Michael Rischer

Verwandlung


                 Zur Welt kam ich aufgeweckt,
                 war munter, vielseitig interessiert,
                 nur die Hülle ungeeignet zum Tun.
                 Ich konnte nichts sagen, nur schauen,
                 und schreien.
                 Doch die Menschen mochten mich.
 
                 Später konnte ich lachen,
                 und etwas sagen.
                 Niemand konnte mich verstehen,
                 doch die Menschen mochten mich.
 
                 Dann fing ich an zu sprechen,
                 und die Menschen
                 fanden es entzückend,
                 und sie mochten mich.
 
                 Später sagte ich, was ich sah,
                 und sagte, was ich wollte,
                 sagte, was mir fehlte,
                 und die Menschen verstanden mich.
 
                 Doch sie sagten,
                 sie haben keine Zeit,
                 und ich kann nicht alles haben,
                 und ich soll nicht soviel reden.
                 Das erstaunte mich.
                 Mochten sie mich nicht mehr so gern?
 
                 Dann ging ich zur Schule,
                 fand es sehr interessant.
                 So viele Menschen,
                 mit denen man reden kann.
                 Doch ich soll zuhören,
                 nicht reden,
                 und nicht soviel
                 unnütze Fragen stellen.
                 Was mache ich falsch?
 
                 Meine Eltern sagten,
                 ich muß mehr lernen,
                 muß putzen helfen,
                 soll nicht soviel fragen,
                 soll ruhig sein.
                 Ist dies das Leben?
 
                 Später erkannte ich,
                 daß mich die Menschen nur mögen,
                 wenn ich tue, was sie wollen,
                 wenn ich ruhig bin,
                 wenn ich lerne,
                 wenn ich arbeite.
                 Schade, daß mich die Menschen
                 nicht so mögen, wie ich bin.
 
 
                 Also bin ich ruhig,
                 tue, was sie wünschen,
                 was sein muß.

                 Mich interessiert auch
                 gar nicht mehr so viel.
                 Ich ändere mich.

                                

                 Heute bin ich ein guter Mensch.

                 Ich mache meine Arbeit,
                 falle niemandem auf die Nerven.
                 Mich interessiert mein Vergnügen,
                 Kino, Disko, Fernsehen,
                 Computerspiele, Kumpels, Urlaub.
 
                 In der Zeitung lese ich,
                 daß die Menschen
                 zuwenig miteinander reden.
                 Dies mache die Menschen einsam,
                 mache krank, und bösartig.
                            
                 Ich verstehe das nicht.
                 Wir sollten doch ruhig sein,
                 lernen, arbeiten,
                 keine Fragen stellen,
                 nicht so lästig interessiert sein.
 
                 Aber nun,
                 nachdem ich mich endlich
                 an all' dies gewöhnt habe,
                 soll das falsch sein?
 
                 Wissen denn die Menschen nicht,
                 was sie wollen?
                 Sie bekommen,
                 was sie haben wollen.
 
                 Und ich,
                 ich kann mich
                 nun nicht mehr ändern.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 08.11.2011. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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