Christin Wille

Eiszauber

lange  eiszapfen  hängen  vom  dach.  gefroren  ist  der  see,
die  luft  steht,  kein  lüftchen  sich  regt.  alles ist  still,
weil  nichts  sich  bewegen  will.

der  see  funkelt  und  blitzt im  mondesglanz  schwere,
schritte  durchqueren  das  unberührte  weiß,
schneestaub  wirbelt  auf  die  eisfeen  tanzen.

im  winterlichen  kampf  es  plötzlich  schneit  mit,
eisigen  klingen  durchbohrt  wird  das  herz,
es  herrscht  eisige  stille  kalter  schmerz.

die  luft  ist  klar,  klirrend  kalt  die  nacht,
kein  stern  am  schwarzen  himmel  wacht,
nur  der  vollmond  steht  stumm  und  still,
und  wirft  sein  silbernes  licht.

die  eiskristalle  am  fenster  wachsen  werden,
zu  eisblumen  ihre  schönheit  ist  kalt und,
vollkommen  draußen  hört  man  leise  schneeflocken  kommen.

die  eisigen  feen  verbergen  ihre  gestalt,
ihr  gesicht  ist  weiß  ihr  herz  und  auge,
vom  flüssigem  eis  erfüllt  ihren  kummer  kennen wir  nicht.

weiß  schimmern  von  eis  die  kahlen  äste,
büsche  ragen  wie  klagende  finger  aus  dem  schnee,
die  natur  schläft, schläft  in  tiefen  schlaf.

verloren  hängt  im  baum  ein  einzelnes  vogelnest,
ein  kümmerlicher  frühlingsrest  irgendwo  ein,
vogel  ruft  von  fern  her  klingt  sein  krächzender  ton.

der  boden  ist  hart  und  gefroren  die,
eisfeen  im  schweigenden  tanz,
sind  drüber  weg  geflogen.

bäume  seufzen  im  winterwald  wie  klagende,
seelen  die  um  erlösung  flehen  im  dunkeln,
allein  nur  umgeben  von  mondesschein.

weidenäste  zittern  sanft  in  dunkler  nacht  die,
mit  kristall  besetzten  spitzen  klingen,
ein  lufthauch  bringt  die  staaren  dünen  zum  schwingen.

es  sieht  aus  wie  engelshaar  wenn  sacht  der  eisregen,
fällt  die  eisfeen  singen  wenn  pfeifend  der  wind,
den  schnee  bewegt.

wenn  der  wind  sich  wieder  legt   die  schneelandschaft,
hat  aufregende  veränderung  erlebt   eine,
vogelfeder  langsam  vom  himmel   schwebt.

die  weiße  lawine  den  berg  hinunter  fegt,
weil  das  gewicht  nicht  mehr  trägt  dumpfes,
grollen  in  der  winter  still.

nicht  mehr  stand  halten  kann  ein  baum  er,
zittert  und  wankt  es  kracht  und  splittert,
doch  nichts  kann  durchdringen  die  ruh.

das  monster  zum  stillstand  ist  gekommen,
ein  hügel  so  hoch  wie  der  mauerrest  trohnt,
jetzt  wo  er  einst  gewesen  wahr.

vereinzelt  am  strauch  noch  hängend  orange,
rote  hagebutten  gehalten  vom  winter,
schutzlos  vor  seinem  kalten  griff.



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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 18.09.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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