Pierre Heinen

“Der Mensch stirbt“

Die Lichter im Saal gehen plötzlich aus.
Alle Augenpaare blicken gespannt nach vorn.

Voll besetzt, ist das mächtige Theaterhaus.
Zum ersten Akt, bläst ein Englischhorn.

Der Vorhang aus Öl löst sich langsam auf.
Eine Weltkarte als Bühnenbild wird sichtbar.

Rinnsale und traurigen Tropfen geben auf.
Ein Tisch, drei Stühle, alles Gold, sonderbar.

Drei gemästete Regenten betreten die Bretter.
Zigarren qualmend nehmen sie Platz.

Nobler Frack und Zylinder für schlechtes Wetter.
Sklaven eilen herbei, befestigen den Brustlatz.

"Wir sind so reich wie nie zuvor
und Menschen gibt es so viele wie noch nie!"

"Doch Gold sprudelt nicht mehr aus den Minen hervor
und erste Subjekte haben Agonie!"

"Ich schlage vor, zuerst essen wir,
denn Sorgen will ich jetzt keine im Magen!"

Als Vorspeise gibt es Goldkörner-Kefir
und Silberknochen zum Abnagen.

Als Hauptgericht, Geldscheinsalat
mit Diamanten im Rohöldressing.

Maklergehirn im Ejakulat,
Goldfritten und Kupferwirsing.

Zum Dessert die Götterspeise,
mit Pellets aus Uran.

Gehungert wird in keinster Weise,
gesoffen wird ein 80er Tran.

"Ich will mich jetzt nicht beklagen,
doch früher war alles viel besser!"

"Das Geld schmeckte frischer an den Gelagen!
Und der Tran kam noch aus hölzernen Fässer"

"Die Dekadenz ist völlig am Ende,
unsereins ist komplett überfordert!"

"Wir werden langsam zur Legende,
zum Schöpfer zurück beordert!"

Ein Husten, ein Rülpsen und Gase entweichen.
Die drei Männer fallen plump zu Boden.

Die Sklaven lachen beim Anblick der Leichen,
laufen und verschwinden vom Erdboden.

Auf der leeren Bühne brennt die Weltkarte lichterloh,
der Mensch, er stirbt und geht ins nirgendwo.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.06.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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