Hans-Werner Kulinna

Massenwahn im Stadion


Hörst du die Masse wie sie brüllt,
sie ist von Wut und Hass erfüllt,
den andern ist das wohl zuviel,
sie freu’ n sich auf ein großes Spiel.

Ein schwarzer Spieler läuft herein,
ein Teil der Masse stimmt mit ein,
sie zeigt ihr fieses Spottgesicht,
und ich steh’ da und rühr mich nicht.

Die Masse schreit im lauten Chor,
die Fratze Mensch, sie grölt hervor,
der schwarze Spieler schaut hinauf,
für ihn heißt es: Spießrutenlauf.

Die Schreie gehen immer weiter,
so mancher findet das auch heiter.
Die Rufe werden wild und laut,
der Stillste brüllt, weil er sich traut.

Der schwarze Spieler führt den Ball,
Geräusche schallen überall,
im Chor da machen sie den Affen,
der Massenbrüller trifft wie Waffen.

Die Stimmung ist nun aufgeheizt,
der Spieler kocht, er ist gereizt;
der Pöbel brüllt sein Herz heraus,
gleich ist das Trauerspiel wohl aus.

Dann geht ein Mensch zum Mikrofon
und mancher greift zum Telefon,
Proteste brechen sich die Bahn,
die Fußballstadt wird rot vor Scham.

Rassismus steht in jedem Blatt
und mancher hat die Sprüche satt.
Was ist das für ein Fan, der spottet,
vielleicht ist sein Verstand verrottet.

So suchen wir die Menschen heute,
die anders sind als jene Meute,
die oftmals auch den Engeln gleichen,
die Hand des Anstands jedem reichen.

Wirf dich als Fan nicht aus der Bahn,
bleib standhaft gegen Massenwahn.
Rassismus halte selber klein,
so kannst du auch ein Engel sein.

Verpufft ist jedes schlaue Wort,
die Vorsätze, sie fliegen fort.
Das nächste Spiel wird es wohl bringen,
ob wir dann pöbeln oder singen.

© Hans - Werner Kulinna

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