August Sonnenfisch

Blicke

 

B l i c k e


Er allein
im Schussfeld dieser taxierenden Blicke,
dieser Augenpaare von
stechender Objektivität:
elf Paare von Augen ohne Seele:
Augen der Strenge,
Augen des Messens,
Augen des Hierarchisierens,
Augen des Sollens,
und Wollens,
kühle und kalte Augen
der Kontrolle,
elf usurpierende Paare von Augen:
distanzlos, lieblos,
hoffärtig.
Tadelnd oder lobend:
In die Hölle mit dir! oder: In den Himmel mit dir!

Schreckende Augen von heute!
Elf von dir getrennte Paare von Augen:
gegnerisch, ja feindlich -
mitnichten freundlich.

In den Tanzboden er sinkt,
versinkt,
in das Parkett er schwindet,
verschwindet,
in den Boden, der ihn schützt,
beschützt,
in den Grund, der ihn birgt,
verbirgt.
Beklommen sein Atem
schützend nach vorn gerichtet
seine Schultern,
seine Augen tief in ihren Höhlen.
Von den Blicken gehetzt
wie ein Reh,
waidwund schon und
keuchend ...

*
Doch jählings
ein Satz:
katzengleich springt
er empor! Er
stürmt durch diesen Raum:
durch die Diagonale dieses Raumes,
welcher der seine ...
und dort, am geöffneten Fenster:
kein Entfliehen auf den Balkon:
Mitnichten!
Jählings wendet er sich zurück
in den Raum,
er überblickt ihn mit  s e i n e n  Blicken - und
  er schreitet ihn ab
festen Blickes
begegnet er
all den taxierenden Blicken:
all den Blicken dieser Tage:
diesen Fratzen des Konkurrierens,

der Egozentrik,
des kühlen Wägens,
des Kämpfens und Bekämpfens,
dieses allgegenwärtigen Gaffens
und Begaffens:
ihnen begegnet er mit
ebenso kühnem
wie allwissendem Blick.

Und dann
tanzt er  s e i n e n  Tanz
aus Geniengründen,
aus Seelentiefen,
aus Leibeskräften seinen ureigenen Tanz:
er springt, er läuft,
er hält inne in diesem Raum,
welcher der seine:
er dreht mitsonnen und
gegensonnen,
er befreundet sich mit diesem Parkett,
welches das seine:
rollend über seine Linke, rollend über
seine Rechte
vorwärts - rückwärts.

*
Pause.
Inne er hält inne.

Und aus diesem Versammeln
aufersteht er,
langsam und voller Kraft:
seelenerfüllt,
geistesermächtigt,
aufersteht er
aus den Tiefen des Schmerzes
in die Höhen
elysischer Freude.
Und aufgerichtet, öffnet er seinen Busen,
und mit ausgebreiteten Armen
und weiten Händen
öffnet er auch sein Antlitz -
und gleich einem Adler
durchstürmt er wiederum diesen Raum,
welcher der seine -
der Blicke ringsum längst nicht
mehr achtend:

Er  lässt sich
tanzen von  s e i n e m  Tanz,
in diesem Raum, den  s  i e  ihm gleichermaßen
geraubt und geboten,
und den  e r  sich genommen.

Und, sich selber erschaffend,
berührt er die Blicke ringsum,
die angesichts
seines Tanzes
sich wundersam wandeln in
die geschwisterlichen Blicke
von Mitmenschen und Mitgöttinnen.

Diejenigen aber, die sich fürchten,
auch nicht.






(c)  August Sonnenfisch, Hochschwarzwald,
9. November 2008 ff



 

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