Anna Jansen

Mein Papagei



Mein Papagei, der arme Wicht
hat keine Mauser, keine Gicht,
ist ziemlich fit, aus jeder Sicht
und doch sieht er sein Spielzeug nicht.
Er flattert blind, gar entenähnlich
Durch die Wohnung. Ist schon dämlich,
dass es für so ‘n Absturzkracher
einfach gibt kein Brillenmacher.
So dacht ich mir, hab Platz für mehr,
da muss vielleicht ein Partner her,
Als Navi-Vorbild was zu haben,
Oder sozialen Kameraden,
doch Zweiter wird stumpf ignoriert,
währ'nd dieser auf das Spielzeug stiert.
 
Mit dem Gehör, da steht‘s nicht schlecht,
sie krächzen beide im Gefecht,
wer wohl die schrillsten Töne schafft.
Des Nachts sogar die Katze gafft.
Zum Radio ist’s schon mal Obama
oder auch der Dalai Lama,
der da ihr Jammern überbietet.
Gern hätt ich die Bank vermietet,
denn wie sie kommt tagein tagaus,
spräng da ein schönes Sümmchen raus.
Beim Frühstück langen beide zu.
Mit vollen Mündern hab ich Ruh,
doch während einer Müsli knabbert,
der andre das Besteck vollsabbert.
Ich habe gar nichts gegen Putzen,
doch beiden sollt man Flügel stutzen,
da jeder Vorhang zugeschisst
und Blindi die Tapete frisst.
 
Paranoia hin und her
Was nicht mehr geht, das geht nicht mehr.
Mein Haus ist gar nicht vogelsicher,
vergolten wurd’s mir mit Gekicher,
doch allen Ernstes, als ich schlief
und Nachbarskatze draußen lief,
versuchte mal ein düstrer Mann,
was er als Einbrecher wohl kann.
Das ging, die Hintertür stand lose,
zwar versicherungstechnisch in die Hose,
doch sehr viel tuen konnt er nicht,
da Blindi schon in sei‘m Gesicht
Und lauthals schreiend Schlag um Schlag
Dem Dieb wörtlich an den Ohren lag.
Vom Vogelsitz kreischt Nummer Zwei.
Alsbald schreit nun auch Nummer Drei,
der Dieb, der auf Boden, vollgesifft,
ausrutscht und das Spielzeug trifft.
Nummer Zwei sieht schließlich rot,
wünscht sich den Kerl dort lieber tot,
fliegt in die Küche zum Gedeck
schnappt sich das glänzendste Besteck
und teufelswild, in aller Eil
zielt er auf Diebes Hinterteil.
Ein lauter Schrei, das Messer steckt,
woraufhin Zwei das Spielzeug checkt.
Unterdessen, sich verrenkt,
ihm Blindi an den Ohren hängt.
Der Kerl gibt auf, zieht sich zurück,
doch hat beim Rückzug gar kein Glück,
da Miezekatz Bescheid gesacht
und die Verwandtschaft mitgebracht,
die beiden Biester anzuhörn,
die nächtlich ihr Gejammer störn.
Schnell sucht der Dieb die Vordertür,
Vollbringt olympiareife Kür
Und stolpert schnell die Straße runter.
Blindi unterdessen munter,
zieht sich auf seinen Sitz zurück
und schläft bis morgens noch ein Stück.
Nur ein Ohrläppchen verloren,
hat der Mann danach geschworen,
fortan nur noch brav zu sein.
 
Lang geschlafen, wie ein Stein
hab ich morgens dann den Schock:
Blutbeschmiert sitzt auf dem Stock
Blindi, glücklich aufgeplustert,
derweil Zwei am Spielzeug schustert.
Das Fleischmesser im Garten liegt,
wo an mein Bein sich Kätzchen schmiegt,
anders weiß ich nicht zu sagen,
was passiert ist. Wen denn fragen?
Die beiden, ob sie’s würden wagen
Diebe in die Flucht zu schlagen?
Von meinen Geiern bin ich Fan,
die würden sagen: „Yes, we can!“ 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.07.2012. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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