Heidi Schmitt-Lermann

DER HEILIGE BERG

      







Der Vater hatte den tollen Einfall,
einen Wandertag einzulegen.
Es war furchtbar heiß, die Sonne drall
und die Heidi war klar dagegen.
 
Sie hatte Hitze noch nie vertragen,
doch der Vater fing an zu treiben.
„Es wird schon schön, du wirst uns nicht plagen.
Allein zu Hause darfst du nicht bleiben.
 
So ist die Heidi, neun Jahre alt
Mit der Familie aufgebrochen
und ist nach Andechs mitgewallt.
Der Weg hat nach Teer gerochen.
 
Zwölf Kilometer in heißer Sonne,
verlief der Landweg ohne Schatten.
Der Vater schritt voraus mit Wonne.
Da gab es keine Streitdebatten.
 
Kleine Dörfchen durchschritten wir mal,
mit schmachtenden Blumen am Wegesrand.
Die Bewohner vermieden die Qual,
hinaus zu gehen in’s wabernde Land.
 
Die Kühe auf den matten Weiden,
lagen wiederkäuend herum.
Auch sie konnten die Hitze nicht leiden.
Nur den Vater brachte nichts um.
 
Endlich nach stolpernder Füße Werk,
lag flimmernd auf einer Anhöhe,
schwer ersehnt der heilige Berg,
eine Fata Morgana ich sehe.
 
Als wir dann im Garten saßen,
der Vater sich’s Bier schmecken ließ,
behandelten wir unsere Blasen.
Doch das Eis schmeckte schon süß.
 
Als wir also dann fein gelabt,
wurde die Kirche noch besichtigt.
Dann sind wir wieder heimgetrabt.
Mutti hat mich dann noch beschwichtigt:
 
„Gehe ohne viel aufzuschauen
in meinen Fußstapfen hintertrein“.
Ich ließ mich treiben voll Vertrauen.
Wir waren dann ganz schnell daheim.
 
Das Kloster Andechs war ja recht schön.
Und oft hatte Vater das Verlangen,
per Pedes wieder hin zu gehen.
Doch ich bin nie wieder mitgegangen.
 
 


 
Auch das war eine Begebenheit in den Sommerferien
der 50er Jahre. Mein Vater war sonst ein sehr lieber, fürsorglicher
Pappa. Aber er hatte die schreckliche Angewohnheit
auf sengenden Straßen und in furchtbarster Hitze
Ausflüge zu unternehmen. Lach.

 
 
  

 

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