gewaltige Kraft schöpft.“
„Vielleicht aber auch die Quelle allen Unheils, das sie stiftet“,
warf ich ein.
„Möglich“, lachte er. „Aber ich weiß auch, dass sie als Kind
bereits unter ihrer übermächtigen Mutter litt. Nach deren frühem
Tod hat sie sich ihrer Tante Klara angeschlossen, die bis zu
ihrer Hinrichtung einen bösen Einfluss auf sie ausübte.“
„Die Gräfin Klara ist tot?“ Ich war sprachlos und erinnerte
mich an den Hofball, auf dem ich sie noch voller Lebensfreude
erlebt hatte.
„Ja, die Gräfin Klara soll einen ihrer zahlreichen Liebhaber
dazu überredet haben, ihren zweiten Ehemann zu ermorden.
Zudem stand sie schon seit langem in dem Ruf, eine Hexe zu
sein und soll aufgrund dessen hingerichtet worden sein. Was
mir Sorgen macht, ist Elisabeths einstige Amme, die Darvulia.
Sie gewinnt immer größeren Einfluss über sie. Elisabeths
Sucht, Franz zu gefallen, ihre perfekte Sauberkeit, ihr Hass auf
die blutjungen Mädchen und die Angst, ohne Sohn zu sterben,
geben ihr die Macht, sie völlig zu beherrschen. Elisabeth wird
in Bälde achtunddreißig Jahre alt und hat Franz noch keinen
Erben geschenkt. Nun, erratet Ihr, warum ich Euch das erzähle,
Komtesse?“
Ich zuckte mit den Schultern. „Weil Ihr sie immer noch
liebt?“
„Nein, weil diese Entwicklung für Euch ein böses Ende nehmen
wird und Elisabeth eine Gefahr für jede junge Frau ist.
Ich habe beobachtet, dass sich die Gräfin immer stärker von
Sinneseindrücken und Stimmungen leiten lässt. Sie altert und
will es nicht wahrhaben. Mal ist sie traurig, dann wieder verloren.
Mal erlebt man sie verwirrt, dann wieder neidisch, gierig
oder cholerisch. Sie ist krankhaft selbstsüchtig und duldet
ganz bestimmt keine blutjunge Favoritin an ihrer Seite, die sich
schwängern lässt. Die Züchtigungen an den Mädchen werden
häufiger, grausamer und einfallsreicher. Jetzt sind die Ersten
an den Auswirkungen gestorben. Ich glaube nicht, dass sie sie
ursprünglich töten wollte, aber es werden weitere folgen und
dann wird sie es sein, die tötet, weil sie einem zwanghaften Impuls
zum Morden folgt, durch den ihre einsame Herrscherseele
Beruhigung erfährt.“
Ich hatte noch nie jemanden in dieser Weise von der Gräfin
reden hören und staunte über seine Menschenkenntnis.
„Ihr müsst Elisabeth gut kennen, Graf Emmerich“, sagte ich
und betrachtete ihn nun mit ganz anderen Augen. Mit seinen
überzeugenden Worten hatte er den Zugang zu meiner Seele
gefunden und nicht nur das: Ich spürte tief in mir, dass ich diesem
Menschen blind vertrauen konnte. Seine ganze Art, wie er
mich ansah, wie er mit mir sprach, gaben mir ein Gefühl von
Sicherheit.
Inzwischen war Katharina mit dem Wein zurückgekehrt. Als
sie die Gläser füllte, bemerkte ich, dass er den Blick nicht von
mir lösen konnte. Amors Pfeil hatte ihn mitten ins Herz getroffen.
Aber anstatt mich mit Schmeicheleien zu umgarnen, verwirrte
diese Erkenntnis ihn und machte ihn schweigsam. Ich
schrieb es der Anwesenheit von Elisabeths Dienerin zu, dass er
mir nicht das sagte, was sein Herz fühlte. Die Gläser klirrten,
der Wein machte glucksende Geräusche, wir schwiegen und
verständigten uns mit Blicken. Irgendwann beendete er das
Schweigen und sagte: „Ich werde Euch mitnehmen, Komtesse,
und Euch sicher nach Siebenbürgen bringen. Heute Abend
reise ich mit Franz nach Prag, Weißenburg liegt auf unserem
Weg.“
Er hatte noch nicht ganz ausgesprochen, da rauschte die
Gräfin mit Ilona und Dorkó im Schlepptau durch die Tür und
rief Überraschung heuchelnd: „Oh, Graf Megyery, Ihr seid immer
noch hier? Mein Gemahl sucht schon geraume Zeit nach
Euch.“

Elisabeth Báthory (1560-1614) entstammte einer der mächtigsten
ungarischen Familien. Sie ging als berühmteste Serienmörderin
der Geschichte mit 650 Morden in das Guinness-Buch
der Rekorde ein. Jahrhundertelang hat ihr Leben die Fantasie
von Dichtern, Romanautoren und Wissenschaftlern beflügelt.
Sie machten sie bekannt als „Lady Dracula“, die regelmäßig
für ihre Schönheit im Blut ihrer Dienerinnen badete.
In meinem Kopf setzte sich die Idee fest, diese Frau, die bisher nur als Legende
vermarktet wurde, als das darzustellen, was sie wirklich war
- eine intelligente, sechs Sprachen sprechende Serienmörderin
mit schweren psychischen Problemen, der das Quälen zur Berufung
wurde. Dabei kam ich zu dem Schluss, dass die
Gräfin nicht nur Herrscherin und Mörderin war, sondern auch
eine junge, lebenslustige Frau, eine liebende Ehegattin und
Mutter. Baustein für Baustein begann ich zusammenzufügen
und formte mir einen Menschen, wie er vielleicht hätte gewesen
sein können. Eine ungarische Magnatin, für die Prügeln
etwas ganz normales war, einsam, narzisstisch und hysterisch
veranlagt, mit traurigen, krankhaften Wurzeln, intelligent und
schön. Eine Frau, die trotz Macht und Reichtum immer nach
Bestätigung suchte und eine krankhafte Angst vor dem Altern hatte, weil sie einsam war.
Bei meinen Recherchen über Elisabeth Báthory fand ich Hinweise
auf eine psychische Erkrankung und Signale, die beispielsweise
auch bei Serienmördern auftreten und so entschloss
ich mich, ihr Leben durch die Augen einer Überlebenden zu
analysieren. Ich weiß nicht, ob es mir gelungen ist. Doch ich
habe versucht, den Kreis der Legende zu durchbrechen.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 2015-06-19. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).