August Sonnenfisch
Elefanten im Gemüsegarten
* Eine Kulturbetrachtung *
Wann je sind unsere Gespräche
Austausch und wann
jemals Dialoge?
In Streitgesprächen schlagen wir
uns wacker,
als wären wir Feinde.
Und wir lieben Monologe:
setzen unser Vis-à-Vis
als Zuhörer
einfach voraus.
Selber bedauert zu sein, bestätigt
und bewundert:
das genügt!
Doch ein jeder
sehnt sich nach einer mitfühlenden
Seele, nach einem
mitschwingenden Geist.
*
Ob die von Amor Geküssten
sich nahe kommen
und einander schauen, das
steht in den Sternen:
Wenn einer von ihnen nicht
mittanzt, bleibt
ihr Tango
in den Wolken!
Und wann jemals schweigen wir
miteinander?
*
Wie oft liegt das Hören uns fern:
das Lauschen auf die
eigenen Lieder
wie das Lauschen
auf die Lieder unseres Vis-à-Vis!
Wie oft versäumen wir es,
mit dem Blick unseres inneren Gottes
einander in die Augen
zu schauen!
Es bedarf noch vielen
zwischenmenschlichen
Forschens, Probens und Probierens -
ist doch die
Sprachverwirrung
in dem tagtäglichen Turmbau
von Babel
allgegenwärtig:
Noch will kaum jemand
sich selbst und seine Nächsten
finden und
empfinden -
doch unser inneres Gotteskind
liebt Dialoge und Duette,
und unser inneres Menschenkind
sehnt sich
nach Liebkosung!
*
Doch inmitten der Kämpfe und Konkurrenz,
der Melancholie, der heimlichen Wut,
der Hetze und Borniertheit
dieser Tage,
sehe ich Leuchttürme:
Zuweilen erstaunen mich
ein Hinhören
und ein Sich-Mitteilen.
Und möglicherweise begegnen
mir Inseln
der Bereitschaft,
zu bitten, statt zu fordern.
Zuweilen sehe ich Respekt vor
der Ebenbürtigkeit
von Knabe und Mutter,
von Mädchen und Vater,
von Steinbock und den Fischen,
von Schwarz und Weiß,
von Yin und Yang: von Mann und Weib.
Auch begegnet mir zuweilen
der Genius von Synthesen:
Synthesen aus Thesen von Menschen, die
wohlunterschieden.
Sokrates sei Dank!
Und ich sehe ein Handeln
aus der Unerschöpflichkeit
unserer intuitiven
Potentiale im
Schönen und Wahren und Guten!
*
Dazu befragten die zwölf Jünger
den Christus:
"Wer im Reich Gottes
ist der Größte?" -
Da ruft der Messias ein Kind herbei,
bittet es mitten unter sie
und erwidert:
"Wenn ihr nicht umkehrt
und werdet wie die Kinder,
kommt ihr nicht in das Reich Gottes!"
Die Knospen des Gottesreichs
sind die Menschen
auf Erden. Doch
unser Aufblühen ist umkämpft.
"Seid klug wie die Schlangen!"
(c) August Sonnenfisch: Berlin-Lichterfelde,
im Juli 1993 ff
Die Zitate:
Johannes 15,5 ... Matthäus 18,1-3 ... Matthäus 10,16.
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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.12.2009.
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