Ina Klutzkewitz

Ansprache einer Kerze...



Ansprache einer Kerze zur Weihnacht!


Ihr habt mich angezündet und schaut nachdenklich und besonnen in mein Licht.
Ihr freut euch dabei.
Ich freue mich auch, dass ich brenne.
Sonst läge ich im Karton.
Aber im Karton habe ich keinen Sinn, da liege ich nur herum.
Einen Sinn habe ich nur, wenn ich brenne.
Aber wen ich brenne, werde ich immer kürzer.
Das ist schade, dennoch kann ich mir ausrechnen, wann ich zu Ende bin.
Es gibt nur zwei Möglichkeiten -
entweder bleibe ich ganz im Karton,
dann muß ich nichts hergeben und bin nur für mich da,
aber dann weiß ich eigentlich nicht, warum?
Oder ich gebe Licht und Wärme ab,
dann weiß ich, wofür ich da bin.
Dann muß ich aber etwas geben dafür, von mir selbst - mich selbst!
Das ist schöner, als kalt und sinnlos im Karton zu liegen.
Und genauso ist es bei euch Menschen.
Entweder ihr bleibt für euch, dann geht euch nichts ab,
aber dann wißt ihr nicht, warum,
dann seid ihr wie die Kerzen im Karton.
Oder ihr gebt Licht und Wärme, dann habt ihr einen Sinn,
dann seid ihr nicht vergebens da.
Aber dafür müßt ihr etwas geben, von euch selbst,
von dem, was in euch lebendig ist, von eurer Freude,
von eurer Herzlichkeit, eurer Treue, eurem Lachen,eurer Traurigkeit.
Ihr müßt nicht ängstlich darauf sehen, dass ihr dabei kürzer werdet.
das ist nur äußerlich - innen wird es immer heller.
Ich bin nur eine! Kerze. Das ist nicht viel Licht.
Ich allein, das ist nicht viel.
Aber Weihnachten, am Baum, mit den vielen zusammen, das ist ganz einfach.
Und bei den Menschen verhält es sich genauso.
In den Familien, in der Gemeinde.
In eurer Menschenwelt ist es finster genug.
Ein einziges Licht, das brennt, ist mehr als alle Dunkelheit.
Lasst euch ein bisschen Mut machen -
von einer kleine Kerze.


Heute Morgen von mir vorgetragen, zum  selbst gestalteten Gottesdienst unseres Chores.

Euch allen eine friedvolle und besinnliche Weihnachtszeit.



 

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