Klaus-D. Heid

Zahnarzttrauma

Mit Schmerzen bin ich in der Nacht
aus bösen Träumen aufgewacht.
Der Kiefer, wohl komplett vereitert,
hat mein Gesicht total verbreitert!
Wenn ich mich vor den Spiegel stelle,
dann seh ich eine Großbaustelle,
in der der Arzt, ganz ohne Eile,
mit Hammer, Bohrer, Säge, Feile,
den Kiefer auseinandersägt
und Nägel in die Knochen schlägt.
Der Mann in Weiß ergreift die Spritze,
bei deren Anblick ich schon schwitze;
hält mir die Nadel vors Gesicht;
ich denke nur: „...wenn die jetzt bricht!“
Er setzt sie an und bohrt sie tief
nicht grade rein, stattdessen schief;
die Nadel knirscht in meinem Knochen;
wo hat der Arsch bloß hingestochen?
„Nun sein Sie doch nicht bange, Mann,
ich setze gleich die Zange an!“
Mit einem irren Monsterblick
ergreift der Doktor mein Genick;
als würde es ihm Freude machen,
spür ich den Kopf nach hinten krachen.
Dann packt der Kerl mit einer Zange
statt meinem Zahn nur meine Wange
und fand, nach ewig langem Suchen,
begleitet von obszönem Fluchen,
den einen Zahn, der gar nicht schmerzt
und hat ihn einfach ausgemerzt!
Mit diesem Bild der Angst im Sinn
geb ich mich meinen Leiden hin.
Ich leide leise, ohne Klagen
und hab noch nicht den Arzt erschlagen.
Und überhaupt – bei all dem Schmerz,
spür ich zum erstenmal mein Herz.
Es rast wie wild, schlägt Purzelbäume,
beendet alle Zahnarztträume;
ganz plötzlich bleibt es einfach steh’n...

ich brauch nie mehr zum Zahnarzt geh’n!

So hatte ich zuerst geglaubt,
doch hat man mir den Tod geraubt.
Erwacht bin ich im Krankenhaus;
hör schon den Arzt: „...der Zahn muss raus!“

Vielleicht bin ich ja doch gestorben
und nur dazu verurteilt worden:

Statt schmoren in dem Feuerkessel –
für ewig auf dem Zahnarztsessel!

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Kein Leben hinter mir: Trauma oder Irrsinn von Klaus-D. Heid



Langsam gehe ich auf das sechzigste Lebensjahr zu. Da hinter mir nahezu jede emotionale Erinnerung »verschwindet«, besitze ich keinerlei sichtbare Erinnerung! Vieles von dem, was ich Ihnen aus meinem Leben berichte, beruht auf alten Notizen, Erinnerungen meiner Frau und meiner Mutter oder vielleicht auch auf sogenannten »falschen Erinnerungen«. Ich selbst erinnere mich nicht an meine Kindheit, Jugend, nicht an meine Heirat und auch nicht an andere hochemotionale Ereignisse, die mich zu dem gemacht haben, was ich heute bin.

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