Margit Farwig

Ja, lieber Gott,...

Ja, lieber Gott,

 

als Kind habe ich gebetet:

Lieber Gott, mach mich fromm,

dass ich in den Himmel komm!

Heute bin ich versucht, auf die gleiche Weise um etwas zu bitten,

dass DU jetzt unsere Kinder beschützt, unsere Enkelkinder.

Dann denke ich, beschütze auch die Kinder anderer Eltern,

die genauso Kinder ihrer Eltern sind.

Denke an die Kinder dieser Welt,

die den gleichen Segen nötig haben.

Ja, lieber Gott, vielleicht viel nötiger, bestimmt.

Schütze alle Kinder dieser Welt,

so eigensüchtig kann ich doch nicht sein,

nur an unsere Kinder zu denken.

Lass nie wieder Krieg passieren,

auch nicht woanders, auch nicht ganz weit weg.

Gib Einsicht, dass wir nicht alle Ressourcen ausplündern,

die Erde wird uns verschlingen,

die Natur weiß nichts von uns.

Sie hilft sich selbst, kippt einfach um und wir kippen mit.

Wie weit sind/haben wir ausgereizt?

Ich allein kann es nicht ändern.

Jeden Morgen möchte ich singen:

„Morgenlicht leuchtet, rein wie am Anfang,

Frühlied der Amsel, Schöpferlob klingt.

Dank für die Lieder, Dank für den Morgen,

Dank für das Wort, dem beides entspringt.“

Und jeden Abend sänge ich gerne:

„Nun ruhen alle Wälder, Vieh, Menschen, Städte, Felder.

Es schläft die ganze Welt;

ihr aber, meine Sinnen, auf, auf, ihr sollt beginnen

was eurem Schöpfer wohlgefällt.“

Dann weiß ich,

dieser Tag kostete vom Segen des Himmel und der Erde,

in dieser Gemeinschaft möchte ich leben,

lass mich nicht ungeduldig sein,

wenn alle Zeichen auf Sturm stehen,

dass ich sortieren lerne,

eilige Nöte mit aller Kraft in gute Bahnen lenke,

die Schärfe aus Worten und Handlungen nehme,

Haben- und Sollseiten nicht zu kräftig gegeneinander aufrechne.

Das Positive als das Alleinseligmachende erkenne,

sondern auch im Verlieren einen Sinn sehe,

auch eine Umkehr herbeiführen kann

und dadurch neuen Lebenswert erfahre.

Hilf der taubstummen jungen Frau,

die gerade an meinen Tisch kam

und für alle Taubstummen sammelte,

dass sie irgendwann vom Fortschritt in der Medizin Hilfe erhält,

neu hören lernt, vielleicht auch sprechen,

sie war so couragiert, sie wusste, was sie wollte.

Wer weiß, was sie sonst noch schafft,

woran ich im Traum nicht denke,

lass ihren Mut nicht verloren gehen,

lass uns fröhlich Psalmen schmettern,

wenn dunkler Atem übers Land strömt,

die Schlaflosigkeit der Nächte ertragen.

Behüte uns vor neuesten Versprechungen,

die sich an der Gabelung begegnen

und auseinander fliehen, wenn sie sich erkennen.

Lass mich aus Bequemlichkeiten fliehen,

mich stark machen für Schwache,

dass Intoleranz und Hochmut abnehmen,

Erkenntnis und Mut zum Handeln wachsen.

Hilf denen, die liegen und den Schmerzen lauschen,

die von unterdrückten Schreien und

sprudelnden Tränenquellen erzählen,

denen am Horizont kein blauer Himmel leuchtet,

die obdachlos sind, ihr Leben

auf Nadel und Flasche reduziert,

alles geleert und geschmissen,

geboren in Finsternis,

gelebt – durch Raster gefallen,

gestorben in Nächten ohne Mond, tausendmal,

die am Wort zerbrachen,

die zerrissen und doch ganz,

quergestellt schon im Mutterleib,

Endspurt im Keim erstickt, gepresst in Zwänge,

deren Missgeschicke Stege und Brücken pflastern

und nicht immer an das Ufer Hoffnung führen,

dass wir uns nicht verkrampfen,

blind und zügellos kämpfen,

dass wir unsere Herzen nicht verschließen,

wenn statt Glück nur das Pech hinter Scherben leuchtet.

Ich wünsche mir, dass meine

Träume wie Geysire in den Himmel aufsteigen,

nicht schwer wie Steine vom Himmel fallen.

Dass Sommerwinde säuseln im Blätterwald,

in Zweigen, die von Lampions träumen,

von Glühwürmchen in der Johannisnacht,

wenn der Mondfisch im Sternennetz wacht,

denn ich liebe die Natur das ganze Jahr hindurch.

Dann möchte ich, wenn der Nachmittag in den Abend sinkt,

dass das Meer meine Füße umspült,

blutrote Spuren wie goldene Brücken

auf dem Meer schwanken,

pilgern zu DIR und danken für Empfindungen,

die in eine andere Welt weisen, in DEINE Welt

und dort würde ich, wenn ich es denn so gerade geschafft habe,

gern sitzen unter einem Strauch, ganz still,

und DEINE Herrlichkeit schauen.

 

© Margit Farwig

 

Es steht in der Anthologie „Lieber Gott, ich rede mit Dir "

(wie mir der Schnabel gewachsen ist) von Waltraud Weiß, wort und mensch Verlag im Jahr 2003- Lesen daraus durften wir in der Krypta der Marie Lieskirche gegenüber vom Schokoladen Museum,  Köln

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 07.01.2009. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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