Karl-Heinz Fricke

Das Geschützrohr

Es gab Fliegeralarm in der Nacht,
alles war zur Abwehr bereit gemacht.
Aus dem Bett und zu den Geschützen,
es galt die Heimat zu beschützen.
 
Lange ließ man Braunschweig in Ruh',
sie flogen vorüber, nur immerzu
weiter nach Berlin zum Osten.
Wir waren aber immer auf dem Posten.
 
Schließlich kam dann Braunschweig dran,
nach zwei Uhr das Inferno begann.
Auf die hellerleuchtete Stadt
hagelten Bomben und Phosphor herab.
 
Der rote Hahn auf fast jedem Dach,
Schlag auf Schlag, ein Höllenkrach.
Es wurde kein Einhalt geboten,
auf den Straßen Tausende vonToten.
 
Die Städte waren zur Front geworden,
es war nur noch ein sinnloses Morden.
Man tötete Greise, Kinder und Frauen,
ich erblickte es mit großem Grauen.
 
In unserer Stellung war etwas geschehen,
es war ein unentschuldbares Versehen.
Eines der Geschütze war hin,
das Rohr verschmolz in der Hülse drin.
 
Man beratschlagte hin und her,
was da wohl zu machen wär'.
Einem Kameraden und mir wurde befohlen,
Ersatzteile aus Hannover zu holen.
 
An ein Fahrzeug war nicht zu denken,
wir mussten die Schritte zum Bahnhof lenken.
So schleppten wir zwei Mann
die defekten Teile zum Bahnhof dann.
 
Schließlich kam ein Zug entlang,
die Geschützteile legten wir in den Gang.
Bis Hannover blieben sie da liegen.
Passanten wütend darüber stiegen.
 
In Hannover in die Straßenbahn,
die uns zu der Kaserne nahm.
Die Ersatzteile sie im Lager hatten,
der Austausch ging schnell vonstatten.
 
Zu unserem großen Glück
ging es auf dieselbe Weise zurück.
Spät abends kamen wir müde dann
wieder in unserer Stellung an.
 
Anmerkung:  Brauschweig wurde am 15. Oktober 1944 sozusagen ausradiert.
Ich war einer von sieben, die in die Stadt beordert wurden um Hilfe zu leisten.
 
Karl-Heinz Fricke 14.07.2008

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Karl-Heinz Fricke).
Der Beitrag wurde von Karl-Heinz Fricke auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 14.07.2008. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Buch von Karl-Heinz Fricke:

cover

Isidor was machst du da? von Karl-Heinz Fricke



Eine poetische Reise durch den Humor.
Ein Mutterwitz, der beabsichtigt nicht nur ein Lächeln auf das Gesicht des Lesers zu zaubern, sondern der die Bauch- und Gesichtsmuskeln nicht verkümmern lässt.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (14)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Autobiografisches" (Gedichte)

Weitere Beiträge von Karl-Heinz Fricke

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

An das Leben von Karl-Heinz Fricke (Das Leben)
Von 1900 bis 2000 von Karl-Heinz Fricke (Autobiografisches)
Das ist kein Scherz von Walburga Lindl (Humor - Zum Schmunzeln)