Sven Später

Meister Justus

Einst kam in eine kleine Stadt,
die wohl einen Namen hat,
der hier nicht weiter von Belang,
ein Meister ohne Gildenzwang.

Manch einer sah ihn fragend an:
Was dieser Meister denn wohl kann?
Welches Handwerk ist das seine?
Baut er Stühle, schlachtet Schweine?

Meister Justus schwieg verdächtig,
da wähnte man ihn niederträchtig.
Wer nicht sprach zu Volkes Ohren,
hatte jede Gunst verloren.

Man sah ihn schon als dreisten Dieb,
weil sonst nichts weiter übrig blieb.
Oder war er gar ein finst'rer Meuchler,
ein Scharlatan, ein feister Heuchler?

Floh er etwa vor den Wachen,
wollte planen böse Sachen?
Man schloss weg das Hab und Gut,
war vor dem Meister auf der Hut.

Auf dem Dorfplatz hielt man Rat,
bevor der Justus Schlimmes tat.
Bevor der nächste Morgen graute,
das Stadtvolk einen Galgen baute.

Alsdann schlug man in Eisen
den Meister, der auf Reisen.
Selbst mit Schlinge um den Nacken,
wollte ihn die Stimm' nicht packen.

Er hatte nicht ein Wort gesprochen,
bis sein Hals am End' gebrochen.
In seinem Rock, den Brief man fand,
auf dem in feinen Lettern stand:

"Meister Justus, ist mein Name,
stumm geboren von der Dame,
die wie ein König war so reich,
doch ist mir Gold beileibe gleich.

Wer mir hilft in meiner Not,
dem biete ich, was keiner bot.
Ich führe ihn zu meinen Gulden,
begleiche tausendfach die Schulden."

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