Stephan Lill

Das Gedicht

Diesen Beitrag als gesprochenes Gedicht anhören.

Das Gedicht gibt Raum für unmalbare Bilder.
Oder malt der Poet immer nur sich selber?
Worte, Sätze, die im Dunklen schlummern,
lockt man nun hervor durch Macht der Assoziation.
Gefühl regier! Steig auf deinen Thron!
Einen Palast will ich dir zimmern.

Greifen nach dem Ungreifbaren,
transformiere es zum Wahren.
Das Bewusstsein will das Unbewusste greifen, fassen, verstehen.
Kann es auch das Unbewusste nicht sehen.
Es fühlt es durch den Mediator "Gedicht".
Gedicht vermittelt, dient als Medium.
Da: Das Unbewusste schwebt vor deinem Angesicht.
Nutze es. Es ist dein Eigentum.

Gedicht ist Meditation.
Nicht gebunden an Handlung, Dramenkonzeption.
Ultimative Freiheit des Denkers und Schreibers.
Weiß er's?
Nutzt der Dichter seine Freiheit oder lässt er sich gängeln durch Konvention?
"So machte man es bisher immer schon."
Wagt er abzuweichen vom leichten Plauderton in Untiefen des Seins?
Gehorcht er dem Gebot des Reims?

Sagt er, sucht er erstbeste Worte, als Vortruppe für den kommenden Gedanken,
der nicht wäre ohne sie?
Führt ihn zur Poesie.
Denn sie bereiten die Stimmung vor für die guten, treffenden Gedanken.
Wird der Poet sich bei ihnen bedanken?
"Unbedeutende Worte, habt Dank, ihr habt mir den Schreibrhythmus bewahrt."

Worte sind so zart.
Fasst du sie an zu hart,
willst als Werkzeug sie plump gebrauchen,
dann zerbröseln sie unter deiner Hand.
Kommst so nicht ins Worte-Zauber-Land.
Wirst in den Wortmagie-See nicht eintauchen.

Worte sind nur ein Hauch,
Erdacht von den Ahnen,
tauglich für den Alltags-Gebrauch.
Taugen sie auch
für das Noch-Nicht-Wissen, das Ahnen?
Wenn Worte nicht das Wissen vermitteln sollen,
sondern das Wissen zeugen sollen -
zeigen sie dann, was Sprache wirklich kann?
Schweben ungerichtet zu jedermann.
Ein jeder hört nur, was er hören kann.
Wo höre ich die Worte, die mir helfen?
Wispern, raunen Elfen?
Wie lockt man die inneren Stimmen hervor,
dass sie zurufen mir im lautstarken Chor?
Will hören mit meinem inneren Ohr
und getreulich niederschreiben im Gedicht,
was die Elfenwelt so zu mir spricht.
Denn äußere Welt und innere Welt sind Projektionen meines Ichs.
Milliarden Ichs
projizieren Weltenbilder auf die Leinwand Universum.
Das ist unser ganzer Reichtum.

Das Gedicht untersucht, wer da projiziert und mit welcher Technik.
Was ist der Große Trick?
In welchem Großen Gedicht stecken wir?
Und: Gibt es eine Tür?
Ein Schritt hinaus aus diesem Universum.
Wer wagt den Blick hinaus, hinauf, hinunter, in das Nicht-Universum?
Gedichte sind Kopien des Großen Gedichts.
Bemühen sich um Größe, Reinheit, Schöpferkraft.
Funkeln mit der Kraft des Großen Lichts,
was auf sie fällt und sie erschafft.





   

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.03.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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