Margit Farwig

Baumgedanken II

 

  Bad Bentheimer Wald 017

 Foto (c) Margit Farwig

 

Einst stand ich im grünen Blattgewand
schaute stolz ins weite, weite Land
ich fühlte, wie die Säfte stiegen
sah auch im Herbst die Blätter liegen

und im Winter hielt ich stille aus
wusste ich, ich schlief im eignen Haus
die Vögel sangen Liebeslieder
die Pärchen sanken an mir nieder

schnitzten in meine Rinde Herzen
neckten sich liebevoll in Scherzen
auch Nager mit den spitzen Zähnen
möchte ich gerne noch erwähnen

ins Wurzelwerk meiner Gebeine
grub sich die Rötelmaus, die kleine
auf allen Ästen wurd’ gesprungen
in höchste Höhen sie gedrungen

die Eichhörnchen und auch die Käfer
man hör’ und staune, die Siebenschläfer
doch plötzlich durchzuckten mich Blitze
Himmel erhalt mich, sah durch Ritze

ich wurde zerstört so nach und nach
mir halfen nicht Klagen, nicht Weh und Ach
schickte mich demütig ins Leiden
sah die Blätterpracht von mir scheiden

letztendlich steh’ ich verletzt, bin nackt
wiege mich nicht im Wind, es knackt
winde mich kaum im Wettergebraus
in Gedanken, will nur noch nach Haus

© Margit Farwig  27. 01. 2012

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