Klaus Heinzl

Der Tag danach ...

Ein Mensch, er ist grad 16 Jahr,

er geht durch einen langen Flur.

Im Angesicht hängt wirres Haar,

er ist von hagerer Figur.

 

Dann reißt die Tür er auf, dabei

sieht man die Waffe in der Hand.

Es folgen Schüsse und Geschrei

ein Schock erfüllt das ganze Land.

 

Es sterben Kinder, Eltern weinen,

kaum einer kann es hier verstehen.

Die Frag an mich, muss ich verneinen.

Muss fassungslos nach draußen gehen.

 

Da liegt er da ... man nennt ihn Täter.

Wieso hat er es nur getan...

ermittelt man ein wenig später,

was man grad nicht begreifen kann,

 

so weiß man, er, der hier geschossen,

war selbst ein Kind und längst schon tot.

Das Leben hatte ihn verdrossen,

er sah das Leck in seinem Boot.

 

Was trieb ihn dazu heut zu töten.

Was brachte ihn um den Verstand.

War er in solchen irren Nöten,

dass er zu weit ging... als zum Rand?

 

Hier gilt es nicht nur zu verstehen,

was hier geschah, so gegen sieben.

Hier gilt es, dass wir alles sehen...

was hat ihn nur so weit getrieben.

 

Als Täter war er nicht allein.

Die Täter sah man früher schon.

Als sie verletzten sein Gebein,

und er erlebte Spott und Hohn.

 

Sein Elternhaus, erlag dem Triebe.

vermutlich wurd er oft geschlagen...

Wann spürte er hier Wärme, Liebe?

Was hatte er stets zu ertragen...?

 

Dann kam der Tag, der Tag der Rache.

Wir, die wir stets behütet waren,

stehn nun im Blute jener Lache...

und sind uns erstmals nicht im Klaren.

 

Die Kinder, viele mussten sterben.

Die Kinder durch die Tat von einem.

Doch Eltern können viel vererben,

so taten es wohl auch die Seinen.

 

Auch ich erlitt an manchem Tage,

an meiner Schule Spott und Hohn.

Doch Gott sei Dank, nur halbe Plage,

war eines guten Mannes Sohn.

 

Er lehrte mich zu klugem Handeln.

Er lehrte mich den Hass zu werten.

So konnte sich mein Feindbild wandeln

und ich entschied nicht zum Verkehrten.

 

Ein Mensch, der so allein gelassen.

In einer Welt voll böser Härte.

Der kann am Ende nur noch hassen

und folgt verwirrt der falschen Fährte.

 

Es ist nicht leicht die Tat zu stoppen.

Erkennt kaum jemand was bald ist.

Wenn Kinder andre Kinder moppen

fehlt Pädagogen meist die List....

 

Wie soll hier jemand vorher wissen,

was bald schon führt zum Exodus.

Bis wir den Vorgang überrissen,

ist es vorbei... der Trug zum Schluss.

 

So bleibt uns nur, das Kind zu lehren,

sei tolerant dem Außenseiter...

er könnte mal gefährlich werden...

ihn auch zu mögen, wär gescheiter.

 

Ist erst sein Geist total verwirrt,

dann kommen wir zu spät darauf,

und haben uns zu Recht geirrt

in Ahnung um den Amoklauf.

 

 

© kh. 11.03.2010

 

 

Anmerkung zum Gedicht:

Es war mir ein persönliches Anliegen, zum aktuellem Thema „Amoklauf“ meine persönliche Meinung zu äußern. Zu sehr neigt unsere Gesellschaft dazu, manches zu einseitig zu betrachten und schnell zu urteilen. Dieses Gedicht wird sicher vielleicht harte Diskussionen auslösen... dennoch will ich es wagen.

Vorsorglich möchte ich hier unbedingt klarstellen, dass ich weder die Tat beschönigen, noch den Täter freisprechen möchte. Die betroffenen Familien haben mein tiefstes Mitgefühl. Wäre ich selbst in dieser Lage der Eltern, die ihre Kinder verloren haben, es würde mich innerlich zerfetzen. Es sind Schicksale, die man als Außenstehender nur ansatzweise nachfühlen kann und das ist schon schlimm genug. Aber meist ist eine solche Handlung nur der Tropfen, der das Fass des vermeintlichen Täters zum Überlaufen gebracht hat. Ich selbst habe in meiner Schulzeit eine harte Zeit durchlebt und auch einen Mitschüler erleben dürfen, der zwar keinen Amoklauf begangen hat, doch – wie ich später erfuhr – in einer öffentlichen Toilette aufgehängt gefunden wurde. Ich seh mich heute noch auf so einer Schultoilette sitzen, und warten, bis der erlösende Pausengong kam. Nur, weil ein paar Idioten in der Klasse es unterhaltsam fanden, den Kleinen (mich) mal ein wenig aufzumischen. Erst als ich vier Jahre später wieder mal in der Pause von einem solchen Spatzenhirn auf den Rücken geschlagen wurde, hab ich mich umgedreht und ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen... Eigentlich ein Reflex... wollte mich anfangs auch gleich entschuldigen... was ich aber dann ließ und ihn sogar ernst fragte, ob er noch was wolle... 

Das erste und einzige Mal... und erntete ab diesem Tag Respekt im Reich der Blödiane.

 

Wir haben nur die Nachrichten gesehen. Berichterstatter diese grausame Tat verkünden gehört. Wir wissen um das große Leid der betroffenen Eltern und wie viele unschuldige Kinder sterben mussten. Wir erleben Genugtuung, da wir auch Meldung um den Tod des 17-jährigen Täters wissen, der sich anschließend selbst gerichtet hat. Aber wir haben nicht ansatzweise eine Ahnung, was im Leben dieses Täters wirklich passiert war um so etwas grausames schließlich tun zu können. Lebend in einem Elternhaus, Sohn eines Vaters, der Waffensammler war... und wohl selbst zur Gewalt neigte... was hätten sonst die Waffen im Haus verloren... kenne keinen friedfertigen Menschen, der im Garten die Blumen pflegt und zu Hause einen Schrank von Gewehren besitzt.

Das selbe gilt für Triebtäter, die Kinder misshandeln oder gar töten. Wie krank muss ein Mensch in seiner Psyche sein, was muss er vorher selbst erlebt haben, um zu so einem Monster zu werden? Erst, wenn wir das wissen, sollten wir uns anmaßen, Richter zu sein.

Das ist meine persönliche Meinung. Ungeachtet dessen, was ich selbst mit dem Täter tun würde (sollte er noch leben) wenn eines meiner Kinder etwas geschehen würde...  Gott bewahre mich vor so einem Schicksal !!!

 

Euer Klaus

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.03.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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