Karl-Heinz Fricke

Ruhe sanft

Es war sehr heiß vor Ort,
nur zwei Kumpel schafften dort.
Weil die Hitze gar zu groß,
konnte einer nur schaufeln bloß.

Der andere ruhte auf der Bank,
wo er laufend Wasser trank.
War eine Lore gefüllet dann,
 kam der andere Kumpel dran.

Als ihr Steiger kam entlang,
schliefen beide auf der Bank.
Der Beamte wusste auch warum,
denn die Schicht war fast herum.

Er setzte sich neben die beiden Braven
und war im Nu selbst eingeschlafen.
Den Schachthut hatte er abgenommen,
von oben konnte nichts runterkommen.

Als die Beiden dann erwachten,
sie sich einen Spaß erdachten.
Der Steiger schlief so fest und gut.
Sie schrieben "Ruhe sanft" auf  seinen Hut.

Unbemerkt und äußerst sacht
gingen die Beiden vergnügt zum Schacht,
erzählten allen Versammelten gleich
grinsend von ihrem Bubenstreich.

Der Steiger wurde dann auch wach
und ging den beiden Knappen nach.
Die Zeit der Ausfahrt war gekommen,
er war vom Schlafe noch benommen,
hat schnell den Schachthut aufgesetzt,
und ist dann selbst zum Schacht gehetzt.

Die wartenden Kumpel am Schacht
haben sich fast totgelacht.
Ich habe geschlafen, der Steiger dachte,
das war wohl der Grund, dass jeder lachte.

Er hatte die Worte am Hut nicht entdeckt,
die Beiden hatten ihn doch nicht geweckt.
Und als er nach Übertage kam,
erneutes Lachen den Anfang nahm.
Erst später wurde es ihm klar,
warum ein Jeder so fröhlich war.

Als schließlich beendet sein Erdensein,
da setzten ihm einen Marmorstein
seine hinterbliebenen Lieben.
"Ruhe sanft" steht draufgeschrieben.

Karl-Heinz Fricke  30.09.2008Anmerkung:  Die Bergmanns Sprache versteht nicht jeder. Vor Ort ist der Arbeitsplatz. Dieser hatte eine gleichbleibende Temperatur von etwa 40° C.  Es war ein Beiprodukt des Golarer Rammelsberges was in Loren gefüllt werden musste, nämlich gelbe Ochre, die der Farbenindustrie zugeführt wurde. Weil die Arbeit wegen der großen Hitze so anstrengend war, wurden die Kumpel jede Woche ausgewechselt. Ich selbst habe meine Woche damals "abgedient".  Der Name des Steigers ist Oskar Vasel. Sein Grab ist wahrscheinlich noch auf dem Goslarer Friedhof zu finden. 

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