Ramona Jährling

Fafe der Retter Marunas (vielleicht zu lang zum selber lesen)



Sokrunas reiten auf fünfschwänzigen Schlangen,
brüsten sich mit ihren elenden Taten.
Kehren heim vom Kampf in dem sie die Rodas bezwangen
mit ihrem heißen, giftigen Atem.
 
Vor Angst erstarrt stehen die Lewaris mit offenen Mündern,
denn sie glaubten an einen anderen Sieg.
Was wird nun aus all ihren Kindern
nach diesem falsch gewonnen Krieg?
 
Der König der Rodas war  nun Gefangener im Reiche Maruna.
Sein Volk musste in Knechtschaft leben.
Doch die Kräfte des Reifes Laluna
sollten ihm Zauber und Macht wieder geben.
 
Fafe`, ein Sohn der Lewaris war auserkoren
sein Verbündeter zu sein.
Unter dem Zeichen der Sichel geboren,
im silbernen Schein.
 
Und leise sang der König in seinem Kerker ein Lied,
von Freiheit, Wärme und Licht.
Denkt zurück, wie er vor seinem Volke kniet
und ihm ewige Treue verspricht.
 
Doch die Sokrunas waren gierig und Hass erfüllt.
Nicht nur gegen die Rodas, die lebten in Frieden.
Haben ihre Wut durch Bluttat gestillt
in tausenden von grausamen Kriegen.
 
Nun war es an der Zeit sich zu wehren.
Das Lied des Königs hallte über Maruna.
Und nur einer musste es hören
um ihm zu bringen, den Reif von Laluna.
 
Die Nacht war schon beinah verstrichen.
Nebel stieg auf im eiskalten Land.
Da kam leise der Jüngling geschlichen
und reichte dem König die Hand.
 
„Die Feenorlos berichteten mir
von deines Volkes Not
und führten mich her zu dir,
auch wir werden bedroht“.

Ängstlich blickte der Jüngling sich um.
Ein Geräusch ließ ihn schaudern.
Und beide waren plötzlich ganz stumm.
Die Furcht ließ sie zaudern.

Sie spürten den Hauch der Schlangen
die den Sokrunas Untertan sind,
ganz leicht auf ihren Wangen
wie schrecklich eiskalter Wind.

„Lauf mein Sohn“, flüsterte der König.
„Und warte bis der Mond ganz tief am Himmel hängt.
Berichte ihm von hier. Nicht zu viel und nicht zu wenig
und bitte ihn, dass er dir einen Reif für dein Vorhaben schenkt“.

Fafe, der rotblonde Jüngling nickte
und gab wortlos zu verstehen,
wohin ihn der König auch schickte
sie würden sich wieder sehen.

Furchtlos lief er nun Tag und Nacht.
In Gedanken sein Land, dass so bitterkalt.
Geschunden durch böse, furchtbare Macht,
in der Sokrunas grenzenloser Gewalt.

Dann plötzlich sah er dies wunderbar strahlende Licht.
Er röchelte erschöpft wie ein gejagtes Tier.
Und der Mond sprach. „Du musst Fafe sein von dem jeder spricht,
sag, was führt dich zu mir“?

„Der König der Rodas schickt mich zu dir,
dessen Volkes Seelen von den Sokrunas vergiftet.
Eine Bande, gefräßig und voller Gier
die durch Mord und Totschlag Unfrieden stiftet.

Und mutig fragte Fafe sodann
mit ausgestreckter Hand,
ob er Hilfe erbitten kann
zur Rettung der gepeinigten Menschen im Land.

Der Mond sah bedächtig herab.
Er war bestürzt von all dieser Grausamkeit.
Langsam brach er ein großes Stück ab
von dem Glanz der friedlichen Zeit

Vorsichtig gab er dem Jüngling den leuchtenden Schein
der sonst glitzernd die Sichel umgibt.
Doch helfen konnte der nur allein
durch jemanden der wahrhaftig liebt.

Fafe verneigte sich tief
in Demut und Dankbarkeit.
Der Mond lächelte und rief,
„lauf zu, du hast keine Zeit“.

Und eilig rannte der Rotschopf zurück.
Durch die dunkle, nasskalte Nacht.
Lief tagelang bis zum letzten Stück
als es auf einmal neben ihm kracht.

Loteemi die Mutter der Schattengestalten,
warf ihm die Bäume zu Füßen,
die sich nun fest an ihm krallten
und ihn nicht weiter ließen.

„Was willst du hier in meinem Wald“,
krächzte sie ihm entgegen.
„Du lebst nicht mehr lange denn bald
werde ich dich gen Himmel fegen“.

Fafe hatte es die Sprache verschlagen.
Vor Angst stotternd brachte er kein Wort heraus.
Er wollte sein Leid ihr klagen
doch es wurde nichts daraus.

Wütend stampfte sie auf mit ihren dürren Beinen
und befahl den Bäumen stille zu stehen.
„Glaubst du, du kannst hier erscheinen
und  einfach so wieder gehen“?!

„Nein, gute Frau aber nein“,
sagte er freundlich und besonnen.
und zeigte den leuchtenden Schein
den er vor Tagen bekommen.

„Ich bin unterwegs zu meinem Land,
in dem die Menschen frieren und vor Hunger schreien.
Mit diesem Reif an meiner Hand
kann ich sie davon befreien“.

Entzückt vom silbrigen Funkeln im Dämmerlicht
war die Alte auf einmal völlig verwandelt.
„Ach armes Bürschchen fürchte dich nicht,
sage mir doch wer mit so etwas handelt“

„Es ist kein Handel gewesen, der mich trieb,
sondern nur der Sokrunas Grausamkeit“.
Loteemi versetzte ihm einen freundlichen Hieb
und grinste mit ihrer Scheinheiligkeit.

„Ah, ich weiß“, hauchte sie ihm ins Gesicht.
„Hab von ihren grässlichen Taten gehört“.
Doch das interessierte sie nicht.
Sie war noch immer vom Glanze betört.
 
„Ich muss weiter. Der König wartet schon lang.
Bitte halt mich nicht auf“.
Dem Jüngling wurde ganz bang,
doch die Alte hörte nicht drauf.
 
„Morgen kleiner Mann,
morgen früh lass ich dich heim“.
Mit stechendem Blick sah sie ihn an.
Im Sinn nur den glitzernden Schein.
 
„Nun gut, so soll es geschehen.
Ich warte bis der Tag anbricht,
aber dann werde ich gehen.
Länger warte ich nicht“.
 
 Die Alte errichtete sogleich
die Schlafstatt mit Hinterlist.
Sie dachte, dass Fafe im schlafenden Reich
sein Vorhaben vergisst.
 
„Schlafe Bürschlein, schlafe  ruhig ein
der du dir Sorgen um die anderen machst.
Vielleicht wird alles ganz anders sein
wenn du des Morgens erwachst“.
 
Tückisch trieb sie tausende Blätter geschwind
durch Fafes ohnmächtigen Schlaf.
Durch die Träume jagte der Wind
der ihn mit Vergessenheit traf.
 
Und Loteemi beobachtete den Knaben,
als er am Morgen erwachte.
Dieser sah wohl den weißen Raben
der über ihm kreiste und lachte.
 
„Hinfort du trübe Gestalt“,
schrie die Alte zum Himmel empor.
Sie wollte mit aller Gewalt,
dass Fafe die Sinne verlor.
 
„Nun Mütterchen“, sprach er.“Ich werde jetzt gehen.
Ich wünsch dir eine berauschende Zeit.
Vielleicht Auf Wiedersehen
und Dank für die Gastfreundlichkeit“.
 
Nichts hatte er vergessen,
denn der weiße Rabe Acht.
Wind und Blätter hatten die Macht nicht besessen
in dieser düsteren Nacht.
 
Loteemi gab sich geschlagen.
Doch nur für den Moment.
Sie wusste, sie würde ihn jagen
wegen des Reifes am Handgelenk.
 
Und der Knabe lief, begleitet vom weißen Raben
durch Täler, die er noch nie gesehen.
Hinter einem riesigen Berg, vor einem  tiefen Graben
blieb er plötzlich verwundert stehen.
 
Vor ihm bäumte das Meer sich auf.
Es war gefangen im Felsengestein.
Stoppte  ihn  in seinem hastigen Lauf
und lockte ihn zu sich hinein.
 
„Komm her und nimm ein erfrischendes Bad“.
Doch der Rabe schrie gegen das Tosen an.
„Hör auf meinen wohl gemeinten Rat
mit dem ich dir jetzt nur dienen kann.
 
Der Wahnsinn lauert in diesen Fluten.
Darfst ihren Worten nicht glauben.
Beeil dich, wir müssen uns sputen,
sie wollen dich deiner Seele berauben.
 
Nur ein winziger Tropfen auf deiner Haut
wird das Verderben dir bringen“.
Und die Wellen säuseln lieblich vertraut,
mit ihrer Melodie die sie ihm singen.
 
Fragend schaut er sich um.
„Wie soll ich den Graben bezwingen?
Ich könnte wohl mit ganz viel Schwung
einfach über ihn springen“.
 
„Nein Fafe, streif durch mein Gefieder
und reiß eine Feder aus meinem Kleid.
Dann setze dich nieder
und wart eine kurze Zeit.
 
Schließ dabei die Augen, ich helfe dir.
Träum dich auf die andere Seite hinüber,
trag mich im Herzen und vertraue mir,
dann stürz dich hinunter Kopf  über“.
 
Fafe war erschrocken über dies Angebot.
Entsetzen stand in seinem Gesicht.
„Dann spring ich ja in den Tod!
Das trau ich mir  nicht“.
 
„Nichts wird dir geschehen.
Ich geb auf dich Acht.
Wirst die andere Seite sehen
noch vor Einbruch der Nacht.“.
 
Und der Jüngling tat wie ihm der Rabe sagte.
Strich ihm sanft durch sein Gefieder.
Ein Blick noch, den er in die Tiefe wagte,
dann kniete er sich nieder.
 
Die Feder in seiner Hand, wartete er.
Vertraute dem Raben, wie keinem zuvor.
Die Glieder wurden ihm schwer
bis er schließlich den Halt verlor.
 
Und er stürzte hinab in die Ewigkeit.
Der Zauber des Raben ließ ihn einfach so schweben.
Schwerelos trieb er durch Raum und Zeit,
weit weg vom wirklichen Leben.
 
Und es geschah wie der Rabe versprach.
Es war noch nicht Nacht,
da wurde er  auf der anderen Seite wach.
Sein Vertrauen hat ihn dorthin gebracht.
 
Nun war`s nicht mehr weit.
Doch es kam ihm unendlich vor.
So viel kostbare Zeit,
die er durch die Wellen verlor.
 
„Nun komm“, mahnte der Rabe.
„Wir müssen uns beeilen.
Ahnst ja nicht was ich gesehen habe.
Dürfen nicht länger verweilen“.
 
Eilig und ängstlich zugleich
rannte Fafe nun ohne Unterlass.
Stand endlich vor seinem eiskalten Reich,
in dem nur noch Gewalt und Mord und Hass.
 
Zögernd sah er zu seinem Handgelenk.
Mit dem Reif, welcher zur Rettung gedacht,
der ihm vom Mond geschenkt,
hatte er jetzt die Macht.
 
Der König in seinem elenden Kerker
grub leise und stetig ein Loch.
Doch die Sokrunas waren listig und stärker
und bald starb er doch.
 
Nun war es an Fafe den Plan zu vollenden.
Sein Land und das der Rodas zu retten.
Es lag in seinen Händen,
zu befreien aus den eisernen Ketten.
 
Doch dem Raben erteilte er plötzlich Befehle,
denn er fühlte unbändige Wut.
Hasste die Barbaren  aus tiefster Seele.
Das war nicht gut.
 
Für seinen Sieg brauchte er nicht diesen Hass.
Damit verlor er den klaren Verstand.
Selbst mit dem Reif den er besaß,
lag das nun nicht mehr in seiner Hand.
 
Und in dem wütenden Lauf
gegen die Sokrunas die schon warteten am Tor,
achtete er nicht darauf,
dass er den Armreif verlor.
 
Alles schien aussichtslos.
Er kämpfte als wär er besessen.
Was tat er da bloß?!
Hatte er sein Volk völlig vergessen?
 
Der Rabe mit seinem weißen Gefieder
hatte bemerkt was geschah.
Flog im Sturzflug hernieder,
dem Tode so nah.
 
In seinem Schnabel trug er das kostbare Gut
weit auf den höchsten der Bäume.
Und er krächzte. „Ihr Menschen, habt Mut!
Kämpft um euer Leben, euer Land um eure Träume“!
 
Dann erhob er sich gen Himmel empor.
Dem Schein der Sonne entgegen musste er fliegen.
Ehrlichkeit, Liebe, Mut und Verstand bedurfte es nur
um dies Elend zu besiegen.
 
Der Ring fiel zu Boden neben  dem Knaben.
Und alle hörten den mahnenden Klang,
der durch die Vernunft des Raben
in die Köpfe der Menschen drang.
 
Das von Schändern gepeinigte Land
erwachte zu neuem Leben
Und die Rodas und Lewaris haben erkannt,
jeder Einzelne muss dafür  alles geben

(by Ramona Jährling)

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.10.2010. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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