Karl-Heinz Fricke

Das Kloster Drama

Drei lustige Burschen auf der Walz
trippelten fröhlich durch die Pfalz.
Es führte sie ihr emsig Wandern,
von einer Ortschaft zur andern.

Sie schliefen in Scheunen und Ställen,
im Dunkeln und auch im Hellen.
Nur sehr selten fanden sie ein Bett,
was man bekanntlich gerne hätt'.

An einem regenreichen Tage
war'n die Mücken eine Plage.
Sie sah'n auf einer Bergeshöh'n
ein altes Nonnenkloster steh'n.

Voller Hoffnung und mit Geschnauf
stiegen nass sie den Berg hinauf,
klopften heftig an das Eisentor
und eine Nonne trat hervor.

Ein Leuchten überzog ihr Gesicht,
denn Männer sah sie lange nicht.
"Ich hole mal schnell die Oberin,
weil ich nur eine Nonne bin !"

Unbeachtet war wohl die Vernunft,
denn man gab ihnen Unterkunft.
Natürlich waren sie drauf gespannt,
ob man für sie auch Arbeit fand.

Die alte Oberin war sehr nett
und sagte, dass sie Arbeit hätt'.
"Es gibt stets vielerlei zu tun,
und hinterher könnt ihr dann ruh'n.

Schaut nach den jungen Nonnen nimmer,
ihr seid für sie ein Hoffnungsschimmer,
und der Versuchung unterliegen
und wohlmöglich Kinder kriegen.

Schwellte einer von ihnen der Bauch,
gibt es drastische Strafen auch !"
Da versprachen die Drei feierlich:
"Die Nonnen seh'n wir einfach nicht !"

Ein'ge Monate gingen ins Land,
als man bei einer Nonne fand,
dass sie geschwängert ein Kindlein trug,
der Oberin war das genug.

Sie holte die Drei in ihr Kontor
und schimpfte laut: "Was geht hier vor ?
Ich werd' euch die Leviten lesen,
wer von euch ist es gewesen ? "

Als keiner sagte ein Sterbenswort,
fuhr gleich sie ungehalten fort:
"Jetzt werdet ihr alle drei entmannt,
nach Methoden, die unbekannt.

Es wird euch allen schlecht bekommen,
das Glied wird euch abgenommen.
Dann werdet ihr arme Eunuchen,
und ihr werdet mich verfluchen !"

Der erste war Tischlergeselle,
mit 'ner Säge auf die Schnelle
sein geliebtes Stück zu Boden sank,
so wunderbar geformt und lang. 

Der zweite, ein armes Schneiderlein,
spürte mit einer Schere fein
ein klickend Schnipp und danach ein Schnapp,
da war sein ganzer Stolz schon ab.

Der dritte jedoch herzhaft lachte,
was man für ihn wohl auserdachte.
Als Bonbonmacher von Beruf,
er leckere, süße Sachen schuf.

Bonbons sind doch des Gaumens Genuß,
die man ganz langsam lutschen muss.
Und weil sich niemand dafür fand,
wurde es des Hauses verbannt.

Beim Abschied hat er höhnisch gelacht,
er war's, der es der Nonne gemacht.

Karl-Heinz Fricke 29.8.2009

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