Karl-Heinz Fricke

Wenn der Amtsschimmel wiehert

Wie riesige hohe Felsenklüfte
ragen ihre Bauten in die Lüfte.
Behörden, Banken, Versicherungen,
mit Kapital wird dort umgesprungen.

Fahrstühle gehen stets runter und rauf,
in dem täglichen Geschäfteablauf.
Beamte hinter Milchglasscheiben
sich gähnend die müden Augen reiben.

Sekretärinnen mit schlanken Beinen,
die sind meistens nur da für den Einen,
dem sie ihren Job verdanken,
da fallen dann auch einige Schranken.

An Pulten bebrillte Schreiberseelen,
die sich mit tausend Karteien quälen.
Anträge werden geprüft, gewogen,
hat der Ganove vielleicht gelogen ?

Ohne besondere Vorsicht geht es nicht,
das ist des Beamten heilige Pflicht.
Um immer geschäftig zu erscheinen,
sind sie mit Papieren auf den Beinen.

Auf den gewachsten Fluren her und hin,
hoch den Kopf, heraus gestreckt das Kinn.
Rauchen ist schon längst verboten im Bau,
böse für den Mann und rauchende Frau.

Mit Argusaugen Nichtraucher wachen,
dass Raucher keine Ausnahmen machen.
Gilt das auch für den gewaltigen Boss
mit seiner Sekretärin auf dem Schoß ?

Die betörende schlanke Rosanna
überreicht ihm die dicke Havanna.
Ein Plus während der langen Arbeitszeit,
ist immer eine Hand unter dem Kleid.

Zum Teufel, es klingelt das Telefon,
es ist des Bosses Ehemaus:
"Mein Liebling, Minna kocht das Essen schon,
kommst du pünktlich heute einmal nach Haus ?"

"Mein Schatz, ich habe noch sehr viel zu tun,
und wenn ich zu Hause bin, muss ich ruh'n !"
Rosanna sich sehr das Lachen verkneift,
die Alte wurde wieder eingeseift.

Für die gesetzliche Ordnungshaltung,
geht es nicht ohne gute Verwaltung.
Was wäre der gute Herr Minister
ohne seine fleißigen Philister ?

Schreiberseelen, Genauigkeitsknechte,
Angestellte und Leute der Rechte.
In Uniform oder mit Schlips und Kragen,
stets die Obrigkeit zur Schau getragen.

Wirklich schwer haben es diese Leute,
selbst mit Hilfe des Computers heute.
Der harte Konkurrenzkampf ist entbrannt,
eifrige Streber gibt's in jedem Land.

Wachsam beständig stets auf der Lauer,
es rentiert sich bestimmt auf die Dauer.
Feiste, schleimige Steigbügelhalter
sind bekanntlich die besten Verwalter,

in den Augen ihrer Vorgesetzten,
weil sie nie ihre Pflichten verletzen.
"Das haben Sie gut gemacht, Hannemann,
ich befördere Sie, denn Sie sind dran !"

Von oben herunter sieht Hannemann
seine neuen Untergebenen an.
Er hat die ersten Sprossen erklommen,
jedoch nach ganz oben will er kommen.

Natürlich ist die Leiter hoch und groß
vom Erdgeschoss bis ganz oben zum Boss.
Schrecklich mühsam ist die Hochkletterei,
verbunden mit viel Stiefelleckerei.

Hat man es geschafft und ist dann oben,
dann muss man dankend  den Herrgott loben.
Untermauern muss man gut seine Welt,
damit man nicht plötzlich herunterfällt.

Man landet bestimmt nicht in Mutters Schoß,
sondern nüchtern wieder im Erdgeschoß.
Denn jeder Aufstieg hat seine Tücken.
Gewiss wird nicht alles immer glücken.

Des Neiders Auge ohne Fehl wacht,
ob wohlmöglich ein Fehler ward gemacht.
Sehr verpicht auf den begehrten Posten,
denn es soll dem Andern seinen kosten.

Und mit gut geplanter Scheinheitsliebe
und mit kluger heimlicher Intriege,
wird ein Absturz meisterhaft insziniert,
und man wird zu dem großen Boss zitiert.

"Sagen sie Meier, was dachten Sie sich ?,
länger erlaub' ich Ihr Verhalten nicht.
Unser guter Name steht auf dem Spiel,
und der bedeutet bekanntlich sehr viel.

Im Falle, dass Sie mich schrecklich hassen,
hinaus mit Ihnen, Sie sind entlassen !"
Die Kollegen sehen es mitleidslos,
einer wird gerufen zum großen Boss.

"Herr Schuricke, von den andern allen
sind nur Sie mir günstig aufgefallen,
biegen Sie gerade, was alles krumm,
reißen Sie kräftig das Steuer herum.

Gute Ordnung muss da wieder hinein,
ein neuer Meier dürfen Sie nicht sein ?"
Als er aus der Höhle des Löwen kam,
wurden die andern unterwürfig zahm.

Es liegt nun mal in des Menschen Wesen,
sie kehren stets gut, die neuen Besen.
Oh wie er sie von Anfang an trietzte,
und verlangte, dass man ihn siezte,

den früheren so guten Kollegen,
plötzlich nach oben auf seinen Wegen.
Nun eine Etage höher im Bau,
irrer Stolz ergriff seine Ehefrau.

Heraus, heraus aus dieser Nachbarschaft,
der Umzug wurde rasend schnell gemacht.
Ehrbare Herrschaften waren sie nun,
gewaltig ändern mussten sie ihr Tun.

Etepetete, Gesellschaften geben,
immer weiterhin nach oben streben.
Je höher man steigt, je tiefer man fällt,
wenn dem Boss die Nase nicht mehr gefällt.

Wer auf des Bosses Posten spekuliert,
der wird schnell ohne Zögern ausradiert.
Denn dieser ist gewiss davon nicht erbaut.
Der Amtsschimmel wiehert meist viel zu laut.


Karl-Heinz Fricke 2.3.2011

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