Thomas Kreuter

Die Geisterstunde

Schlage zwölf zur mitternächtlich Stunde,
ertönen Schritte in des Schloss-Saals Runde
schemenhaft erwacht das nächtlich Leben,
mit dem gruseligen Geistersegen.

Schritte stampfen durch die leeren Hallen,
klirrend hört man schwere Ketten fallen,
Stöhnen dringt nun schaurig durch den Wall,
jedoch verstärkt mit langem Widerhall.

Ächzend schleppt ein keuchend Schatten sich,
von der Halle zu der Treppe durch das Kerzenlicht,
knarrend schwebt er nun die große Treppe rauf,
verbreitend nicht der kleinsten Lüfte Hauch.

Weiter schwebt das Schemen zu der Galerie,
Bilder funkeln wie aus menschlicher Phobie,
unaufhaltsam geht der Schatten durch die Wand,
nicht findend auch geringsten Widerstand.

Langsam macht der Geist die große Runde,
denn im Schloss ist jetzt Gespensterstunde,
von zwölf Uhr bis um eins exakt genau,
dauert nun im Schloss der groß Radau.

Ein altes Cembalo lässt Menuett erklingen,
als wollte man im Saal das Tanzbein schwingen,
man hört die Schritte von den tanzend Paaren,
doch die Augen können sichtlich nichts erfahren.

In des Schlosses kühlem Rittersaale,
wird nun aufgetragen zu dem sonderbaren Mahle,
Speisen auf den langen großen Tafeltisch,
doch zu setzen scheint wohl niemand sich.

Becher klingen in dem geisterhaft Geschehen,
doch niemand scheint im Raume wohl zu gehen,
auch die Speisen dampfend und recht heiß,
verschwinden langsam von der Geisterspeis.

Seltsam mundet wohl das Schlossgeschehen,
Festlichkeit die niemand kann wohl sehen,
nur die Geister sind zur Stunde zugelassen,
der Mensch muss wohl vom Essen lassen.

So verrinnt die Zeit nun wie im Fluge,
doch plötzlich schlägt die Glocke eins,
verschwunden ist des Spukes Nebel,
von denen, die gewesen Menschen einst.

© Thomas Kreuter

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.09.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Die Autorin, geboren 1960, wohnt im Dreiländereck Nordrhein-Westfalen/Hessen/Rheinland-Pfalz. Erst spät hat sie ihr Talent zum Dichten entdeckt und ihre Gedanken und Erfahrungen zusammengetragen. So entstand eine Gedichtsammlung, an der die Autorin gerne andere Menschen teilhaben lassen möchte, und daher wurde der vorliegende Band zusammengestellt.

Das Leben ist zu kurz, um es mit Nichtigkeiten zu vergeuden oder um sich über die Schlechtigkeit der Welt allzu viele Gedanken zu machen. Wichtig ist, dass man sich selbst nicht vergiften lässt und so lebt, dass man jederzeit in den Spiegel schauen kann.

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