Edward Suvega

Stacheldraht - Teil 1


 

Des Polizisten Herablassung brachte mich zu der Auffassung, dass er ein Arschloch sei. Ein verdammtes sogar, der Verdammnis früher oder später sicher anheimfallend. Das gab Ausschlag für mich, ihn als solches zu bezeichnen und Veranlassung dem Bullenschweinchen, mich anzuzeigen. Keine Gnade, keine Ablassung wurde mir gewährt von meiner Sünde und drum verkünden tat man mir, die Tat sei einer Strafe wert, doch äußern müsst' ich mich dazu. Mit der Vernunft verbünden tat ich meine Ehrlichkeit und gestand alles. Meine Einlassung trug die Leute beim Gericht zur Auffassung, mich mit einer hohen Geldstrafe zu belegen. Da ich nicht in der Lage war, den vollen Betrag zu zahlen, keinen Bock auf monatelanges Raten-Abzahlen hatte, entschied ich, es mit Fassung zu tragen,
in den Knast zu geh'n,

für die Dauer von 11 Tagen,
hinter Gittern gesiebte Luft,
wie aus 'ner Gruft,
zu atmen,
Stacheldraht von früh bis spät zu seh'n,


Ich haderte mit der Situation,
stand zu meinem Vergeh'n jedoch,
zu meinem Frevel,
kokettierte mit dem Image,
Imagepflege Richtung Knastologie,
Ging hinter Gitter,
hinter dichte, dicke Türen,
kein Schloss von innen,
von außen fette Riegel,
aber keine aus Schokolade,


Ich bin auch nicht grad aus Zucker,
sondern hartgesotten wie rohe Karotten,
machte dicht gefühlige Schotten,
und um nicht zu verrotten,
- und nicht als mäusescheuer Ducker,
wandelte ich, ohne IPOD, Internet, Drucker,
nur mit Büchern, Schreibblock, Wecker,
ausgestattet mit dem Dictionary-Doppeldecker,
ohne viel Gezänk, Gemecker,
in den finstren Zellen-"Bunker",
dem Leben noch down unter*,              (*kleine Anspielung auf das Reggae-Lied "Down Under" von MEN AT WORK, 70er Jahre d. 20. Jh)
wo der Fraß nicht wahrHAFT lecker,

weil, wegen:,

Mund (zu weit) aufgesperrt,
Beleidigung geplärrt,
die viel Bares wert,
drum ersatzweis' eingesperrt,
hinter Dicktür zugesperrt,
11 Tagessätze weggesperrt,
alle Frechheit gesperrt,
hinter Stacheldrahtrollen,
hinter Gitterzäune,
hinter Mauern, Bäume,
mit Metallbändern bewehrt,
die gegen Ausbrecher bewährt,
meisterHAFT,
mustergültig, musterHAFT,
in HAFT gesetzt,
sitzend in ErsatzHAFT,
na fabelHAFT,
inHAFTiert,
investiert,
ins Nachdenkliche,
HAFTbar,
für all das Schreckliche,
HAFTfähig, nicht verHAFTet**, (**weil Selbststeller)
aber nun beHAFTet,
mit dem Stempel "Häftling",
traumHAFT nicht grad,
lachHAFT nicht, fad,
auf dem schiefen Pfad,
im HAFTraum gelandet,
im HAFTleben gestrandet...






LOOK FORWARD TO THE SECOND PART, COMIN' TOMORROW!!


 

Wie man schon an meinem vor ca. 2,5 Wochen eingestellten Text erkennen kann: Ich war im Gefängnis, im Knast, in der Justizvollzugsanstalt, im Bau, im Bunker, im Loch, hinter Gittern, atmete gesiebte Luft, sah die Radieschen schräg an, im Hotel zum Gitterblick, hinter schwedischen Gardinen, in Schweden, im Strafvollzug. Aufgrund einer Ersatzfreiheitsstrafe, für 11 lange und gleichsam höllische wie schöne Tage. Tage, in denen ich in mich gehen konnte, zur Ruhe vom hektischen Alltagsleben kommen konnte, aber auch sehr eingeschränkt war, in der persönlichen, in der physischen und in der allgemeinen Freiheit.

Der erste Teil meiner Erfahrungen soll hier jetzt stehen, so dachte ich mir's. Das sind nur Teilaspekte meines Empfindens während dieser Phase meines Lebens, die lehrreich und zermürbend zugleich war, die mir alles abverlangt und genommen hat, mir aber auch jede Menge Erkenntnis und Selbsterkennung gab. Einen Teil meines Wesens, einen Teil meiner Seele ließ ich trotzdem dort, an diesem dunklen Ort, denn "niemals geht man so ganz, irgendwas von dir bleibt hier" wie schon, glaub ich, Vicki Lederross äh Leandros sang, nicht wahr?

Es war hart: Man hat Gitter vor den Fenstern (doppelte), das Fenster ist aus Sicherheitsglas, draußen auf dem Gefängnishof, auf dem man sich eine Stunde am Tag (zur Freistunde) etwas spaziergängerisch wandelnd aufhalten und bewegen darf, sind alle Laternen mit Stachelhalsbändern bewehrt, damit man nicht hochklettern und eventuell springen kann, ein Gitterzaun, an seiner Spitze gespickt mit dicken und sehr scharf/spitz aussehenden Stacheldrahtrollen gespickt, jenseits dieses Zaunes die stabile Hauptgefängnismauer, ebenfalls an ihren Spitzen mit Stacheldrahtrollen versehen, dazwischen ein Pförtnerhäuschen, in dem stets zwei Justizbeamte Wache schieben, damit niemand auf die Idee kommt, ausbrechen zu wollen. Etwas trostlos. Die restlichen 23 Stunden des Tages in der Zelle, klein aber nicht ganz ungemütlich, aber auch kein Paradies-Plätzchen. Teilweise sehr nette, teils sehr freche, fiese Wärter/Schließer, teils humane, teils herablassende, entwürdigende Behandlung. Genaueres dazu später, morgen.

Viel Lesefreude Euch allen. Schön, wieder hier zu sein!

Amen, Reverend!
Edward Suvega, Anmerkung zum Gedicht

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 22.02.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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