Heidi Schmitt-Lermann

DER WICHSESTOCK











 

      





Schon wieder kam ein Regentag
Die Kinder mopsten sich herum.
Was man da wohl spielen mag?
Die Sommerferien sind bald um.
 
In vergangenen, alten Zeiten,
ist er hier zur Schule gegangen,
um den Bruder vorzubereiten,
zu geistigen Höhen zu gelangen.
 
Frau Wimmel, die alte Lehrerin
war sehr streng schockschwerenot.
War Wichsestocks Verehrerin,
misanthropisch und sehr bigott.
 
So dachte Brüderchen ganz froh.
Spielen wir Schule, das macht Spaß.
Die Lehrerin spiele ich sowieso,
strengen Blicks und mit dröhnendem Bass.
 
Geschürzt und fromm die Hände falten.
Den Knoten ersetzt ein Knäuel im Haar.
Stricknadeln sollten fest ihn halten.
Die Schere, als Brille saß wunderbar.
 
So begann die Handarbeitsstunde.
Die einen sollten Pullis stricken.
Die andern in dieser fleißigen Runde
an Nachthemden die Löcher flicken.
 
„Einstechen, Fädchen holen, rauszieh’n!“
hört man die Wimmel ständig klagen.
Der Öde konnte man nicht entflieh’n,
sollte der Wichsestock nicht schlagen.
 
Hatte das Fädchen man rausgezogen,
wenn der Takt erst einstechen sollte,
wurde ein Tatzenschlag übergezogen,
von dieser schlimmen Witwe Bolte.
 
Mein Bruder hat sie herrlich gespielt
„Schau Kinderl, damit’d was lernst.“
Hat man hier noch den Spaß gefühlt,
war was er spielte, früher todernst.
 

 
 
Erinnerungen an die Sommerferien. Diese Lehrerin auf
dem Lande hat die Mädchen in der Handarbeitsstunde
ihre Wäsche flicken und die Buben Holz hacken lassen.
Sie hat die Kinder beim stricken damit erschreckt, plötzlich
„Halt“ zu rufen, jedes musste seine Hand oben auf die
Schulbank legen und wenn ein Kind schon weiter war
als ihr Takt, bekam es den Stock über die Hände gebraten.
Das geschah alles noch zu Kriegszeiten. 
 

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