Ramona Jährling

Warum Zeit schinden

Warum Zeit schinden

Mit etwas, dass uns so gar nicht liegt

Warum keinen neuen Weg finden

Alltag und Gewohnheit haben uns doch längst schon besiegt


Warum immer noch auf Phrasen hören

Die schon lange abgedroschen sind

Warum festhalten und auf alles schwören

Warum sind wir so taub und blind


Mühsiggang überfällt uns mit eifrigem Wahn

Ja, warum denn Zeit noch schinden

Auf all das, was wir jemals getan

Werden wir immer einen anderen Blickwinkel finden


Du wirst mich nicht sterben sehen

Bevor ich begonnen habe zu leben

Du kannst, wenn du willst, ein Stück mit mir gehen

Ich will dir gern etwas von meinem Gedankengut geben


Weißt du, ich tanzte vergangene Nacht wie eine kleine Fee

Mit den Schirmchen einer Pusteblume im Arm

Die ich gepflückt habe in eiskaltem Schnee

Aus der Gefangenschaft von einem Bienenschwarm


Natürlich fürchtete ich mich

Und meine Hände waren beinahe erfroren

Nur durch einen einzigen Stich

Hätt ich die Schirmchen und mein Leben verloren


Ein heftiger Sturm zog auf

Und rüttelte kräftig an mir

Er wollte mich stoppen in meinem Lauf

Und überschütten mit maßloser Gier


Ich hielt die kleinen Schirmchen sicher in meiner Hand

Die ängstlich darin schwebten

Den Blick in Richtung Kälte gebannt

In der sie viel zu lange schon lebten


Hagel schlug auf die Erde nieder

Und verwandelte die Straßen zu spiegelglattem Asphalt

Der Neid säuselte seine falschen Lieder

Und hätt seine Fänge gern in meinen Leib gekrallt

 

Traurig senkte der Mond sein Angesicht

Seine Wangen leuchteten purpurrot

Denn er glaubte Sturm und Hagel hätten so viel Gewicht

Das ein Mädchen wie ich zu wanken droht


Träge wälzte sich der Hochmut in seinem Eisblumenbett

Und flüsterte scheinheilig, es würde sich lohnen

Wenn ich ein Rendezvous mit ihm hätt

Im goldenen Schloss der heiligen Drohnen


Und ich hielt die Schirmchen noch immer sicher in meiner Hand

Die sich fürchteten vor Gier, Trägheit Hochmut und Neid

denn diese reizten ohne jeden Sinn und Verstand

und hoffen auf ihre Zeit


Der Boden wankte zu meinen Füßen

Und ein mystisches Tal schlängelte sich durch die Dunkelheit

Wollüstig begannen warme Wellen zu fließen

Und tränkten mich mit Gelassenheit


An vielarmigen Bäumen hingen Früchte in süßer Verführung

Und ich aß mich satt und satt und übersatt

Bis mich schließlich des Purpurmondes sanfte Berührung

Aus diesem Wahnsinn gerettet hat


Die kleinen Schirmchen hielt ich noch immer in meiner Hand

Sie vertrauten mir ganz und gar

Aber ich gab mit meinem Unverstand

den Weg frei für die Bienenschar


Und ich rannte über unberechenbares Gestein

Meine Augen tränten vom trockenen Staub

Mit lautem Gebrüll wütete mein inneres Sein

Und die Vernunft flüsterte, mit Verlaub


Du wolltest erst nichts und dann zu viel

und alles sofort und für dich ganz allein

So entferntest du dich von deinem Ziel

Weinend brach ich gnadenlos ein


Und noch immer hielt ich die Schirmchen in meiner Hand

fühlte wie sie tanzten, wie kleine Feen

Denn sie sahen schon dieses wunderbare Land

In das ich mir gedacht hatte zu gehen


Warum Zeit schinden

Wo doch alles so nahe liegt

Ich muss nur den richtigen Weg finden

Ich weiß ja, dass es ihn gibt

(by Ramona Jährling)
((jhhjj( 

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