Helga Aberle

Angst

 
Angst, wenn ich jetzt in deine einladenden,
          weit offenen Arme laufe
          wird Dunkelheit anbrechen, mich erneut auseinander reißen
          und ich bin wieder da wo ich war.
Angst, bist du mir dienlich oder hilfreich,
          lässt du mich Entscheidungen etwa
          gezielter und besser entscheiden,
          bist du mir Ansporn und Wegweiser? 
Angst, bist du mir Sinnfindung, Bereicherung und Fortschritt? 
          Du nimmst die Zügel, hältst mich
          gleich einem Zirkuspferd in der Manege
          immer im Kreise zu traben. 
Angst, du bist der Dämon meiner Nächte,
          bist der Schatten auf der Seele, das Gewitter in meinem Kopf,
          bist der Strick um meinen Hals, die Fesseln an den Händen
          und bist ein Knüppel mir zwischen den Beinen.
Angst, du lähmst, klammerst dich an mich
          und machst mich Handlungsunfähig,
          hälst mich gefangen, Entscheidungen bestückst du mit Zweifel
          und gesetzte Ziele lässt du verlaufen wie Wasserfarben auf Papier.
Angst, du lässt mich die Realität nicht erkennen,
          bist mir Sand im Getriebe, der Span in meinem Auge,
          bist das Gespenst meiner Tage
          und ein Bremsklotz meinen Gedanken. 
Angst, du kannst mir nicht Freund sein,
          nicht meine Hilfe und nicht mein Trost
          und machst mich mir nicht verständlicher,
          nicht klare und bringst mich mir nicht näher.
Angst, ich tausche dich gegen die Hoffnung,
          den Glauben, gegen die Liebe ein -
          das ist alles was ich brauche, ist alles was ich will
          und, du wirst sehn, weit mehr als ein billiger Trost.
Angst, ich laufe NICHT in deine einladenden,
          weit offenen Arme,
          in deine Dunkelheit nie wieder, sondern
          bezwinge dich mit meiner Zuversicht, Stärke und Mut
 
 
          Denn ich will, vertraue und liebe mein Leben 
 
                                     (a)H.A. April '08
 
 

Angst, eine gesunde Portion davon ist zum Leben, zum Überleben unerlässlich. Sie mobilisiert Kräfte - mit der nötigen Angst im Nacken leistet der Mensch enormes - sie lässt spontan und effektiver reagieren, z.B. die Flucht ergreifen wenn Gefahr droht, usw. Daneben aber gibt es die Angst, die lähmt, die erstarren lässt und einen Menschen wie in einem Käfig gefangen hält. Eine Angst, die Lebensuntauglich macht, weil sie alle Bereiche in einem Leben kontrolliert und beherrscht - und somit in hohem Maße destruktiv ist. In meinem Gedicht ist von solcher Angst die Rede. Habe diese Art der Angst bei einem nahe stehenden Menschen miterlebt, was der Anstoß zu diesem Gedicht gab. Weil ich nun nicht glaube, dass dieses Thema ein Problem einzelner ist, gebe ich das Gedicht frei.
Vielleicht kann es all jenen, die in den Fänger dieser selbstzerstörerischen Angst leben, eine Motivation und Hilfestellung sein um sich daraus zu befreien. Das Leben ist viel zu schön, zu kurz und zu kostbar um sich von solch einer Angst, die meistens auch noch unbegründet ist, so einengen zu lassen.
Helga Aberle, Anmerkung zum Gedicht

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.04.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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