Patrick Schön

Menschlichkeit






Hoffnung ist bald gleichzusetzen mit
Hoffnungslosigkeit
Wer blutet denn wenn die Schüsse
fallen?
Menschen weinen, aber wer blutet wenn
die Schüsse fallen?
Es ist die Menschlichkeit und mit jedem
Schuss der fällt
Beweisen wir, dass wir das Leben, das
wir leben nicht wert sind


Er saß im Ford Theater
An seiner Seite seine Frau
Es waren auch viele Schauspieler da
Aber an deren Namen kann sich keiner
mehr erinnern
Nur einer blieb im Gedächtnis, aber
nicht wegen seines Schauspiels
Dieser Akteur wurde bekannt, weil er
eine Waffe abfeuerte
Einen Revoler und die Kugel traf sein
Ziel
Der Mörder floh, doch wer Gewalt sät
wird Gewalt ernten
Ich weiß nicht, ob Boston Corbett Ruhm
verdient
Für den Schuss, der John Wilkes Booth
das Leben nahm
Aber ich weiß, dass die Menschlichkeit
an Wert verlor,
Als der Mann mit dem Zylinder starb


Er ging in der Menschenmenge, als die
Schüsse fielen
Für jeden Mann und jede Frau seines
Heimatlandes wollte er Gutes
Er führe sie fort von der britischen
Krone, dorthin
Wo sie immer sein wollten; in einem
eigenen Land
Nicht länger die Kolonie eines
besitzergreifenden Staats
Jeglichen Widerstand führte er ohne
Gewalt aus
Dies forderte er auch von seinen
Gefolgsmännern
Als die drei Schüsse fielen
Trafen sie ihn in die Brust
In die Brust des Friendes
Der Mörder wurde in Ambala gehängt,
Doch ich weiß nicht, ob den Henkern
für diese Tat Ruhm gebührt
Ich weiß nur, dass die Menschlichkeit
an Wert verlor,
Als der Mann im weißen Gewand starb


Er fuhr spät in der Nacht in seine
Einfahrt
Es schlug bald ein Uhr und der
Feierabend war verdient
Er war Ehemann, hatte eine
Schulkameradin geheiratet
Er war Angestellter in einer Agentur
für Lebensversicherungen
Mit seinem Bruder wurde er ein Aktivist

Kämpfte für das Recht seiner Genossen
Er hätte von jedem geliebt werden
können
Doch er war eben schwarz
Er ging gegen Rassentrennung vor
Dabei hätte der gesunde
Menschenverstand
Das Trennen nach Rassen schon
verhindern sollen
Man schoß ihm in den Rücken als er
das Auto verließ
Er starb im Krankenhaus und geschossen
hatte ein Weißer
Byron De La Beckwith beschmutze den
Namen seines Stamms
Lange Zeit hat es gedauert bis er
verurteilt wurde
Lebenslänglich.
Er starb nach einigen Jahren im
Gefängnis
Aber ich weiß nicht, ob es wirklich
sinn gemacht hat
Ihn ins Gefängnis zu werfen, wenn er
doch geistig schon eins hatte
Aber ich weiß, dass die Menschlichkeit
an Wer verlor,
Als der schwarze Aktivist in den Rücken
geschossen wurde


Er fuhr an der Seite seiner Frau zur
Mittagszeit
Viele Bürger winkten ihm zu
Immerhin trifft man den ersten Mann des
Landes
Nur einmal in seinem Leben
Er wollte Gutes tun, doch vieles was er
tat
Machte viele Leute wütend und sie
verfluchten ihn
Als die Schüsse fielen schlug es halb
eins
Die Rede, die er halten sollte, fiel
deshalb aus
Man schoss ihm ins Gesicht/Hinterkopf
Und das obwohl seine Frau neben ihm saß
Wer ihn getötet hat ist heute nicht
klar
Doch man verhaftete einen jungen Mann
Der sagte er habe mit dem Attentat
nichts zu tun
Jack Ruby brachte dann den jungen Mann
um
Und er verdient dafür keinen Ruhm,
selbst
Wenn der junge Mann schuldig gewesen
wäre
Seit gewiss, die Menschlichkeit verlor
an Wert,
Als der Mann in Dallas starb


Er sprach zu seinen Mitmenschen in
Harlem
Er war ein Aktivist und schwarz
Außerdem war er Muslime, was zu mehr
Hass führte
Dabei wollte er doch nur der
Menschlichkeit zum Sieg verhelfen
Man schoss ihm mit einer Schrotflinte
nieder
Als es im Saal zu Tumulten kam
Kaum jemand weiß warum
Aber es wurden danach 16 Schüsse auf
ihn abgegeben
Wer geschossen hat weiß niemand
Und ich weiß auch nicht, ob man
bekannt machen sollte
Wer so unmenschlich ist
Denn die Menschlichkeit verlor an Wert
Als die Schüsse in der Audubon
Ballroom fielen


Er war in Memphis und stand auf einem
Balkon
Der Balkon eines Motels, nicht eines
Palasts
Er hatte seinen schwarzen Brüdern
gesagt
Dass er das Gelobte Land gesehen habe
Doch ob es eine Ahnung war kann keiner
sagen
Er hatte seinen Brüdern schon viel
erzählt
Worte, die für die Ewigkeit gesprochen
wurden
Der Schütze schoss aus der Ferne
Doch er traf sein Ziel ohne Mühe
Dabei wollte der tote Schwarze nichts
Böses
Er war nur ein Mann mit einem Traum
Der zu schön ist um wahr zu sein
Eines Tages vielleicht, aber vermutlich
niemals
Man beschuldigte James Earl Ray der Tat
Und warf ihn in ein Gefängnis für
viele Jahre
99 Jahre
Ich weiß nicht, ob es Sinn macht
Einen Menschen bis zum Tode
einzusperren
Wo er doch in Vorurteilen schon auf
ewig versperrt ist
Aber ich weiß, dass die Menschlichkeit
an Wert verlor
Als der Mann mit dem Traum starb


Er war in Los Angeles und hatte gerade
eine Dankrede beendet
Er stand in einem Hotel und es war
späte Nacht
Die Menschen glaubten an ihn wie sie in
seinen Bruder gehofft hatten
Jener Bruder, den man in den Kopf
geschossen hatte
Er hätte Präsident werden können,
wie sein Bruder
Und er hätte Gutes tun können, wenn
auch in Grenzen
Doch man brachte ihn in dieser Nacht um
Als man auf seinen Namen schoss, damit
er stirbt
Er starb erst am Tag darauf im
Krankenhaus
Doch die Wenigsten sterben schon vor
Ort
Mit ihm starb die Hoffnung und viel
mehr wurde belebt
Wut, Zorn, Angst, Verzweiflung,
Ungewissheit
Man verurteilte Sirhan Sirhan des
Mordes
Doch dieser sagte er habe das nicht
getan
Sei manipuliert worden
Ich weiß nicht, ob es Sinn macht in
gefangen zu halten
Doch ich weiß, dass die Menschlichkeit
an Wert verlor
Als Rose Kennedy ihren vierten Sohn
beerdigte


Er in Tel Aviv und es war späte Nacht
Er war da um den Frieden zu verbreiten
Ja, er wollte dem Frieden eine Chance
geben
Sagte, er würde alle Probleme lösen
Er sprach dies als ein Mann, der 27
Jahre lang
Im Dienste des Militärs gestanden
hatte
Dabei wurde er an diesem Abend ein
Opfer von Gewalt
Als er die Bühne verließ schoss
jemand auf ihn
Er starb im Krankenhaus an den Folgen
Jigal Amir wurde zu lebenslanger Haft
verurteilt
Was kann man schon erwarten
Wenn man den Frieden eines Landes
ermordet?
Und dazu beitrug, dass die
Menschlichkeit an Wert verlor


Diese kleine Chronik war lang
Doch denkt nicht, dass sie vollständig
sei
Das kann sie nicht sein
Wenn es werden neue Ereignisse dieser
Art
In der Zukunft hinzukommen
Weshalb diese Chronik niemals
vollständig sein kann
Aber sie wird an dieser Stelle beendet
Denn mehr Schrecken ist einem Menschen
nicht zuzumuten
Die Menschheit selbst kann sie kaum
ertragen
Also wird es bald keine Überraschung
sein
Wenn Hoffnung mit Hoffnungslosigkeit
gleich gesetzt wird
Ist sie das nicht schon lange?
Rassissmus
Hass
Gier
Vorurteile
Sie alle blenden unsere Augen
Doch lohnt es sich nicht dagegen
anzukämpfen
Wäre eine Welt ohne das nicht schöner?
Würden wir das Gelobte Land sehen
Wenn wir uns diese Welt vorstellen?


Ich weiß nicht wieso es immer noch so
geschieht,
Aber die Menschlichkeit verliert stetig
an Wert
Wenn das größte Glück im 21.
Jahrhundert jenes ist
Mit weißer Haut geboren worden zu sein


Mittwoch, 20. Januar 2010 20:46 Uhr 

Ein Freund sagte mir, dass der traurigste Aspekt dieses Textes jener ist, dass er wahr ist.Patrick Schön, Anmerkung zum Gedicht

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.02.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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