Heidi Schmitt-Lermann

Das Theatrum parvum

 








 




Was macht man in den Ferien,
wenn man draußen nicht spielen kann?
Durch lange Landregenserien
fängt dann doch der Unmut an.
 
Verstecken in bekannten Räumen
brachte uns eher den Verdruss.
Auch Raten konnten wir versäumen,
mit dem ständigen ‚ Stadt, Land, Fluss’.
 
Schwesterchen ließ Ideen reifen.
Sie malte Märchen gern daheim,
auf schmale, lange Papierstreifen,
klebt’ aneinander sie mit Leim.
 
So entstanden ganze Rollen,
wie halt im Kino, nur ganz klein.
Bruder tut dem Rechnung zollen
und bastelt ein Theater fein.
 
So kommt das Ganze in die Gänge,
wenn man Schlitze hinten anbringt.
Mutter näht die Theatervorhänge.
Das Unternehmen so gelingt.
 
Toll war unser Vorführraum.
Der alte Speicher unter’m Dach.
Schöneres findest du doch kaum,
als altes Gerümpel, Klavier und Bach.
 
Da lag auf Möbeln die „Gartenlaube“,
Spinnweben und Matratzen,
die alte Bibel, sonder Glaube,
Gemälde mit dämlichen Fratzen.
 
Dort stellten wir die Stühle auf,
für Märchenfreunde- und dinnen.
Auf dem Tisch stand das Theater d’rauf.
Die Vorführung konnte beginnen.
 
Da sank die kleine Seejungfrau,
von Taschenlampen beleuchtet,
in die Fänge der bösen Meeresfrau.
Manch’ Auge hat sich befeuchtet.
 
Gemütlich, denn die Zeit lag brach.
Wir haben es gar nicht gespannt.
Der Regen prasselte schwer auf’s Dach,
doch wir waren im Zauberland.
 
 
 
So verlebten wir urgemütliche, verregnete
Nachmittage in den Sommerferien mit unserem
„Theatrum parvum“.(das kleine Theater)
 

Meine Schwester hat damals viel gemalt. Heute
leider nicht mehr. Heute bin es ich eher,

die Freude am malen hat.
  
 

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