Ingrid Drewing

Seltsamer Traum

Mir schien heut’ Nacht,

ich sei erwacht

und hörte leises Flüstern.

 

Ein zartes Wichtelwispern

war’s, was ich da vernommen.

Und da sah ich sie kommen.

Vier muntre Männchen standen da.

Ich war entzückt, als ich sie sah.

 

Das Erste, schön im Blütenkleid,

glich eher einer Wichtelmaid

in einem Glockenröckchen ,

verziert mit goldnen Flöckchen.

 

Das Zweite war an Kleidung arm

und stand im Badehöschen.

Ein blühend’ Heckenröschen

hielt strahlend es im Arm.

 

Das Dritte war recht bunt gescheckt.

Zu grauen Nebelhosen

trug es ein feurig’ Blätterkleid,

gespickt mit Herbstzeitlosen.

 

Das Vierte mit dem Silberbart,

ganz weiß gekleidet, sehr apart,

es brachte einen Tannenbaum,

geschmückt, so leuchtend hell, ein Traum!

 

Die Vier andächtig standen da

und fragten dann:“ Wo bleibt das Jahr?

Wir sind es, die Vier Jahreszeiten,

und sind gekommen, zu geleiten

es jetzt auf seinem letzten Gang.

Denn sieh, es dauert nicht mehr lang,

bis bald das neue Jahr anbricht.

Hier, Winter bringt der Wende Licht.

Der Anfang zeigt das Ende.

Drum gehe du behände

und rufe rasch das Jahr!“

 

Obschon ich dies fand sonderbar,

erhob ich mich und sagte: “Ja“,

ging dann auf nackten Sohlen,

das Jahr herbei zu holen.

Ich knipste an der Lampe Licht,

und flugs verschwanden alle Wicht’.

 

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