Ramona Jährling

Der Tunnelblick

Ich sag euch so ein Tunnelblick
das ist schon ne Pracht
Da macht` s einfach nur klick
und man sieht nicht wovor man kracht

Achtzig ist jetzt weniger gefährlich und nicht gerade so schnell
da heb ich getrost noch die Hand zum Gruß
Anders wie der alte Herr Tell
der für` s nicht grüßen auf seinen Sohn schießen muss

Ich bin zart mit dem Pedal
gut, dass auf den Schildern nur hundertdreißig steht
Da hab ich ja keine Wahl
die zeigen mir an wie schnell es geht

Schnell ist hier wohl relativ einzuschätzen
der Kerl rastet schon aus, neben mir
Ihr müsst euch mal in den rein versetzen
der ist doch ein Mann, ein Schrank, so` n richtiges Rennbahntier

“Du kannst, wenn es dir behagt, ja noch einschlafen
bevor der Motor mal jault
Herr Gott, wieso musst du mich so bestrafen”
hör ich nur, wie er neben mir mault

“Wenn du mal schalten würdest, kämen wir auch vom Fleck
das Gekrieche ist ja kaum zu ertragen”
Von der Hundert ist mein Zeiger doch n ganzes Stück weg
also ich seh keinen Grund zu klagen

Aber gut, wenn es der Herr so will
tret ich eben kräftig ins Blech
So langsam steht die Welt rechts und links still
ich kann auch anders, da bin ich rotzfrech

Die Knie zittern mir schon ganz schön
und mein Herz kratzt klopfend am Büstenhalter
Also ich kann nur vorn noch was sehen
joiii, ist das schnell Alter

Hundertdreiundachzig zeigt es schon an
und ich spür den stechenden Blick von Horst
Der denkt, dass ich noch schneller kann
in seinem Geschwindigkeitsdurst

Lichthupe und ran an den vor mir, schön knapp
das wär wohl die Krönung der Fahrt
“Ey, machst du jetzt etwa schlapp
bist doch prima am Start”

Den sein Gelaber ist wie` n Wurm in der Suppe
ich kann` s bald nicht mehr hören
Was jetzt kommt, ist mir vollkommen schnuppe
der kriegt meinen Bleifuß zu spüren

Meine Zehenspitzen kratzen hart am Asphalt
ich zieh das durch, da gibt’s kein zurück
Bin schweißgebadet, die Hände eiskalt
und dann, der gefürchtete Blick

Also nenn Tunnel kann ich nicht sehen
aber auch sonst kommt mir nicht viel vor die Pupille
Soll einer die Leute verstehen
vielleicht geht’s besser mit paar Promille

Nee, das ist ja schon schlimm beim Laufen
die Wege gestalten sich gleichzeitig rund und eckig
Da renn ich nur jeden fast über` n Haufen
und außerdem geht’s mir da immer so dreckig

Egal, der Tunnel kann mich jetzt mal
und Horst? Ja der auch
Die Tachonadel klebt schon fest an der letzten Zahl
und ich frag mich ob ich so` n Krampf tatsächlich brauch

Tja, so` n Tunnelblick ist ne ganz feine Sache
bei dem mich nervige Tempobegrenzungsschilder nicht ablenken
Ich sonst auch keine besonderen Beobachtungen mache
und über Glatteis brauch ich auch nicht nachdenken

Aber so ein richtig tolles, edles Gefährt
in dem ein Solex gebräunter Typ seinen Finger in der Nase versenkt
Ist mir die Raserei alle mal wert
auch wenn ich glaube, dass ihr da anders denkt

(by Ramona Jährling) 

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Aus dem Wald in die Pfanne ... Tief unterm Büschel Gras versteckt, mit einem Blatt noch abgedeckt, beobachtet ein Pilz im Wald so manch befremdliche Gestalt. Sie schlurfen, ein paar trampeln auch, in Stiefeln und 'nem Korb vorm Bauch, das scharfe Messer in der Hand, den Blick zum Boden stets gewandt. Ein Freudenschrei, ein scharfer Schnitt, so nehmen sie Verwandte mit; und der versteckte Pilz, der weiß, im Tiegel ist es höllisch heiß. So brutzeln aber will er nicht! Da bläst ein Sturm ihm ins Gesicht, es rauscht und wirbelt ringsherum, schon bebt der Wald - ein Baum fiel um. Genau auf seinen Nachbarn drauf. Das ändert seinen Denkverlauf: "Welch übles Ende: Einfach platt! Da mach' ich lieber Menschen satt." Drum reckt er sich aus dem Versteck, er will jetzt plötzlich dringend weg: "Vergesst mich nicht! Ich bin gleich hier und sehr bekömmlich, glaubt es mir."

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