Werner Wadepuhl

Praxiseröffnung Dr.med.dent.K.Müller

Als Kind, ich geb´ es ehrlich zu, da gaben meine Zähne
nur allzu häufig keine Ruh´, besonders aber jene,
die schwarzgelöchert, kariös und meistens kurz vor Weihnachten
mit dumpfem oder hellem Schmerz das Leben mir zur Hölle machten.

Was wurde ich gequält, geschunden. Wie wurde ängstlich ich gemacht,
allein dadurch, dass viele Stunden wartend ich hab´ zugebracht
beim Zahnarzt dann im Wartezimmer. Man hörte meistens nur den Klang
der Bohrmaschine und Gewimmer. Mein Gott, was war mir immer bang.

Wenn dann der Schinderhannes kam und drückte roh mit seinen Fingern
genau auf jenen Backenzahn, der diesmal Anlass war zum Wimmern.
Wenn dann der Bohrer kam und fraß sich tief in diesen Zahn hinein,
dass Hören, Sehen man vergaß, was war der Doktor da gemein.

Als wieder einmal nötig schien, beim Zahnarzt auf dem Stuhl zu sitzen,
das Herz im Po, die Wangen grün und Perlen auf der Stirn vom Schwitzen,
da wuchs ein Wunsch, ganz riesengroß und heimlich musst ich lachen,
Was wäre die Verwirrung groß, was würd´ der Doktor machen?

Ich dachte mir, so war mein Plan, ich gehe einfach irgendwann
Und setz mich in ein Wartezimmer. Und bin ich endlich dann mal dran
und geht die Tür, „der Nächste bitte“! Dann steh ich auf mit Hochgenuss
und rufe aus des Raumes Mitte, dass ich – ätsch – heute gar nicht muss.

Doch mit den Jahren wuchs die Reife. Angst, Furcht und Zähne gingen hin
und auch mein Herz, statt in der Hose, jetzt viel mehr an Carola hing.
Die mir inzwischen Angetraute mal irgendwann beim Wein gestand,
sie hatte ebensolche Pläne, doch nie Gelegenheit sie fand.

Vergessen sind der Zähne Schmerzen und auch der Wunsch, einst recht skurril.
Vergessen ist der Hang zum Scherzen, man geht zum Zahnarzt, wann man will.
Doch heute, nach fast vierzig Jahren, da aktiviert es den Verstand,
dadurch, dass schriftlich wir erfahren, was für den Samstag ist geplant.

Da steht: „Eröffnung,“ „Zahnarztpraxis“, „Erster Oktober“ und „Empfang“,
am Samstag, vierzehn Tage später, „erlauben uns“, „rufen Sie an“.
Mein lieber Doktor med. dent. Müller und auch Sie, liebe Müllerin,
nach dem, was oben wir gestanden, da gibt’s nur eins, wir kommen hin.

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