Ramona Jährling

Und ich spüre den Regen nicht mehr

Lena bleib stehen, hör ich die Mutter nur schreien
Die Kleine hat den Vater auf der anderen Seite gesehen
Nie in seinem ganzen Leben wird er sich verzeihen
was an diesem Tage geschehen

Regen prasselt auf die Straße, laut und unaufhörlich
Wolken ziehen düster über die Stadt
Lena ist zappelig und hört nicht
Sie hat das lange Einkaufen satt

Mama ich will endlich heim
Meine Füße tun weh und ich frier
Ja Schatz, nur ein Geschenk muss noch sein
für deinen Bruder dies Kuscheltier

Den Kopf nieder senkend fügt sie sich eben
und schlürft genervt hinterher
Gerade will die Mutter die Hand ihr geben
da ruft doch wer

Papa oh Papa schreit Lena aus dem Laden heraus
Sie sieht ihn am Straßenrand stehen
Eilig läuft sie zur Glastür hinaus
So sehr freut sie sich ihn zu sehen

Erschüttert rennt die Mutter ihr hinterher
denn sie sieht den riesigen LKW kommen
Doch sie schafft es nicht mehr
Steht da wie benommen

Entsetzliche Schreie zerfetzen mich nun
Menschengewimmel versperrt mir die Sicht
Was soll ich nur tun?!
Oh Gott verzeih mir, ich weiß es nicht

Langsam dräng ich mich durch die Leute
Der Regen peitscht in mein Gesicht
Beinahe undurchdringlich die Meute
Da stehen sie und glotzen und helfen ihr nicht

Die Mutter sitzt auf der Straße von Ohnmacht bedroht
Wie gelähmt schaukelt sie ihr liebliches Kind
dass bleich ist wie der leibhaftige Tod
von Gaffern umringt

Die Kleine streckt die Ärmchen dem Vater entgegen
Und ich seh wie er zittert und weint
Knapp vor dem Koloss hat sie gelegen
Nichts ist geschehen wie es scheint

Und den eiskalten Regen spüre ich nicht
Tränen verschleiern den Blick
Aus den Wolken bricht zärtlich das Licht
Die Sonne kehrt wärmend zurück

( by Ramona Jährling )

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