Heino Suess

Bleierne Zeit


 


Sehr häufig fühle ich mich einfach unverstanden.
Und dann erkenn ich keinen, der mich tief in mir versteht.
Mein´ fast , Verstehen kam den Menschen ganz abhanden,
als wär ein jeder Mensch, der um mich her, dazu zu blöd...

Ich träum sehr hoch und über aller Wolken Decke,
Spür, Pegasus lässt seinen Hufen rasend schnellen Lauf.
Weiß, alle Schwere bleibt zurück und auf der Strecke.
Ich geb ihm noch die Sporen, und ich setze noch eins drauf!

Mein Mut, der schlapp und lau, zuvor, nicht recht zu brauchen,
nun neu, gewinnt an Kraft er und auch kühler ist sein Sinn
die Lungen meines Dichterrosses hört ich fauchen,
und geb mich ganz der Wonne alten Dichterlebens hin.

Vorbei der Smog, träg lagernd über faulen Sümpfen,
nun lockt aufs Mal, ganz neu, das alte Unverstandensein,
und es verhilft der Dichtung endlich aus den Strümpfen:
Sie macht sich auf die Socken, endlich... Ach, wie ist das fein!

Die bringt das nicht Verstehn in unsrem Leben zur Balance
-wie fad erscheint uns bald, was wir verstanden glauben-
so hat die Lyrik eine nicht nur virtuelle Chance:
Wir dürfen ihr nur nicht die Reime gänzlich rauben!

Wie Blei, schwer lag Resignation mir auf der Seele.
Ich hab die Last, dann flugs in leichte Verse umgetauscht.
Der HEINE und der GERNHARDT spielten Ukulele,
ich bin noch heut von ihrem Zauberklange ganz berauscht...

Bis heute fühlte ich mich einfach unverstanden.
Hoff´, bald erkenn´ ich einen, der mich tief in mir versteht.
Der drüber steht, und gähnt beim sattsam Altbekannten:
Das war selbst dem Schimpansen , den ich dazu frug, zu blöd...

© Heino Suess 07/10

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.07.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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