Peter Perlofert

aus frau hoppsassas tagebuch - der bahnübergang

(30. November)

schöner rabe auf den gleisen
willst du aufspring’ und verreisen,
wenn der viertel-neuner kommt?
willst du flugs die stadt verlassen,
spring’ ich mit dir auf den zug.
fühl' dein kreuz und krieg's zu fassen.
viertel neun beginnt der flug.
 
unbestattet auf den dächern
bläst die sonne und wir fächern
uns den bunten fahrtwind zu.
blätter fall’n aus allen ästen
auf deinen frack, mein jungfernkleid.
den gästen stampft der zug gen westen
einen walzer seiner zeit.
 
das menue zur hochzeitsfahrt
servier’n die schaffner a la carte
mit strammen silberzangen.
und

wir empfangen die schalmeien:
8 uhr 15  - 
du bereust.
erklärst, dass wir geschieden seien.

ich warte vor'm andreaskreuz.

 

Andreaskreuz? >  http://de.wikipedia.org/wiki/Andreasnacht

Ich habe den Text in den letzten 4 Tagen sicher 20x geändert,
weil er mir (immer noch) zu undurchsichtig schien und
weil dadurch wohl niemand die Gelegenheit sieht, da was (spontan) zu kommentieren.
Was soll dieser Text überhaupt?:
Frau Hoppsassa ist eine leicht verwirrte alte Dame,
die durch das Unmittelbare zwischen Tagträumen und Demenz ihr Leben übereinanderlegt.
Dadurch ergibt sich eine Versponnenheit, die manche wohl verschreckt oder gar nicht erst weiterlesen lässt.
Ich arbeite daran.

Peter Perlofert, Anmerkung zum Gedicht

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