Viola Take

Auf der anderen Seite des Spiegels

Von Träumen bewegt
Legt sich die Nacht wie Blei
Auf meine verlassene Seele
Von Träumen bewegt
Von deiner Liebe

Die Liebe
Welche ich nicht retten konnte
Ich versuchte dich zu halten
Doch falle in bedrohliche
Dunkle tiefen hinab

Erinnerungen an dich
So schön und doch so schmerzhaft
Jeder Gedanke an dich
Wie ein Stich in ins Herz

In mein Herz
Welches aus Sehnsucht nach dir schreit

Meine Augen voller Tränen

Immer wieder spüre ich
Wie du dich von mir löst
Auch wenn dies schon lange her ist
Quält mich die erdrückende Traurigkeit

Zügellos und Willenlos
Weine ich in mein Kissen
Tränen der Verzweiflung
Tränen der Sehnsucht

Ich denke wie es früher war
Noch mehr Tränen fließen

Tränen der Sehnsucht
Die mich in einem einsamen Boot der Liebe
Über das salzige Tränenmeer zu dir führen
Aber ich weiß
Jemand wird das Boot zerstören
Wird mich in meinen Tränen ertränken

Meine Welt
Sie wird immer eine andere sein
Eine andere Welt als deine
Viel zu still
Viel zu kalt
Viel zu klein
Ohne deine Liebe

Die Liebe
Die ich nie spüren konnte
Weil wir unser Glück zu spät erkannten

Und wieder tropft eine Träne der Trauer
Auf die samtweichen Laken

All diese tränen
Ich muss sie alleine weinen
Ohne Hoffnung
Ohne Licht
Ohne dich

Mein Herz voller Schmerzen
Mein Lächeln wie immer

Niemand merkt
Niemand spürt
Welche tiefe Traurigkeit auf meinem Herzen liegt
Außer dir

Doch du
Du bist von mir gegangen
Dein Leben ist erloschen
Und damit auch meines

Zwar lebe ich noch
Doch innen
In mir drin bin ich tot
So tot wie du

Du hast all meine Liebe
All meinen Mut
All meine Hoffnungen
Mit dir genommen
Mit in eine andere Welt

In eine Welt
Eine die für mich unerreichbar ist

Das einzige was du bei mir gelassen hast
Ist diese Leere
Diese Stille

Und wieder
Da ist dieses unheimliche
Dieses starke und übermächtigende
Dieses nicht endende Gefühl

Wie heftiger Regen und Sturm
Kommt es über mich
Fällt in meine Gedanken
Entfaltet sich zu einem Feuersturm
Einem Inferno der Gefühle

Es treibt mich zu dir hin
Zu dir
Du fehlst mir

Immer wieder
Immer heftiger
Macht sich Sehnsucht in mir breit
Bringt mich zum wahnsinn
Lässt mir keine Ruh

Wie ein wildes Tier kauert sie sich
In dem dunklen Schatten
Welcher sich über mein Herz gelegt hat
Und greift mach mir
Nimmt mich immer mehr ein

Meine Lippen öffnen sich
Trennen sich für einen lautlosen Schrei
Welcher von niemanden erhört wird

Warum hast du mich alleine gelassen?
Ich weiß es nicht
Warum bist du gegangen?
Ich weiß es nicht
Warum hat er dich geholt?
Er wird es wissen
Doch für mich bleibt alles unklar

Wieder fließen Tränen
Brennen sich in meine Wangen
Fließen leise über mein Gesicht
Doch niemand tröstet mich

Ich wünsche mir so sehr
Dass du jetzt da wärst
Doch du bist es nicht
Wirst es nie wieder sein
Nie wieder bei mir sein
Die Kerzen brennen
Brennen nieder
Genau wie mein Lebensmut

Die grausamen Bilder
Noch immer schwirren sie in meinem Kopf umher
Immer wieder sehe ich sie
Spüre sie

Alleine fuhr ich los
Fuhr los um dich zu suchen
Und dann
Dann waren da die grellen Lichter

Blau und rot
Rot und blau
Leuchten sie wild an dem Ort
Dem Ort an dem ich dich das letzte Mal sah

Man sagte mir
Ich solle weiterfahren
Nur ein Autounfall
Es sei nicht schlimm
Könne froh sein erst jetzt hier zu sein
Sonst hätte ich dieses Schicksal erleiden können
Dein Schicksal

Ich fuhr weiter
Erkannte dein Auto

Niemand konnte mich halten
Ich lief zu dir
Nahm deinen Kopf in meinen Arm
In dieser Nacht
In der Nacht
In der du von mir gingst

Dunkelheit
Sie umgab uns
Umgibt mich immer noch

Deine traurigen Augen
Sie blickten mich hilflos an
Schauten in die Leere
Die Leere
In der ich mich nun befinde

Deine Augen sagten jedoch so viel

Hilfesuchend schauten sie mich an
Deine Augen
Sonst so fröhlich

Ihr Blau
Welches immer so schön strahlte
Es war erloschen
Erloschen wie mein Wille
Mein Wille weiter zu machen

Ich hatte deinen Kopf in meinen Händen
Wußte nicht was ich machen sollte
Weiß es noch immer nicht

Viele Leute standen um uns herum
Sie tuschelten
Sie schauten
Doch sie halfen dir nicht
Helfen jetzt nicht mal mir

Alles um mich herum war dumpf
Ein Mann sagte der Krankenwagen würde gleich kommen
Seine Stimme klang weit weg
Kilometerweit entfernt

Ich ließ niemanden an mich heran
Lasse es noch immer nicht

Ich war wie gelähmt
Genau wie du

Dein Blut vermischte sich mit meinen Tränen
Tauchte meine Bluse in tiefes Rot
Das selbe rot in dem auch du getaucht warst
Dein Gesicht
Deine Haare
Die Straße
Das verbeulte Metall deines Autos
Alles war benetzt mich deinem Lebenssaft
Dein schönes blondes Haar
Verklebt von Blut

Du hattest gezittert
Ich spürte wie du kämpftest

Verlasse mich nicht dachte ich
Immer wieder diese drei Worte
Sie schossen mir durch den Kopf


Verlass mich nicht
Flüsterte ich dir zu
Bitte verlass mich nicht

Doch du bist gegangen

Ich schaute dich an
Verzog keine Miene
Vergoss nur Tränen

Ich versuchte nicht verzweifelt zu wirken
Ich wollte nicht
Dass du merkst
Dass ich Angst hatte
Wollte mir und dir Mut machen

Ich spürte den Tod
Er nahm Besitz von deinem Körper
Doch ich hielt dich
Versuchte dir halt zu geben
Doch du wurdest schwächer

Deine Augen waren geschlossen
Aber du lebtest noch
Denn ich spürte deinen Atem in meinem Nacken

Es tat weh dich so zu sehen
Tut immer noch weh

Wieder blickte ich in dein schmwerzverzertes Gesicht
Dein Kopf lag schwer in meinen Händen
Dein Körper erschlaffte

Alles voller Blut
Alles rot
Alles klebte an dir
Klebte an mir

Leute kamen und gingen
Doch halfen uns nicht

Panik machte sich in mir breit
Versteinerte meine Gliedmaße

Ich sagte nichts
Schrie aber innerlich
Schrie so laut
dass meine Seele schmerzte
Der Schmerz hörte nie auf
Dauert immer noch an

Ich beugte mich zu dir und flüsterte
Ich liebe dich
Ich brauche dich
Ich werde dich nicht alleine lassen
Ich bleibe bei dir
Werde dir folgen
Ich liebe dich

Du öffnetest deine Augen
Schautest mich an
Das Strahlen war in sie zurück gekehrt

Du versuchtest zu lächeln
Trotz des ganzen Leids
Trotz der Schmerzen
Versuchtest du mir Hoffnung zu machen

Du wußtest schon
Dass du von mir gehen würdest

Ich hörte die Sirenen des Krankenwagens
Hörte sie von weiter Entfernung
Hörte die Stimmen der Leute

Leise drang deine Stimme an mein Ohr
Ich liebe dich
Ich werde es schaffen
Wir werden zusammen alt
Werden glücklich
Du und ich
Ich liebe dich meine Süße
Flüstertest du mir zu

Deine Stimme
Zittrig und hell
Du warst schon halb von mir gegangen
Doch du drücktest mich an dich

Zum letzten Mal berührten mich deine Hände
Meine Hände dich

Sei vorsichtig
Pass auf dich auf
Wir sehen uns wieder
Irgendwann
Das waren deine letzten Worte
In mir brach eine Welt zusammen

Der Krankenwagen war da
Doch es war zu spät
Zu spät für dich
Zu spät für mich

Leblos glitt deine Hand von meinem Rücken
Alles wurde schwarz

Immer noch rede ich mir ein
Dass es meine Schuld war
Dein Tod war meine Schuld

Ich redete mir ein alles sei in Ordnung
Redete mir es ginge mir gut
Doch innerlich
Fraß mich der Schmerz auf
Hinterließ eine leblose Hülse
Hinterließ eine verkümmerte Seele

In letzter Zeit spüre ich viele Dinge
Spüre sie tief in mir drin
Kann sie aber nicht deuten

Meine Füße tragen mich in das Bad
Heißes Wasser füllt die Wanne

Jetzt bist du aber nicht mehr da
Es reißt mich in so viele Richtungen
Doch alles führen zu dieser Lösung
Zu meinem einzigen Ausweg

Ich schwebe in einem Wirrwarr
von dunklen Träumen
von leeren Hoffnungen
einer grausamen Realität
von tiefer Hilflosigkeit

Stein für Stein werde ich in meiner Trauer
In der Trauer um dich eingeschlossen
Werde immer mehr in Bodenlose Tiefe
In Verzweiflung gerissen

Ich versuche die Mauern zu durchbrechen
Versuche zu flüchten
In eine bessere Welt
Aber ich komme nicht dagegen an
Die Gefühle sind zu stark
Ich laufe mit der Vergangenheit um die Wette
Versuche sie hinter mir zu lassen
Doch sie holt mich immer ein
Holt mich ein im Irrgarten des Lebens

Nun liege ich hier
Liege in dem Wasser
Dem heißen Wasser der Badewanne

Ich finde keinen Ausweg

Zittrig halte ich die Rasierklinge
Halte sie in meiner Hand

Die Musik spielt laut
Sie spielt unser Lied
Die Kerzen brennen

Ich setze die Rasierklinge an
Ich schneide
Schneide immer fester
Schneide immer tiefer

Die ganze Trauer
Der ganze Schmerz
Alles strömt aus meinem Handgelenk
Mein Arm benetzt von Blut

Keine Träne rinnt über meine Wangen
Ich bin leergebrannt

Die einzigen Tränen die ich weine
Sie ergießen sich aus meinem Arm

Ein eisiger Wind
Er zieht sich durch meine Adern
Lässt mein Blut gefrieren

Mein Blut
Es versucht aus meinem Körper zu fliehen
Will nicht so enden wie ich
So kalt
So kalt wie meine Seele
Wie mein Herz

Eine seltsame Art von Frieden
Sie kehrt langsam in mich ein



Der körperliche Schmerz nimmt zu
Wird unerträglich
Doch ich spüre nichts
Spüre keinen Schmerz

Ich lausche nur unserem Song
Schneide einfach weiter
Denke an nichts
Nicht an meine Freunde
Nicht an meine Familie
Nicht an meine Zukunft
Denke nur an dich

Ich bin völlig leer und ausgebrannt
Jedes Gefühl in mir
Jeder Schmerz in mir
Alles wird unbedeutender
Unwichtiger
Mit jedem Schnitt

Der Tod rückt in greifbare Nähe
Genau wie das Tor in deine Welt
Das Tor zu dir
Zu meinem Geliebten

Ich bin fröhlich
Fröhlich nach so langer Zeit

Nichts lässt mich aufhören
Gar nichts

Du warst von mir gegangen
Und es war doch nicht meine Schuld
Es war ihre Schuld
Sie haben dir nicht geholfen
Aber ich war für dich da

Ich schneide tiefer
Bis der letzte Tropfen
Der meines Lebens aus meinen Adern gewichen ist

Ich schließe meine Augen
Träum mich zu dir
Werde dich suchen
Ich will dich finden
Doch du bist auf der anderen Seite des Spiegels



Lange irrte ich umher
Suchte dich
Jetzt habe ich dich gefunden
Auf der anderen Seite des Spiegels

Ganz tief in mir wird alles still
Grelles Licht zieht mich magisch an
Trennt den Schleier zwischen unseren Welten
Ich gehe zu dir

Alles ist so anders
So frei
ohne Sorgen

Ich sehe dich vor mir stehen
Du lächelst mich an
Streckst deine Hand nach mir aus
Willst meine fassen

Die Kerzen erlöschen
Unser Lied verstummt

Eine Gewaltige Macht
Sie reißt mich von dir weg
Reißt mich in die Gegenwart zurück
Die Gegenwart ohne dich

Wieder ertönen die Sirenen
Wieder werden wir getrennt

Leute beugen sich über mich
Tragen mich aus dem Bad

Ich blicke in den Spiegel
Sehe dich
Wie du lächelst
Neben meinen roten Tränen
Auf der anderen Seite des Spiegels

Eines Tages werde ich es schaffen
Schaffen in deine Welt zu kommen
In die Welt
Die Welt auf der anderen Seite des Spiegels

Dieses Gedicht habe ich für meinen Freund aus den USA geschreiben, nachdem er in den Sommerferien(2002) bei einem Autounfall gestorben war. Es ist immer noch hart, aber man muss halt weitermachen.
Würde mich über feedback freuen.
Viola Take, Anmerkung zum Gedicht

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.05.2003. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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